Ins Landesmuseum nach Halle führt die morgige Winterexkursion der Jübarer Jungen Archäologen. Passend zur Ausstellung über mysteriöse Steinzeittote, die die Altmärker besichtigen wollen, werden in der Wissenschaftseinrichtung derzeit auch Knochenfunde analysiert, die bei Ausgrabungen des Vereins in Osterwohle gemacht wurden.

Jübar l Wenn die 52 angemeldeten Mitglieder des Jübarer Vereins Junge Archäologen der Altmark morgen im Rahmen ihrer Winterexkursion im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle eintreffen, könnten sie im Haus fast alte Bekannte wiedertreffen. Oder zumindest deren Überreste. Denn passend zur Sonderausstellung "3300 BC - Mysteriöse Steinzeittote und ihre Welt", die sich die Hobby- archäologen um Hartmut Bock ansehen wollen, lagern dort auch Skelettfunde, die der Verein bei seinen Ausgrabungen in Osterwohle von 1988 bis 1995 gemacht hat. Diese sollen jetzt mit Hilfe der sogenannten C14-Methode zeitlich bestimmt und anthropologisch untersucht werden.

"Vor einigen Wochen sind Christian Friedrichs und ich gemeinsam nach Halle gefahren, um die dortigen Knochenfunde aus Osterwohle aus dem Depot zu holen und aufzuarbeiten", berichtete Hartmut Bock der Volksstimme. Denn inzwischen hat das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege, dem das Museum angeschlossen ist, weitere finanzielle Mittel für die C14-Datierung zugesagt. "Solche Untersuchungen sind sehr kostenaufwendig, deshalb können sie immer nur nach und nach erfolgen. Aber sie sind Voraussetzung, um die Ergebnisse der damaligen Grabung publizieren zu können", erklärte Bock. Eine Monografie dazu solle erstellt werden.

Von besonderer Wichtigkeit seien die Knochenfunde von Gräbern, in denen die unten liegenden Toten in Nord-Süd-Richtung und die oben liegenden in West-Ost-Richtung begraben wurden. Letztere Bestattungsart weist auf das Christentum hin. "Wir können also mit der Knochendatierung sagen, wann in etwa der christliche Bestattungsritus und damit das Christentum in der Altmark Einzug hielt", so Bock. Bei Hohenböddenstedt sei zwar ein Grab in West-Ost-Richtung entdeckt worden, dessen Knochen aus der Zeit zwischen 650 und 750 stammen. "Doch das mutet für eine christliche Bestattung hierzulande sehr früh an", meint der Jübarer.

Der Fundkatalog zu den Ausgrabungen bei Osterwohle ist erstellt, die Funde sind aufgearbeitet, fehlt nur noch der Abschluss der anthropologischen Untersuchungen. Auch die materiellen Funde, zu denen bis zu 40 Messer gehören, wurden dokumentiert. "Die haben wir für das erhaltene Geld zeichnen lassen", erzählte Hartmut Bock. Wann das Kapitel Osterwohle endgültig als abgeschlossen gelten kann, konnte er noch nicht abschätzen. "Wahrscheinlich wird die Monografie über unsere Ausgrabungen bei Hohendolsleben, deren Funde derzeit aufgearbeitet werden, eher erscheinen als über die bei Osterwohle, weil wir dort keine Knochen gefunden haben", vermutet der Jübarer.

Mit seinen Vereinsmitgliedern will der Archäologenchef morgen die Werkstatt des Landesamtes besuchen, in der derzeit eine Blockbergung von Soldatengräbern der Schlacht bei Lützen erfolgt. Außerdem soll die Ausstellung über die Steinzeittoten, deren Eröffnung Bock und Friedrichs gemeinsam mit Barbara Fritsch vom Landesamt Mitte November beigewohnt haben, besichtigt werden. Zum Abschluss der Exkursion steht eine Stippvisite im Halloren-Schokoladenmuseum mit Führung auf dem Programm.

   

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