Albrecht der Bär nahm im 12. Jahrhundert großen Einfluss auf die Entwicklung der Altmark und legte den Grundstein für die Mark Brandenburg. Nach Werben holte er den Johanniterorden. Am Sonnabend fand in Werben eine wissenschaftliche Fachtagung zu seinem Wirken statt.

Werben l Nachdem bereits in Bernburg sowie vor zwei Jahren anlässlich des 800-jährigen Bestehens Anhalts wissenschaftliche Fachtagungen stattfanden, die Albrecht I. von Brandenburg, auch Albrecht der Bär genannt, zum Thema hatten, kam am Sonnabend eine solche erstmals in die Altmark. Der Altmärkische Heimatbund in Kooperation mit dem Landesheimatbund und der Werbener Arbeitsgruppe "Albrecht der Bär" um Stadtratsmitglied Michael Schnelle sind die Initiatoren. Es wurden aktuelle Forschungsergebnisse ausgetauscht, historische Zusammenhänge sowie Fragen zur Erinnerungskultur beleuchtet.

"Albrecht der Bär hieß gar nicht Albrecht, sondern Adelbert"

Dr. Lutz Partenheimer, Historiker

Rund 150 Gäste, darunter Historiker, Heimatforscher und Interessierte aus ganz Sachsen-Anhalt, besuchten die Tagung im "Deutschen Haus". Unter den Gästen befand sich auch Julius Eduard, Prinz von Anhalt und Herzog zu Sachsen, Gründungspräsident des Landesheimatbundes und Nachfahre des Markgrafen Albrecht der Bär.

Dr. Lutz Partenheimer aus Potsdam begann als erster Referent der Vortragsreihe über "Albrecht der Bär, Vater der Markbrandenburg und Großvater Anhalts" zu sprechen. Er begann mit einer Enttäuschung: "Albrecht der Bär hieß gar nicht Albrecht, sondern Adelbert", erklärte er seinen Zuhörern. Albrecht sei eine Kurzform des Namens. In den Quellen taucht der Askanier erstmals 1120 auf. Wie Partenheimer erklärt, sind etwa 100 Quellen vorhanden, die der Historiker auch alle gesichtet hat. Den Beinamen "der Bär" trug der Markgraf schon zu Lebzeiten. Partenheimer vermutet, dass der Bär als Gegensatz zu anderen Herrscherbeinamen, etwa Heinrich der Löwe, fungiert.

In Werben stellte Albrecht der Bär im Jahre 1157 die erste Urkunde als Markgraf von Brandenburg aus. Partenheimer machte auf die Bedeutung des berühmten Askaniers für die Altmark und insbesondere für Werben aufmerksam. Als Albrecht der Bär 1159 von seinem Kreuzzug nach Jerusalem zurückkehrte, begann er sein Siedlungsprogramm. Holländer, Flamen und Rheinländer siedelten sich in der Region an und begannen mit dem Deichbau an Elbe und Havel. Aus dem bis dahin sumpfigen Land wurde eine fruchtbare Landschaft. 1160 schenkt Albrecht die Einkünfte der Kirche zu Werben und die dazugehörigen Ländereien dem Johanniterhospital Jerusalem. So entstand in Werben die erste Ordensniederlassung im nordöstlichen Deutschland aus der schließlich die Komturei hervorging. "Wenn Werben ein Alleinstellungsmerkmal sucht, dann den Beinamen Johanniterstadt", machte Partenheimer deutlich. Den Namen Hansestadt sieht der Historiker als weniger bedeutend an, da Werben in der Hanse nur ein "kleines Licht" war.

Dr. Konrad Breitenborn, Präsident des Landesheimatbundes, appellierte im Hinblick auf die besonderer Bedeutung des Wirkens Albrecht des Bären für die Altmark und Werben dafür, die Erinnerung an den Markgrafen hochzuhalten. "Vielleicht mit einem Denkmal", sagte Breitenborn und griff so die Diskussion auf, die bereits der Arbeitskreis ins Leben rief: das Denkmals des Markgrafen, das bereits 1906 in der Stadt aufgestellt wurde und später verschwand, erneut zu errichten.

"Wir müssen mit dem Pfund des historischen Erbes wuchern"

Jochen Hufschmidt, Bürgermeister

Diese Anregung griff Werbens Bürgermeister Jochen Hufschmidt auf: "Die Geschichte der über 1000-jährigen Stadt Werben ist stark von Albrecht geprägt. Die ältesten erhaltenen Baudenkmale der Johanniter in Deutschland sind hier. Umstritten ist die Frage, wie wir mit der Historie umgehen." Noch zu klären sei, wo ein solches Denkmal in der Stadt einen Platz findet, aber auch, ob es ein Denkmal in moderner Form oder eine Kopie des bereits 1906 aufgestellten Standmals sein soll. Sicher ist für Hufschmidt eines: "Wir müssen mit dem Pfund des historischen Erbes wuchern." Die Stadt wird Fördermittel für die weitere Instandhaltung des historischen Stadtkerns einsetzen. Ehrenamtliche engagieren sich für den Erhalt der historischen Bausubstanz.

Zum Abschluss der Fachtagung blieb Gelegenheit, die Stadt anzusehen und die ehemalige Lambertikapelle, das Stadttor, die Salzkirche sowie die Johanniskirche zu besichtigen. Der Altmärkische Heimatbund beabsichtigt ein Protokollband zur Tagung herauszugeben.