Osterburg l "Johnny Hübner greift an" - mit diesem Klassenzimmerstück begeisterte gestern das Theater der Altmark in der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg. Zuerst 30 Mädchen und Jungen der Anne-Frank-Schule, dann Sekundarschüler aus Osterburg.

Das Stück aus der Feder von Hartmut El Kurdi inszenierte Bernd Plöger. In der Rolle von Johnny Hübner erlebten die Kinder Andreas Müller, der das Stück jetzt zum dritten beziehungsweise vierten Mal spielte. Und wie er spielte! Er war ja alles.

Erst mal polterte er mit seiner Schatzkiste die Treppe in der Bibliothek hoch und enterte, über eine Schrubberstange steigend, den Raum, in dem die Kinder schon auf ihn warteten. Damit hatte der Schauspieler die Schlacht um die Gunst der Schüler schon gewonnen. Ein Junge meinte: "Jetzt übertreibt er aber!" Ein anderer: "Der ist lustig! " Und von da an gehörte Johnny Hübner die volle Aufmerksamkeit. Mit Knieschoner und Safari-Kostüm inklusive Schneebesen als Telefonhörer legte er los: "Ja, hier Geschichtenrettungsstation."

Sein Auftrag: Olga retten! Menschen, die Bücher verschlingen und dann selbst mit hineingezogen werden, sind Johnnys Spezialgebiet. Mittels Bettlaken und Taschenlampe versank der Schauspieler in die Rolle von Olga, die gerade dabei war, sich unter ihrer Bettdecke in eine Piratengeschichte hineinziehen zu lassen. Eben las sie von dem gruseligen Einarmfriedrich, und schwups griff eine Hand nach ihr. "Oh Gott", riefen da die Kinder. Sie waren voll und ganz in der Geschichte. Andreas Müller "verwandelte sich" mit tiefer Stimme in den Piratenkapitän und stellte Olga zur Rede. Doch schon waren zwei Handelsschiffe wichtiger, die es zu kapern galt. Inzwischen lernte Olga den Küchenchef Giovanni und die Ratte Jan Pelz -"Pelzi" genannt - kennen. Plötzlich wurde es still auf dem Schiff Hinkende Seekuh. Ob die Piraten geschlagen wurden? "Mir egal. Ich kann unter jeder Regierung arbeiten", bemerkte die Ratte spitzfindig. Olga kamen Fluchtgedanken, und sie stimmte das Schlaflied vom kleinen Piraten an, in das die Kinder einfielen. Dieses Lied liebt der Kapitän, weil es seine Mutter Berta Braunbart immer für ihn sang, bevor er von Kapitän Schwarzbart gestohlen wurde.

Zeit, Olga aus der Geschichte zu holen. Feierabend? Aber nein. Telefonanruf! Oma Elke am Marterpfahl. Wenn sie einer befreien kann, dann Johnny alias Andreas Müller.