Arendsee l Was vom Ufer aus betrachtet aussah wie ein schwimmendes Rechteck, lieferte seit Juli 2014 wertvolle Daten für die Wissenschaft. Ein Team des Berliner Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) installierte im Juni ein 20 mal 20 Meter großes Testfeld an der Südseite des Arendsees. Mit Hilfe der Anlage sollen an der Uferzone die Nährstoffeinträge über das Grundwasser erfasst werden.

Aber die heftigen Stürme der vergangenen Tage habe dem Testfeld den Garaus gemacht. Es war von der Wucht des Wassers von den Befestigungspfeilern abgerissen worden und trieb in Richtung Seesteg vor dem Ufer. Das bemerkte Rentner Winfried Füchse, der zusammen mit Hansjürgen Schulz auf Inspektionstour auf der Seepromenade war.

Sie informierten Bauamtsleiter Gert Reckling, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Der Arendsee. Und der rief bei Michael Hupfer in Berlin an. Der war gestern ebenso wie sein Forschungspartner Jörg Lewandowski nicht für eine Volksstimme-Nachfrage zu erreichen. Aber bekannt ist, dass der Vorsitzende des Arendseer Seglerclubs von 1953, Ulrich Seedorff, den Auftrag erhielt, die Konstruktion zu bergen.

Sie soll voraussichtlich im Frühjahr an einer anderen Stelle im See installiert werden, um die Untersuchungen zu vollenden.

Denn innerhalb des Testfeldes - bestehend aus flexiblen mit Polyethylen beschichteten Textil-Tauchwänden und einer sogenannten Schürze als Barriere gegen die Wellen - war das an dieser Stelle in den See strömende Grundwasser. Bisherige Untersuchungen hatten ergeben, dass dadurch Nährstoffe ins Wasser eingetragen werden.

Durch zu viele Nährstoffe aber leidet die Wasserqualität und es können sich Blaualgen bilden, die auch toxisch wirken - und den Badebetrieb beeinträchtigen, wie sich im Sommer 2013 zeigte.

Seit Jahrzehnten arbeiten die Wissenschaftler an der Erforschung des Problems. Bevor aber ein Sanierungsverfahren zum Einsatz kommt, wollen sie der Ursache der Phosphorbelastung auf den Grund gehen.

Doch auch bei einer drastischen Reduzierung des Eintrags würde sich das Gewässer nur sehr langsam erholen. Das liege, so Michael Hupfer, unter anderem an der riesigen Wassermenge und den zu geringen Zu- und Abläufen.

Dazu muss eine externe Sanierungsmethode kommen - favorisiert ist die Phosphorfällung. Geplant ist die Verteilung von Polyaluminiumchlorid, das beim Absinken auf dem Seeboden den überschüssigen Phosphor bindet und dauerhaft am Grund ablagert.

Die im Testfeld gewonnenen Daten sollen in Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft und anderen Verwaltungsbehörden zu Schlussfolgerungen für das weitere Vorgehen führen.

Demnächst sollen die Antragsunterlagen für die Seesanierung vorliegen und das Genehmigungsverfahren starten. Im Landeshaushalt stehen dafür zwei Millionen Euro zur Verfügung, denn Sachsen-Anhalt ist Eigentümer des Arendsees.