Ist der Wolf in Sachsen-Anhalt ein willkommener Rückkehrer? Dieser Frage versuchte Andreas Berbig, Mitarbeiter der Referenzstelle Wolfsschutz in der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe, Sitz Arneburg, am Dienstagnachmittag vor Zuhörern in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität auf den Grund zu gehen.

Von Frank Schmarsow

Osterburg l "Ich weiß, dass das ein Thema ist, das mit der zunehmenden Wolfspopulation in unserem Bundesland immer aktueller wird, dass der Wolf bei den Menschen hier Emotionen auslöst, die eine Erläuterung verlangen", sagte Andreas Berbig zu Beginn seines Vortrages.

Die natürliche Wiederansiedlung des in unseren Breiten vor über 100 Jahren ausgerotteten Wolfes sei zunächst einmal ein großer Erfolg des Tierartenschutzes, machte der Referent deutlich. Erste bestätigte Hinweise auf den Wolf in Sachsen-Anhalt hätte es im Herbst 2008 gegeben. Seitdem würden die Vorkommen des Wolfes vom Landesamt für Umweltschutz intensiv überwacht. Als Schwerpunkte in Sachsen-Anhalt hätten sich die Truppenübungsplätze Altengrabow und Colbitz-Letzlinger Heide entwickelt. Ferner seien im Raum Gartow, wo Sachsen-Anhalt an Niedersachsen grenzt, bei Zichtau, Burg, Schollene, in der Oranienbaumer, der Annaburger, Göritz-Klepziger und Glücksburger Heide Wolfsvorkommen, seien es Rudel oder Familien, nachgewiesen worden. Die meisten Wölfe habe man in Sachsen wahrnehmen können.

Die Zuwanderung sei aus Polen erfolgt; es gebe also eine einheitliche Wolfspopulation in Polen und Deutschland mit genetisch verwandten Nachkommen. Diese so genannte Mitteleuropäische Tieflandpopulation zwischen Pommern und Niedersachsen sei in diesem Jahr auf 30 bis 35 Rudel geschätzt worden, wobei jedes Rudel bis zu 200 Quadratkilometer Ausbreitungsfläche beanspruchen würde. Eine auch in unserem Bundesland registrierte Vielzahl von Welpen sei ein Zeichen für einen hohen Wildbestand, also eine gute Nahrungsgrundlage für die Neusiedler, die allerdings auch keine Schafe verschmähen.

"Was nun den von Wölfen angerichteten Schaden an den Nutztierbeständen, vor allem der gewerblichen Tierhalter, betrifft, so halte das Land finanzielle Ausgleichsmaßnahmen vor", sagte Berbig in diesem Zusammenhang. "Allerdings muss auch der Tierhalter für geeignete Schutzmaßnahmen wie mindestens 90 Zentimeter hohe, elektrische (Mindestspannung 3000 Volt) und vor Unterschlupf sichere Zäune sorgen. Erfolgversprechend ist auch, das zeigen Beispiele aus der Lausitz, der Einsatz von Herdenschutzhunden."

Bei Wolfsrissen sei unverzüglich der Landkreis oder die Referenzstelle Wolfsschutz zu informieren; eine entsprechende Telefonnummer ist über die Leitstelle zu erfahren. Die Referenzstelle sei Ansprechpartner unter anderem für Schadenprävention, Schadenbegutachtung, Vermittlung von Zaunmaterial, Infoveranstaltungen zum Thema Wolf und Zusammenarbeit mit der Jägerschaft.

Berbig hatte von seinem Publikum eigentlich den Ruf nach nachdrücklichem Vorgehen der Behörden gegen den Wolf erwartet. Auch Fragen, wie man sich bei eventuellen Begegnungen gegenüber dem Grauen verhalten solle, waren nicht direkt aufgetaucht. Vielmehr schlossen sich einige Bemerkungen an, die auf eine besorgniserregende Dezimierung von im Bestand bedrohten Niederwildbeständen durch den Wolf abzielten.

Was das Verhalten Isegrims gegenüber dem Menschen betrifft, so sagte Andreas Berbig: "Das können wir nicht bewerten, weil es kein Anzeichen gibt, dass Menschen von ihm belästigt oder zu Schaden gekommen sind. Sicher ist, dass die Wölfe nicht nur nachtaktiv, sondern auch bei Tage zu beobachten sind. Die Scheu des Wolfs scheint geringer zu werden, vielleicht, weil er sich nicht bedroht fühlt, nicht bejagt - und in manchen Fällen sogar gefüttert wird."