Tonnenschwere Landmaschinen fahren und bei minus zehn Grad die Kühe melken - für Junglandwirtin Janina Schulz war das Ausbildungsalltag. Seit Oktober studiert sie Argrarmanagement, danach will sie unbedingt wieder auf einem Hof arbeiten.

Iden l Gäbe es eine Fernsehsendung zum Thema "Landwirtschaft sucht Frau", wäre Janina Schulz aus Dähre (Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf) sicher eine der Topfavoritinnen. Die 21-Jährige hat im Sommer ihre Abschlussprüfung zur Landwirtin an der Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG) in Iden (Landkreis Stendal) mit einem Notendurchschnitt von 1,34 gemeistert. Damit ist sie 2014 die drittbeste Absolventin, die in Sachsen-Anhalt einen landwirtschaftlichen Beruf gelernt hat.

Anfang November gab es dafür in Halle von Landwirtschaftsminister Hermann Onko Aeikens (CDU) lobende Worte und einen herzlichen Händedruck. "Das hat mich schon mit Stolz erfüllt", freut sich Janina noch heute.

"Es sind wenige Frauen, aber dafür mit den besten Abschlüssen."

Dass junge Frauen wie Janina einen landwirtschaftlichen Beruf erlernen und letztlich auch die Ausbildung abschließen, ist in Sachsen-Anhalt nicht selbstverständlich. Der Frauenanteil ist bei den Absolventen schwindend gering. Von 111 Azubis schlossen in diesem Jahr gerade mal sieben Frauen ihre überbetriebliche Berufsausbildung an der LLFG zum Landwirt ab, verraten die aktuellen Zahlen des Landesverwaltungsamtes in Halle. Lediglich bei den Pferdewirten tendiert der Frauenanteil gegen 100 Prozent. "Es sind wenige Frauen, aber dafür mit den besten Abschlüssen", heißt es aus Halle. Da ist Janina also keine Ausnahme.

"Zum Glück musste ich nicht mit der Feldspritze fahren, dann wäre alles nicht so reibungslos gelaufen", erinnert sich Janina Schulz erleichtert an ihre Abschlussprüfung. Dabei wurde sie schon in der ersten Woche ihrer Ausbildung ins kalte Wasser geschmissen. "Nach kurzer Einweisung ging es gleich mit dem Häcksler aufs Feld", sagt Janina. Mit den tonnenschweren Landmaschinen hatte die damalige Abiturientin bislang nur wenig am Hut gehabt. Auf dem heimischen Hof ihrer Eltern ist sie Traktor gefahren, hatte sogar den Führerschein Klasse "T" gemacht, um mit den Fahrzeugen umgehen zu können. Aber richtig geübt war die 21-Jährige darin nicht.

"Es ist ein Zusammenspiel vieler schwerer Landmaschinen", erklärt Janinas Ausbilder am LLFG-Zentrum für Tierhaltung und Technik, Atze Kadler. Er ist mit dem Frauenanteil in seinem Betrieb ganz zufrieden. "Derzeit lernen bei uns vier Mädels und vier Jungs", sagt Kadler. Etwa ein Drittel der weiblichen Azubis legte ihre Abschlussprüfung erfolgreich ab. Allgemein mangele es an qualifizierten Auszubis, die Chancen bei einer Bewerbung stünden also gut. Azubis wie Janina, die zuvor ihr Abitur abgelegt haben, müssten statt der verbindlichen drei Jahre nur zwei Jahre lernen. Dazu gehört der praktische Teil auf dem Hof und der theoretische an der LLFG. Dann heißt es Büffeln für gute Leistungen, denn auch dafür gibt es einen finanziellen Bonus. Bei 700 Euro pro Monat im dritten Lehrjahr sind 50 Euro extra für sehr gute Noten nicht zu verachten, weiß auch Janina.

"Mir liegt aber mehr der praktische Teil", sagt sie. Auch, wenn es manchmal hart zur Sache ging. "Im Winter mussten morgens um vier auch bei zehn Grad Minus die Kühe gemolken werden", erinnert sich Janina. Kälbchen habe sie auch schon zur Welt gebracht, dass kannte sie aber noch von zu Hause. Ob sie den elterlichen Hof später mal übernehmen wird, weiß sie noch nicht. "Mein Bruder würde das auch gerne machen", sagt Janina. Auf jeden Fall möchte sie später mal in einem kleineren landwirtschaftlichen Betrieb arbeiten, gerne auch in der Region. Bis dahin sind aber noch drei Jahre Zeit, denn aktuell studiert sie Argrarmanagement an der Hochschule in Bernburg. In Iden schaut sie aber regelmäßig gerne vorbei.