Bereits seit 1997 gibt es in der nördlichen Altmark das Projekt Sternreiten. Das Netzwerk hat sich seither zu einer kleinen Erfolgsgeschichte entwickelt. 30 Betriebe gehören ihm an.

Hohenberg-Krusemark l Die Mitgliedsbetriebe des Netzwerks Sternreiten verkörpern wie kaum etwas anderes den ländlichen Tourismus. Von der Havel bis zur Grenze des Wendlandes erstreckt sich das Gebiet der Sternreiter. Einmal im Jahr erscheint das aktuelle Gastgeberverzeichnis. "Die Altmark, der Himmel auf Pferden" bekommen die Messebesucher mit auf den Weg.

Angefangen hat es mit dem Sternreiten 1997 als Pilotprojekt der Verwaltungsgemeinschaft Arneburg-Krusemark. Das Zusammenführen von Reiterhöfen war der Aufhänger des Ganzen, aber auch Arbeitsplätze im touristischen Bereich sollten entstehen. Ein besseres Angebot auf den Reiterhöfen sollte ihnen helfen, besser überleben zu können. Die Idee ging auf. Das Projekt war bei Eike Trumpf und dem Reiterhof seines Bruders Uwe Trumpf an der richtigen Adresse. 1999 wurde der Verein Interessengemeinschaft Sternreiten in der Altmark gegründet. Seitdem hat der Verein seinen Sitz in Hohenberg-Krusemark, mit Büro, Pferden und allem Drum und Dran.

"Mitglieder sind natürliche Personen, Betriebe, Gemeinden wie Hohenberg-Krusemark, Arneburg und Havelland", so Eike Trumpf. "Heute haben wir 30 Mitgliedsbetriebe." Natürlich scheiden immer mal welche aus, aus geschäftlichen oder Altersgründen, Menners aus Wolterslage als jüngstes Beispiel. Dafür ist wiederum der Reiterhof Albrecht in Buch nachgerückt und sogar im Vorstand vertreten. "Es ist ein Kommen und Gehen", resümiert der Vereinsvorsitzende.

Präsenz auf Messen ist für den Verein unerlässlich

Der Reiterhof Uwe Trumpf ist die Konstante, 2004 nahmen die Sternreiter das Gutshaus im Ort als Unterkunftsmöglichkeit hinzu. Während dort Schwiegermutter Margret Tappe die Geschicke leitet, ist auf dem Reiterhof die 82-jährige Mutter Brigitte Trumpf die gute Seele des Hauses und deckt für die Sternreiter gern den Kaffeetisch.

Eike Trumpf sieht in dem Verein die Aufgabe des Lobbyismus. Das Sternreiten ist die eine Sache, Messen und Veranstaltungen die andere. So war die Interessengemeinschaft bei der Grünen Woche in Berlin präsent. Die Mitglieder stehen auch bei der "Hippologica" in Berlin, der "Pferd und Jagd" in Hannover, der "HansePferd" in Hamburg und der Weltpferdemesse Equitana in Essen am Messestand. Kürzlich vertraten sie den Interessenverein drei Tage auf der Messe "Partner Pferd" in Leipzig. Ob beim Altmärkischen Heimatfest oder Sachsen-Anhalt-Tag - die Sternreiter sind jedes Jahr dabei.

Mit dem Tourismusverband Altmark sind die Wanderrouten entstanden, mit GPS können sie erritten werden. Da gibt es den Vier-Höfe-Ritt, die 5-Tage- und die 7-Tage-Tour, von Krusemark bis Käcklitz, man umreitet den Arendsee und passiert Beetzendorf. "Es kommt darauf an, wohin die Gäste wollen", so Eike Trumpf. Nach der letzten Messe in Berlin fragten ihn zwei Familien mit Kindern, wo sie reiten lernen und Urlaub machen können. Dann wieder kommen Stammgäste wie Klaus und Matthias Poeschel aus Aschersleben. Zwischen den Jahren kam Poeschel sogar aus Tadschikistan, um in Krusemark zu reiten. Bei Hochwasser war er Deichhelfer in Osterholz. "Das ist einmalig in Sachsen-Anhalt. Hier ist Reiten überall erlaubt, wo es nicht verboten ist - durch die Elbwiesen, Wälder, leichte Hügel", schwärmt Poeschel. Und er hat in seiner Tätigkeit in der Tourismusmarketinggesellschaft viel gesehen.

1998 und 2010 zeichnete die Deutsche Reiterliche Vereinigung Hohenberg-Krusemark als "pferdefreundliche Gemeinde" aus. Erst nach acht Jahren dürfen sie sich wieder bewerben, alle vier Jahre wird die Auszeichnung vergeben.

Zehn eigene Pferde stehen bei Uwe Trumpf im Stall, junge Pferde, die noch ausgebildet werden, hat er, und Zuchtpferde. Dazu noch Pensionspferde aus den Dörfern rings um Stendal. Wenn er kann, reitet er beim Sternreiten mit. Sonst sind seine Frau Ines und Bruder Uwe die Begleiter. Alle drei haben Trainingsausbildung und Lizenz vorzuweisen.

Mit den Pferden hatte es Eike Trumpf schon immer

Mit Pferden hatte Eike Trumpf es schon immer. 1972 fing er an in einer Jungstruppe mit Ulf Trog und Torsten Hut, die halbe Klasse war pferde-närrisch. Werner Schwarzkopf und Thomas Treptow kamen vom Stendaler Verein hierher. 1994 entstand der Reiterhof. "Keiner ist auf die Idee gekommen, Tourismus zu machen. Hier war alles Reitsport", erzählt Trumpf. Seit Mitte der 90er ist er der Vorsitzende des Pferdesportvereins Hohenberg-Krusemark. Sein Bruder Uwe wollte sich ein zweites Standbein neben der Landwirtschaft aufbauen und fing mit zwei Pferden an. Es wurden immer mehr, dann standen Leute in der Tür, die ein Zimmer suchten. So wurden die ersten Zimmer ausgebaut. Seine 140 Hektar pflegt er nach wie vor, dank Hafer und Stroh, Wiesen und Heu versorgt er die Pferde selber.

Im Frühjahr und Herbst verzeichnen sie die meisten Wanderritte, meist von Hof zu Hof, mal mit Gepäck in der Kutsche mal am Pferd. "Von jedem Hof kann man sternförmig ausreiten", stellt Trumpf klar, sei es Wolterslage oder Büttnershof. Fünf bis zehn Reiter sind ideal. "Die zehnköpfige Frauengruppe aus Dinneberg kommt immer im Mai. Die sind schon sieben Tage bis Brandenburg geritten", verrät der Vereinschef. Richtung Pritzwalk oder den Rundkurs bis ins Wendland kann er ebenfalls empfehlen, "denn die Reiter lieben ja die Weite und die unbefestigten Wege, und man bekommt viel Natur zu sehen, wenn man über Arendsee und die Dolchauer Berge bei Mehrin reitet."

Die Leidenschaft für Pferde haben die Töchter Luisa (16) und Leandra (7) in die Wiege gelegt bekommen. Für jedes Kind ein Fohlen zum Großziehen, stand für Trumpf fest. Schließlich ist auch der Pferdesportverein Aushängeschild. Einmal im Jahr lädt er zum großen Reitturnier, viele Deutsche Meisterschaften wurden dort ausgetragen, zuletzt 2014 die Deutsche Ponymeisterschaft im Vielseitigkeitsreiten. Am 29. und 30. August finden die Landesmeisterschaften im Vielseitigkeitsreiten statt. Und die nächsten Gäste zum Sternreiten haben sich schon angemeldet.

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