Salzwedel l Anders als in anderen sachsen-anhaltischen Städten gab es seit der Wiedervereinigung kaum rechtsradikale Kandidaten für den Salzwedeler Stadtrat. Ausgerechnet gestern - am Holocaust-Gedenktag - kündigte der 27-jährige Hansestädter Mark Preuß auf seiner Facebook-Seite an, bei der Kommunalwahl am 25. Mai als NPD-Kandidat anzutreten. Preuß erklärte der Volksstimme, dass er auch Mitglied bei der rechtsextremistischen Partei ist.

In seiner Freizeit tritt der 27-Jährige offen bei Nazi-Aufmärschen auf - unter anderem am 12. Januar 2013 beim "Trauermarsch" in Magdeburg und 29.September 2012 bei einer NPD-Demo in Stendal. Nach Ansicht des Vereins Miteinander ist Mark Preuß ein fester Bestandteil der Neonazi-Szene in der westlichen Altmark. "Er ist mehr als ein Mitläufer. Bei der Nazi-Demo in Salzwedel 2011 war er Ordner. Das macht nicht irgendwer, sondern nur erfahrene Kameraden", sagt Miteinander-Mitarbeiter Martin Burgdorf.

Brisant: Mark Preuß ist auch aktives Mitglied bei der Salzwedeler Feuerwehr. Als Mitglied sei er noch nicht mit rechtem Gedankengut aufgefallen, erklärt Ortswehrleiter Wolfgang Nieswandt. Preuß´ rechtsradikale Meinung sei aber bei den Brandbekämpfer bekannt. "Wir haben darüber gesprochen", sagt der Wehrleiter. "Wenn solche Töne von ihm kämen, würden wir dagegen vorgehen", erklärt Nieswandt.

Der 27-Jährige hatte bereits Anfang Januar angedeutet, dass er kandidieren wolle. Allerdings verschwieg er da seinen rechtsradikalen Hintergrund. Auf seinem Facebook-Profil erklärte er, dass er Salzwedel mitgestalten wolle.

Was das genau heißt, ist auf seiner Seite noch nicht zu lesen. Dafür gab es Ausflüge in das Stadtgeschehen. Ein Beispiel vom 8. Januar: "Der Goethepark wurde vom Laub befreit. Tolle Sache! Nur leider fehlen die Bänke, die zum Verweilen einladen! Und das nicht nur im Goethepark ...". Nicht bedacht hat er dabei: Die Bänke werden über die Wintermonate abgebaut und vom Wirtschaftshof aufgearbeitet damit sie bei schönem Wetter genutzt werden können.

Zur Kandidatur des NPD-Mannes äußert sich Stadtratsvorsitzender Gerd Schönfeld (Linke) zurückhaltend: "Es ist legitim, dass er sich aufstellen lässt. Aber ich hoffe, dass die Salzwedeler richtig reagieren", erklärt Schönfeld. "Ich würde es gut finden, wenn solche Gruppierungen nicht im Stadtrat sitzen", sagt Schönfeld.