Gut einen Monat nach der offiziellen Übergabe des renaturierten Biesealtarmes im Grünlandgebiet Kalandshofen bei Osterburg, nahmen am Dienstagabend die Mitglieder des kreislichen Ordnungs- und Umweltausschusses das Projekt in Augenschein.

Osterburg. Der Vor-Ort-Termin zum Auftakt der Tagung war vor allem deshalb anberaumt worden, weil der Landkreis Projektträger und Fördermittelempfänger für die Maßnahme war, die auf privatem Grund und Boden beziehungsweise sogar auf private Initiative über die Bühne ging.

Rainer Diebel, in der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises für Natur- und Landschaftspflege zuständig, erläuterte die Beweggründe für das Projekt und ersparte den Kommunalpolitikern um den Ausschussvorsitzenden Eduard Stapel bei sommerlichen Temperaturen nicht eine Führung entlang des gut 1000 Meter langen Altarmes, der im vergangenen Jahr beräumt und auf rund 300 Metern sogar erst einmal wieder in den Boden gegraben werden musste.

Das Projekt war für den Kreis zwar mit Arbeit, aber nicht mit Investitionskosten verbunden. Das Geld, laut Diebel rund 160000 Euro, floss dank einer Förderung aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER).

1955, blickte der Stendaler Naturschutzexperte zurück, sei der alte Flusslauf entlang der Bahntrasse Stendal-Wittenberge zum Teil trockengelegt worden, um das Biesewasser auf kürzestem Weg von der Stadt wegzubekommen. Von der Frischwasserzufuhr abgeschnitten, verwandelte sich der Rest des Altgewässers in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer Kloake.

Das ist inzwischen Geschichte. Im Oberlauf ist der Zufluss wieder freigelegt. Bei mittlerem Pegel strömt ein Teil des Flusswassers in den Altarm und über die Furt, die kurz vor der Mündung den Anliegern das Erreichen ihrer Grünlandflächen ermöglicht, wieder in die "richtige Biese". Zwischenzeitlich wirkt die befestigte Grabenquerung praktisch wie eine Staumauer, die sich am Dienstag noch etwas durchlässig präsentierte. Die nicht gewollten Kanäle im groben Schotter werden aber sicher bald zugeschwemmt, ist sich Diebel sicher. Dass sich Mutter Natur allein weiterhilft, hofft er auch für den frisch freigelegten Teil des Altarmes. Weil das Flurstück, auf dem der Landkreis agieren durfte, sehr schmal ist, blieben nur wenig Gestaltungsmöglichkeiten, weshalb der Altarm noch einen relativ sterilen Eindruck macht, haderte Diebel mit der momentanen Situation, prophezeit indes, dass die nächsten Hochwasser Bewegung in die Sache bringen dürften.

Die Pflege des Biesealtarmes, sprich eine Beräumung des Gewässers ist übrigens nicht geplant. Heißt: Die Fachleute der Naturschutzbehörde nehmen das erneute Verlanden des Areals am Rande des FFH-Gebietes Secantsgraben-Milde-Biese schon jetzt in Kauf. Eine Haltung, die angesichts der enormen Investitionskosten nicht bei allen Ausschussmitgliedern auf Verständnis stieß.

Bis dahin scheint das Biotop erst einmal sehr gut angenommen zu werden. Die Frösche schmetterten ein lautes Empfangskonzert, ein paar Fische schnappten nach Fressbarem an der Wasseroberfläche, und in der Mitte des Altarmes hat sich ein Schwanenpärchen häuslich zur Nachwuchsaufzucht niedergelassen.

 

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