Es war eine Bildungsfahrt für Landwirte und alle an der Erhaltung lebender Kulturgüter interessierten Mitstreiter der Osterburger Landsenioren. Alte landwirtschaftliche Haus- und Nutztierrassen sind Kulturgüter, mit denen unsere Altvorderen bis hinein in die 1960er Jahre auf dem Lande gelebt und das täglich Brot geschaffen haben. Durch die Rassevielfalt mit regionalen Bezügen und speziellen Leistungen sind sie eine wichtige Genreserve zur nötigen Leistungsstabilisierung unserer Hochleistungsrassen. Wer diese Rassen als lebende Fleischkonserve betrachtet, denkt und handelt oberflächlich.

Keine lebende Fleischkonserven

Diese kleine Präambel soll das Anliegen unseres Besuches am 2.April im Haustierpark Lelkendorf bei Teterow, Landkreis Rostock, erklären.

Schönes Frühlingswetter in der erwachenden, herrlichen Natur der Mecklenburger Schweiz und die Begegnung mit der Vielfalt alter Rassen, bezüglich Farbe, Exterieur und Leistungsbereitschaft, haben Landwirte und Naturliebhaber gleichermaßen berührt.

Besucher umfassend informiert

50 Osterburger Landsenioren wurden im Haustierpark Lelkendorf vom Leiter Jürgen Güntherschulze sehr engagiert und umfassend informiert. Während der Rassebeschreibung vor Ort war die besondere Vorliebe des Zoologen und Biologen für alte Schweinerassen erkennbar.

Er konnte unter anderem zahlenmäßig belegen, dass nur wenige Rassen aufgrund ihrer Eigenschaften für die heutige industrielle Großproduktion genutzt werden können. Dieser Verlust von Eigenschaften gegenüber alter Rassen hat künftig auch für die Ernährung der Weltbevölkerung negative Auswirkung.

Beim Gang durch den 16 Hektar großen Park auf einem etwa zwei Kilometer langen Rundweg kann man in den Gehegen 52 Rassen mit 350 Tieren beobachten. Dafür sind nur vier Arbeitskräfte - keine Fachkräfte! - beschäftigt. 1992 wurde der Haustierpark auf gemeindeeigenem Grund und Boden gegründet und seit dem 1. Januar 2011 als GmbH geführt.

Die Haltung der Tiere erfolgt extensiv. Die Präsentation der Nutztiere beginnt mit dem Geflügel, es folgen unter anderem Ziegen- Schafrassen, Schweinerassen. Den Abschluss bilden vom Aussterben bedrohte Pferde- und Rinderrassen. Leider waren regionaltypische Pferde- und Rinderrassen Mecklenburgs nicht zu sehen. Aber dafür gibt es triftige Gründe. Es ist der Finanz- und Arbeitskräftemangel, denn der Haustierpark arbeitet ohne staatliche Fördermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Deshalb ist jede Förderung willkommen. Das war für die Osterburger Landsenioren ein spontaner Anlass, eine kleine Geldspende zu überreichen, um die fachlich notwendige Einrichtung zu unterstützen. Es wurde sehr deutlich, dass ein Haustierpark in der Betriebsführung und Wissensvermittlung eine Zwischenstellung zwischen Landwirtschaft und Tierpark einnimmt.

Keine Monokulturen zulassen

Es ist uns einmal mehr bewusst geworden, dass die Generation der heutigen Landsenioren und ansässigen Dorfbewohner die letzte Generation ist, die das Leben auf dem Lande auf geschlossenen Hofsystemen erlebt hat. Alles, was zur Ernährung und an Lebensnotwendigkeiten gebraucht wurde, ist auf den Höfen und im Dorf erzeugt worden.

Uns ist klar, dass die heute erreichten tierischen und pflanzlichen Erträge, im Einklang mit den Ergebnissen von Wissenschaft und Industrie, uns allen einen hohen Lebensstandart sichern, der unverzichtbar ist.

Deutschland ist ein bedeutendes Exportland von Lebensmitteln und Zuchttieren. Wir brauchen Hochleistungsrassen und hohe Erträge im Pflanzenbau. Es darf aber nicht zu tierischen und pflanzlichen Monokulturen kommen. Es ist wichtig, lebensnotwendige Ressourcen zu erhalten. Ebenso ist die Leistung der Lokalrassen zu steigern, weil sie noch Eigenschaften haben, die bei neuen Rassen verloren gegangen sind.

Rückblick auf den Werdegang

Wir leben heute in einer sehr schnelllebigen Zeit. Der Besuch im Haustierpark Lelkendorf war unter anderem auch ein Rückblick auf unseren beruflichen Werdegang.

Das Leben auf dem Lande war Ganzheit, ein Leben mit der Natur. Diesen Zusammenhang müssen wir bei der notwendigen Entwicklung der Dörfer und Regionen berücksichtigen und nutzbar machen, ohne gewohnte Lebensqualitäten zu verlieren!

Allen Organisoren dieser Exkursion danken wir.

Gert Elste