Ehemalige Erdgaskumpel können hoffen. Darauf, demnächst eine höhere Rente zu erhalten. Prämien wie die Jahresendprämie oder die Bergmannstreueprämie werden nämlich jetzt anerkannt. Allerdings ist dabei so manches zu beachten, hieß es gestern während einer Urania-Informationsveranstaltung in Salzwedel.

Salzwedel. Alles andere als einfache Algebra ist die Rentenberechnung. Richtig kompliziert wird sie dann, wenn Berufsjahre und Einkommen aus der DDR-Zeit berücksichtigt werden müssen. Das betrifft auch die ehemaligen Erdgaskumpel, die für damalige Verhältnisse ein durchaus gutes Einkommen hatten, das obendrein durch Prämien beachtlichen Zuwachs erfuhr.

Doch viele Jahre sind diese Prämien bei der Rentenberechnung nach der politischen Wende 1989 nicht anerkannt worden. Das hat sich jetzt nach entsprechenden Urteilen, unter anderem vom Bundessozialgericht, geändert. Darauf wies gestern während einer Informationsveranstaltung nicht nur Wolfgang Kunitz vom Erdöl-Erdgas-Traditionsverein hin. Auch Bruno Heyne von einem Salzwedeler Anwaltsbüro bestätigte die geänderte Rechtslage.

Recherche via Internet

Er wies aber auch darauf hin, dass ein Antrag zur Rentenneuberechnung sich durchaus als Bumerang erweisen kann. "Sie kann auch eine Rentenminderung zur Folge haben." Zudem empfahl er den Anwesenden, im Internet auf der Homepage des Bundessozialgerichts entsprechende Urteile aus dem elektronischen Archiv herauszusuchen. "Das ist ganz einfach", betonte Heyne. Dass man durchaus Erfolg auf eine höhere Rente hat, zeigen die ersten positiven Bescheide der Bundesrentenanstalt, war gestern zu erfahren. Bis zu 50 Euro mehr im Monat, rückwirkend zum Tag der Antragsstellung, sind drin. Da die meisten Anträge bereits seit 2007 laufen, summiert sich eine erkleckliche Summe.

Der Teufel steckt im Detail

Doch wie immer steckt der Teufel im Detail. So hieß es gestern, dass nur diejenigen Erdgaskumpel von ihren einst ausgezahlten Prämien profitieren, die auch eine sogenannte Intelligenzrente beziehen. Das war eine beitragsfreie Zusatzrente hauptsächlich für Ingenieure und ähnliche. Die zweite Hürde: Es muss ein Nachweis erbracht werden, dass man Prämien erhalten hat. "Die Sammler und Jäger sind klar im Vorteil", sagte dazu Wolfgang Kunitz. Als Nachweis können die Urkunden dienen, die es damals mit dem Geld gab. Selbst dann, wenn man nicht alle Jahre zusammen hat. Oder man hat einen ehemaligen Arbeitskollegen, der in der gleichen Abteilung beschäftigt war und bezeugen kann, dass es dieses Prämien gab.

Während die Höhe der Jahresendprämie durchaus variierte, gab es einen festgelegten Schlüssel bei der Bergmanns-treueprämie, die in Abhängigkeit zur Betriebszugehörigkeit als ein gewisser Prozentsatz vom Jahreslohn gezahlt wurde. Für ehemalige Erdgaskumpel könnte es sich also lohnen, die alten Unterlagen auf der Suche nach Belegen zu durchforsten, war die Botschaft der gestrigen Veranstaltung.