Klötze. Schnee und Eis am Weihnachtswochenende ließen in den Wäldern des Altmarkkreises Bäume wie Streichhölzer umknicken. Auf 80 000 bis 100 000 Festmeter schätzt Helmut Jachalke, Leiter des zum Landesbetrieb für Privatwaldbetreuung und Forstservice gehörenden Betreuungsforstamtes Westliche Altmark, den Umfang des Schadholzes, das derzeit in den Wäldern liegt, die in den Zuständigkeitsbereich des Klötzer Amtes fallen. Verglichen mit der jährlichen Einschlagsmenge seien das etwa 120 Prozent.

Schäden hat der Frost der vergangenen Wochen auch in staatlichen Wäldern angerichtet. Beispiel Landeswald. Andreas Kriebel leitet den Forstbetrieb Altmark, zu welchem im Altmarkkreis die Forstreviere Diesdorf, Klötze und Letzlingen gehören, und sagt gegenüber der Volksstimme: "In den landeseigenen Wäldern in unserem Forstbetrieb rechnen wir nach einer ersten groben Schätzung mit rund 40 000 Festmetern Holz, die nach Schnee- und Eisbruch in den vergangenen Wochen anfallen." Damit, so Kriebel, sei der Landeswald glimpflich davongekommen. Zum Vergleich nennt der Betriebsleiter zwei Vergleichszahlen: Im gesamten Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt waren beim Wirbelsturm Kyrill im Jahr 2007 rund 500 000 Festmeter Holz zu Bruch gegangen, in diesem Winter waren es bislang 100 000. Und ein zweiter Wert relativiert die Winterschäden im altmärkischen Landeswald: 130 000 Festmeter Holz werden in dem Forstbetrieb Altmark in jedem Jahr ohnehin regulär eingeschlagen, in diese ließen sich die angesichts des Winterwetters angefallenen Holzmengen gut einordnen. Auf den Flächen des Forstbetriebes Altmark wachsen jedes Jahr etwa 230 000 Festmeter Holz nach. Angesichts von großen holzverarbeitenden Betrieben in Nettgau, Arneburg und Magdeburg schätzt der Betriebsleiter die Chancen einer Vermarktung des Winterbruchholzes als gut an.

Ein Jahr für Aufräumarbeiten

Auch Helmut Jachalke geht davon aus, dass die Waldbesitzer einen Teil des angefallenen Holzes zu marktüblichen Preisen verkaufen können. Wo sich die Aufarbeitung kompliziert gestaltet, werde es Preisreduzierungen geben. Bestände, deren zerstörte Bäume gemulcht werden müsse, seien zum Glück der geringere Teil. "Bestände, die für einen Harvester nicht zugänglich sind und die auch nicht zu Sägeholz verarbeitet werden können, werden zu Energieholz verarbeitet", so Helmut Jachalke weiter.

Die Aufräumarbeiten in den Landeswäldern werden allerdings Zeit in Anspruch nehmen, da sie in die normalen Forstarbeiten eingegliedert werden sollen. Die Stellen mit beschädigten Bäumen seien über die gesamten Forstflächen verstreut. "Besonders schlimm sieht es allerdings zumeist an Wegen und Schneisen aus", berichtet Andreas Kriebel. Der Grund dafür sei die ungünstige Wuchsform solcher Gehölze, welche zur gut beleuchteten Seite besonders viele Äste und Zweige entwickeln.

Auch im Klötzer Forstamt wird mit etwa einem Jahr für die Aufräumarbeiten gerechnet. "Wichtig ist jedoch, dass zuerst die Wege freigeräumt werden", betont Helmut Jachalke mit Nachdruck. Die Bestände müssten für die Förster zugänglich sein, die derzeit die Prognose für einen möglichen Befall mit Schadinsekten erarbeiten müssen. Zudem müssen die Wege auch für die Maschinen zur Holzaufarbeitung passierbar sein und nicht zuletzt auch für Rettungsfahrzeuge. "Die Waldbrandsaison beginnt schließlich am 15. Februar", mahnt Helmut Jachalke.

Jedoch sollte bei Arbeiten im Wald stets darauf geachtet werden, dass jederzeit noch Äste und Kronen herabfallen oder Bäume derart unter Spannung stehen könne, dass sie von einer Sekunde zur anderen abbrechen können. Daher em-pfiehlt der Forstamtsleiter auch allen, die nicht unbedingt in den Wald gehen müssen, diesen auch zu meiden. "Die Wege sind mitunter noch völlig vereist."

Schneebruch in dieser Größenordnung habe er noch nicht erlebt, meint der Klötzer Forstamtsleiter rückblickend. "Lokaler Schneebruch ist normal. Aber dieses Mal waren nicht nur junge Bestände mit Bäumen von 20 bis 40 Jahren betroffen." Auch 60 bis 80 Jahre alte Bäume büßten witterungsbedingt ihre Krone ein.

Von den Nadelbäumen sei vor allem die Kiefer vom Schneebruch betroffen, bei den Laubbäumen die Birken. "Wir hatten unten am Erdboden Frost, von oben kamen wärmere Luftschichten, so dass sich der Regen in den Kronen in Eis verwandelte", rekapituliert er das Weihnachtswetter.

Appell: Mitglied einer FBG werden

Wenn Helmut Jachalke auf das Jahr 2010 zurückblickt, stehen im Zusammenhang mit dem Wald drei Katastrophen: der Waldbrand bei Bombeck am 21. und 22. Juli, die explosionsartige Vermehrung von Schadinsekten 2009, die im Jahr darauf Kahlschlag auf mehr als 50 Hektar im Bereich Jerchel erforderlich machte und zuletzt der umfangreiche Schneebruch. "Ich kann nur dringend an die Waldbesitzer, die noch nicht Mitglied einer Forstbetriebsgemeinschaft sind, appellieren, dieses jetzt nachzuholen." Die Erfahrung aus derartigen Ereignissen lehre, dass Waldbesitzer, die nicht einer Forstbetriebsgemeinschaft angehörten, "immer irgendwie hinten runtergefallen sind".

Mit einer guten Pflege des Bestandes könne man diesen für künftige Witterungsunbilden stabilisieren. "Früh, oft, mäßig", verweist Helmut Jachalke auf eine Faustregel: alle fünf bis sieben Jahre Bäume ab 30 Jahren in mäßigem Umfang entnehmen. "Das hat zur Folge, dass Einzelbäume pyramidenförmig wachsen und nicht auf einem langen Stamm ein kleines "Krönchen" trohnt, dass dem Winter nicht standhalten kann.

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