Salzwedel l Handys und Kameras sind gezückt, die Menge blickt vom Bahnsteig des Altstädter Bahnhof stur in Richtung Park des Friedens. Dann tauchen gegen 8.45 Uhr die Lichter eines Zuges auf - des ersten, der seit 2002 die Strecke Salzwedel-Klötze befährt. Pünktlich um 9 Uhr beginnt die Reise. "Eine Abenteuerfahrt", wie Lokführer Andreas Rohde feststellt.

Rund 500 Passagiere nutzten das Angebot

Echte Eisenbahn-Fans und komplette Familien füllten bereits bei der ersten von insgesamt drei Touren von Salzwedel nach Klötze und wieder zurück die beiden Triebwagen. Sitzplätze gab es so gut wie keine mehr. Bei den sechs Einzelfahrten saßen rund 500 Passagiere in den zwei Dieseltriebwagen. Über die Bahnhöfe Dambeck, Kuhfelde, Siedenlangenbeck, Beetzendorf und Bandau ging es nach Klötze. Überall an den Haltepunkten standen Menschen und winkten dem vorbeifahrenden Zug zu. Auch auf offener Strecke warteten Schaulaustige auf die Bahn. Die Linie erlebte gestern quasi ihre zweite Einweihung nach 1889. "Eigentlich fehlt auf den Bahnhöfen nur noch die Blaskapelle", stellte Carsten Meyer aus Salzwedel fest.

Marc Müller kam extra aus der Nähe von Gifhorn nach Salzwedel, um den Zug auf der Schiene zu sehen. Der Hobbyfotograf passte das Gespann auf der Brücke zwischen Sienau und Salzwedel, bei Siedenlangenbeck und in Klötze ab, um die Bahn zu fotografieren. "Ich mache zwar seit 15 Jahren Bilder. Ich habe es aber nicht vor 2002 geschafft, auf dieser Strecke Züge zu fotografieren und man weiß ja nie, wann sich die nächste Chance ergibt", erklärt der Besucher aus dem Nachbarkreis.

Nach ungefähr 80 Minuten fuhr der Zug im Klötzer Bahnhof ein. Lokführer Andreas Rohde ließ es während der ersten Tour etwas langsamer angehen. Aber es tauchten keine Probleme auf. Bernd Mertens und Michael Schrader sicherten die beschrankten Bahnübergänge ab und stoppten die Autos, damit der Zug die Übergänge passieren konnte. Insgesamt waren gestern fünf Leute von der Deutschen Regionaleisenbahn und dem Deutschen Bahnkundenverband Regionalverband Altmark-Wendland im Einsatz.

"Ich bin mit der Resonanz sehr zufrieden. Auch technisch gab es keine Probleme", freute sich Michael Schrader von der DRE. Er und einige Mitstreiter haben zwei Jahre auf diesen Tag hingearbeitet, die Strecke freigeschnitten und mussten dabei immer wieder Rückschläge verkraften. Doch mit dem Erfolg vom Sonntag im Rücken, verspricht Schrader weitere Fahrten: "2015 sollen definitiv Züge zum Martinimarkt fahren. Außerdem suchen wir noch einen Termin im Sommer für Sonderfahrten."

 

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