Wehrleiter Bernd Kowalski ist kein Mann, der gern große Reden schwingt. Doch zum 120. Geburtstag der Feuerwehr Ballerstedt wollte er trotz Aufregung eine Ausnahme machen. Am Donnerstag lud er zur Festveranstaltung in das Feuerwehrgerätehaus ein.

Ballerstedt l In seiner Ansprache betonte Ballerstedts Wehrleiter die Solidarität und dass einer für den anderen einsteht. Über die Gründungsmitglieder der Ballerstedter Wehr gibt es keinen Beleg, allein die Handdruckspritze mit Aufdruck "1895" zeugt vom Beginn.

Hermann Quast (1938-1951), Otto Butz (1952-1978), Alfred Schulz (1979-2009), Uwe Huth (2010-2012) und Bernd Kowalski selbst (seit 2012) haben die Leitung übernommen. Der Einsatz beim Hochwasser 2013 war einer der letzten großen Einsätze. 18 Kameraden gehören derzeit zur Wehr, vier davon zur Altersabteilung. Klaus Pudell ist einer der Brandbekämpfer, der 60 Jahre dabei ist.

Danke für das Engagement

"Wir wollen die Einsatzbereitschaft behalten", betonte Kowalski. Schulungsabende, Übungen und Wettkämpfe tragen dazu bei. Nach dem 1.Platz beim Unterabschnittsausscheid in Gladigau folgten noch andere Siege. Auch auf die Resultate bei Kreisfeuerwehrtagen können die Ballerstedter stolz sein. Größter Triumph: 2001 der 2. Platz in Gladigau. 1998 kam das neue Einsatzfahrzeug, 2002 wurde das neue Gerätehaus eingeweiht. Eine schwere Zeit erlebten die Kameraden, als drei Brandbekämpfer 1999 bei einem Wohnhausbrand in Klein Ballerstedt schwer verletzt wurden. "120Jahre Feuerwehr - das muss Anlass für die Kommune sein, einmal danke für das Engagement zu sagen", bemerkte kurz darauf Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz. Für ihn steht außer Frage, dass die Feuerwehr Inbegriff gelebter Solidarität ist. "Wir als Einwohner der Gemeinde brauchen sie", stellte er klar, "ohne sie können wir nicht sicher leben."

Kreisbrandmeister Ringhard Friedrich wünschte er der Wehr, trotz Abwanderung weiter handlungsfähig zu sein. Ein Altersdurchschnitt über 40, kommentierte der stellvertretende Stadtwehrleiter Frank Mischkowski, wie auch in Erxleben und anderswo. "Ich bin gerne hier, weil die Kameradschaft funktioniert", setzte er hinzu, bevor er zur 115-Jahr-Feier der Erxlebener einlud. Rochaus Wehrleiter Andreas Quast wollte es genau wissen. Er wünscht sich mehrmals im Jahr Übungen mit den Nachbarwehren für eine gute Zusammenarbeit.

"Das gehört sich nicht"

Für die sprachen sich bei der Gratulation auch die Wehrleiter aus Erxleben, Polkau, Wollenrade und Schorstedt aus.

Apropos Zusammenhalt, Ortsbürgermeister Joachim Pierau fehlte während der Feierstunde. Auf Nachfrage, warum er trotz Einladung nicht dabei war, erwiderte er: "Wir sind uns nicht grün." Im Feuerwehrgerätehaus herrschte darüber Kopfschütteln. Gäste und Kameraden waren sich einig: "Das gehört sich nicht." Kowalski wünscht sich eine bessere Zusammenarbeit.

 

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