Aktuelle Entwicklungen rund um den geplanten Geflügelmastbetrieb Schwarzholz haben die Bürgerinitiative gegen die Anlage dazu veranlasst, eine Versammlung in Schwarzholz durchzuführen. Der Einladung folgten zahlreiche Einwohner. Sie wollen sich weiter vehement gegen das Vorhaben zur Wehr setzen.

Schwarzholz l Womit in Schwarzholz kaum jemand gerechnet hätte, ist nun doch eingetreten. Das Landesverwaltungsamt (LVwA) Sachsen-Anhalt fordert erneut Stellungnahmen der Gemeinde Hohenberg-Krusemark zur geplanten Hähnchenmastanlage ab. Das veranlasste die Bürgerinitiative (BI), die sich seit 2008 gegen die Investition in ihrem Ort wehrt, am Dienstagabend eine Versammlung im Dorfgemeinschaftshaus durchzuführen. Die Resonanz war groß. Kaum ein Platz blieb unbesetzt.

Gemeinderat erneut zur Stellungnahme aufgefordert

"Wir haben in diesem Rahmen lange nicht mehr über die Hähnchenmastanlage gesprochen. Zeitweise konnte man auch den Eindruck gewinnen, dass dem Investor die Luft ausgegangen ist. Aber wie sich nun zeigt, ist die Sachlage anders. Angesichts der aktuellen Entwicklungen hält die BI es für ihre Pflicht, die Bürger zu informieren. Denn ganz offensichtlich versucht der Antragsteller nun mit Nachdruck, sein Vorhaben doch noch zur Genehmigung zu bringen", sagte der BI-Sprecher Olaf Schmidt einleitend.

Wie er erläuterte, hat die Gemeinde Hohenberg-Krusemark ein Schreiben vom LVwA erhalten. Es enthalte die Aufforderung an die Kommune, sich erneut zum Investitionsvorhaben Hähnchenmastanlage zu äußern. Zum einen seien vom Antragsteller seit langem angeforderte Unterlagen der Behörde zur Verfügung gestellt worden. In diesem Zusammenhang solle sich der Gemeinderat äußern, ob das Vorhaben nunmehr mit Blick auf den Flächennutzungsplan realisiert werden könne. Zum anderen solle der Gemeinderat erneut eine grundsätzliche Stellungnahme zu dem Vorhaben abgeben. Diese Stellungnahme soll allerdings erst im August formuliert werden. Das heißt, der neu gewählte Gemeinderat ist gefragt, dem nunmehr auch der Bauantragsteller, Kai-Richard Schlichting, angehört.

Schmidt beleuchtete in seinen weiteren Ausführungen noch einmal den bisherigen Werdegang rund um das Vorhaben. Im Jahr 2008 habe Schlichting beim Landesverwaltungsamt erstmals vorgesprochen. In dieser Zeit stellte der Antragsteller das Vorhaben im Rahmen einer Sitzung der damals noch eigenständigen Gemeinde Schwarzholz das erste und einzige Mal öffentlich vor.

Schon damals hatt sich der Rat gegen das Vorhaben ausgesprochen und unter anderem ein Raumordnungsverfahren gefordert.

Verwicklung führte 2011 zum Bürgermeister-Rücktritt

Die BI sammelte unter anderem 1300 Unterschriften, mobilisierte Einwohner aus Schwarzholz, um Eingaben zu schreiben, sammelte Spenden. Mit dem Geld ist unter anderem anwaltliche Unterstützung finanziert worden. Außerdem hat die BI ein Flora- und Fauna-Gutachten erstellen lassen - mit dem Ergebnis, dass zum Beispiel die vom Aussterben bedrohte Zauneidechse auf dem Areal nachgewiesen worden ist.

2011 wurde beim Landesverwaltungsamt (LVwA) Halle der Genehmigungsantrag für den Bau des riesigen Hähnchenmastbetriebes in Schwarzholz gestellt. Nach einer Auslegung der Unterlagen sollte die Gemeinde Hohenberg-Krusemark im Rahmen der Planung der Anlage ihr Einvernehmen geben. In dieser Phase kam heraus, dass der damalige Bürgermeister der Gemeinde Hohenberg-Krusemark, Ralf Bergmann, für den Investor ein Gutachten erstellt hatte. Darüber war jedoch weder dem Rat noch der BI im Vorfeld etwas bekannt. Die Folge war der Rücktritt Bergmanns vom Bürgermeisteramt. Dirk Kautz wurde sein Nachfolger.

Nach ausführlicher Diskussion über die geplante Hähnchenmastanlage hatte sich im Gemeinderat eine klare Mehrheit dagegen herausgebildet. Am 4. Oktober 2011 beschloss das Gremium, dass die Gemeinde ihr Einvernehmen nicht erteilt.

Schmidt erläuterte noch vieles mehr von dem, was sich bis heute rund um das ungeliebte Investitionsvorhaben ereignete. Unter anderem hatte der Gemeinderat eine bereits im Betrieb befindliche, vergleichbare Hähnchemastanlage besichtigt, um sich selbst ein Bild zu machen. Der wesentliche Unterschied der Anlage bei Heiligengrabe ist der, dass sich im Umkreis von fünf Kilometern keine Wohnbebauung befindet. In Schwarzholz befinden sich die ersten Wohnhäuser in nur 700 Metern Entfernung."

BI hofft nun auf große Spendenbereitschaft

Der BI-Sprecher frischte die zahlreichen Gründe auf, die aus seiner Sicht gegen die geplante Hähnchenmastanlage sprechen. Dazu zählen unter anderem gesundheitliche Gefahren für die Einwohner etwa durch aggressive Keime, die sich auch über die Luft in der Umgebung der Anlage verteilen, zu erwartende starke Geruchsbelästigung, die zum Wertverlust der Grundstücke führten und die Lebensqualität in Schwarzholz einschränkten, weit verbreiteter Antibiotika-Einsatz in den Massentierhaltungsbetrieben - mit all den daraus resultierenden Risiken - und grundsätzliche ethische Gründe, die gegen diese Form der Massentierhaltung sprächen. "Wir sind für eine bäuerliche Landwirtschaft in unserer Region, aber gegen industrielle Massentierhaltung", unterstrich Schmidt.

Der Schwarzholzer schwor die Anwesenden auf eine nun beginnende neue Phase im Kampf gegen die Mastanlage ein. Es sei mit einem erneuten Genehmigungsverfahren zu rechnen, in dem auch wieder Stellungnahmen der Einwohner gefragt seien. Vor allem benötige die BI Geld, um einen dringend notwendigen Fachanwalt bezahlen zu können.

Schmidt lud die Bürger dazu ein, zur konstituierenden Sitzung des Gemeinderates Hohenberg-Krusemark am 3. Juli zu kommen. Dort könne die Einwohnerfragestunde genutzt werden, um Fragen an den Antragsteller zu richten.

 

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