Königsmark l In die Historie weit zurück, in die Ur- und Frühgeschichte der Wische, ins Mittelalter mit Albrecht dem Bären und in die Neuzeit respektive die Bildung des Kreises Osterburg 1816 führte Dipom-Historiker Frank Hoche, Leiter der Museen des Landkreises Stendal, am Freitagabend die Hörer seines Vortrages in der Sommerküche der Heilpädagogischen Einrichtung der Diakonie in Königsmark. Er kam damit dem vor einiger Zeit von Königsmarkern geäußerten Wunsch nach, etwas mehr über die Besiedlung ihres Landstriches zu erfahren.

Bei Grabungen gefundene archäologische Objekte seien unter anderem Steinwerkzeuge gewesen, datiert in die Zeit 7000 v. Chr. "Je weiter sich die damaligen Forschungen der Neuzeit näherten, um so vielfältiger waren die Funde, das Wissen, sie auszuwerten nahm enorm zu", machte Hoche deutlich. In der Alt- und Mittelsteinzeit hätte es auch in unserer Region die ersten Sammler, Jäger und Fischer gegeben. In der Jungsteinzeit beschäftigte man sich bereits mit Ackerbau und Tierhaltung. Archäologen stießen bei Grabungen auf Reste von Getreide, Schafs-, Ziegen und Rinderknochen. Die Bewohner bestatteten ihre Toten in Megalith-, also Großsteingräbern, wie man sie bei Bretsch sehen kann .

In der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) lernte man Metall zu bearbeiten, und in der Eisenzeit (von etwa 800 v. Chr. bis zum Ende des 1. Jh. v. Chr.) erreichte die Lebensweise weitere Fortschritte.

1000 Jahre alte Balkenreste

Germanische Siedler kamen in die Region; man baute bereits Häuser aus Holz, Flechtwerk und Lehm und bestattete die Toten in Gräberfeldern.

Bei Grabungen von 1969 bis 1973 wurde zwischen Osterburg und Schliecksdorf ein Kultplatz freigelegt. Grabungen in Osterburg in der Burgstraße förderten vor einigen Jahren Reste von 1000 Jahre alten Eichenbalken zu Tage, die darauf schließen lassen, dass sich hier eine zweite Osterburger Burg befunden haben könnte. Von Osten drängten slawische Stämme nach Westen, wo die Sachsen saßen und besiedelten die spätere östliche Altmark, in unserer heutigen Gegend saßen die Belezem. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Sachsen und den slawischen Stämmen Obodriten, Liutizen und Heveller, die während der Zeit Markgraf Geros in der so genannten Ostmark besonders blutig geführt wurden. 983 kam es zu einem großen Slawenaufstand; die Bischofsitze Brandenburg und Havelberg wurden zerstört, ebenso Kalbe/Milde, Arneburg und wahrscheinlich auch die Osterburg in Osterburg.

Mit dem askanischen Markgrafen Albrecht dem Bären (um 1100 bis 1170) ist die Besiedlung des Altkreisgebietes Osterburg eng verbunden. Unter seiner Markgrafschaft kamen viele holländische, seeländische und flämische Kolonisten in die Wische. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden viele Dörfer unseres Kreises erstmals erwähnt, stammen die romanischen Dorfkirchen.

Mit einem Zeitsprung erreichte Hoche den Beginn des 19. Jahrhunderts, als Napoleon Preußen besetzte, das Königreich Westfalen bildete, von verbündeten Armeen geschlagen wurde und nach dem Wiener Kongress Europas Grenzen neu geordnet wurden.

Kreis mit 138 Dörfern

Im Zuge der territorialen Neugliederung Preußens 1816 in Provinzen, Regierungsbezirke und landrätliche Kreise entstand der Kreis Osterburg. Sein Territorium umfasste 1818 zirka 1000 Quadratkilometer mit den drei Städten Osterburg (1691 Einwohner), Seehausen (2283) und Werben (1572), dem Flecken Arendsee (1270) sowie 138 Dörfer. Insgsamt sollen 28624 Einwohner hier gelebt haben. Der Redner "fütterte" sein Publikum ganz locker mit vielen weiteren Zahlen über die soziale und wirtschaftliche Struktur des früheren Osterburger Kreises. Mit Pausensnacks und Getränken erwies sich die Heilpädagogische Einrichtung erneut als guter Gastgeber.

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