Wielun/Osterburg (igu) l Eine fünfköpfige Gruppe aus der Hansestadt Osterburg um Einheitsgemeinde-Bürgermeister Nico Schulz weilt seit dem Wochenende und noch bis heute in der polnischen Partnerstadt Wielun. Neben dem Stadtoberhaupt vertreten Frank Hoche, Leiter der Museen des Landkreises, Stadtrat Hagen Portele und Amtsleiterin Anke Müller mit Ehemann Gerald die Osterburger Farben.

Anlässlich des 75. Jahrestages des Ausbruchs des 2. Weltkrieges fand gestern Nacht in Wielun eine Kranzniederlegung statt. Die Bombardierung Wieluns war der erste Angriff der Wehrmacht und markiert somit den Beginn des 2. Weltkrieges vor 75. Jahren. Am gestrigen Nachmittag fand in Wielun eine gemeinsame Festsitzung statt, bei der der Bürgermeister eine Rede hielt.

"Dass dieser aller bisher schrecklichsten Kriege mit dem Überfall des Deutschen Reiches auf Ihr Heimatland begann, ist die größte Tragödie der deutsch-polnischen Nachbarschaft", wandte sich Nico Schulz an den Bürgermeister Wieluns, Janusz Antczak, und an die anderen Anwesenden. "So brutal wie die Wehrmacht mit der Zerstörung Wieluns diesen Krieg begann, so unvorstellbar brutal und unmenschlich wütete sie in den folgenden Kriegsjahren weiter." Schulz erinnerte an Auschwitz, den Warschauer Aufstand mit der anschließenden Zerstörung der Hauptstadt, die gezielte Auslöschung der polnischen Intelligenz, Massendeportationen und Zwangsarbeit.

"Wenn man dieses Leid und die Gräueltaten bedenkt, ist der heutige Stand der deutsch-polnischen Beziehungen das größte Wunder des modernen Europas. Dieses Wunder gelang nur, weil die Polen vermochten zu vergeben, als Deutsche Reue zeigten, wie es Bundespräsident Joachim Gauck erst vor kurzem sagte.

Wenn wir aber nicht nur Verbündete, Partner und gute Nachbarn bleiben wollen, müssen wir nach dem Wunder der Versöhnung ein weiteres Wunder schaffen: das der Völkerfreundschaft."

Erst wenn sich die Menschen beider Völker akzeptieren und mögen, wird es die Garantie einer dauerhaften und friedlichen Partnerschaft unserer beiden Staaten geben.

Ein Schritt hierzu ist, sich in aller Offenheit und mit Verständnis für die Sicht des anderen, der auch noch so schmerzhaften Geschichte zu erinnern, so wie wir es heute tun.

Ganz wichtig ist es aber, die Menschen beider Länder und vor allem die Jugend zusammen zu führen. Das ist das Fundament unserer gemeinsamen Zukunft.

Ich bin stolz, dass Wielun und Osterburg mit ihrer so engen Städtepartnerschaft einen wichtigen Beitrag hierzu leisten. Dabei sind es nicht nur die regelmäßigen Besuche der Politiker beider Städte, sondern es sind die vielen Begegnungen unserer Sportler, Künstler, Schüler und vieler mehr, welche diese innige Freundschaft mit Leben füllen", schloss der Bürgermeister seine Rede.