Landrat Michael Ziche zog in seiner Rede zum Neujahrsempfang eine positive Bilanz und warf einen optimistischen Blick in die Zukunft. Doch für eine gute Zukunft benötige der Altmarkkreis auch günstige Rahmenbedingungen.

Zichtau l 14572 Euro Spenden für einen guten Zweck waren bis Freitagabend zusammengekommen. Bereits im November hatten Landrat Michael Ziche und Ulrich Böther, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Altmark West, festgelegt, dass mit dem Ergebnis der Spendensammlung 2015 das ehrenamtliche Engagement zur Stärkung von Demokratie und Toleranz unterstützt wird. Dafür habe es gute Gründe gegeben, die sich durch die schlimmen Ereignisse in Paris gleich zu Jahresbeginn aufdrängten. Das sei nur traurig und zu verurteilen, so Ziche. Der Landrat erinnerte an die langjährigen Beziehungen des Beetzendorfer Gymnasiums zum "Lycée La Tour des Dames" in Rozay-en-Brie und des Salzwedeler Jahngymnasiums zum Collège in Maulevrier.

Gesprächsthema: Hilfe für Flüchtlinge

Die Jahngymnasiasten hatten anlässlich des Tages der offenen Tür am Freitag einen Brief ausgelegt. In diesem sprachen sie dem französischen Volk, den Verletzten und den Angehörigen der getöteten Mitarbeiter der Zeitschrift Charlie Hebdo, den Opfern der Geiselnahme und den Sicherheitskräften ihre Anteilnahme aus und unterstrichen die Bedeutung des gegenseitigen Respekts der Menschen und Nationen. Auch während des Empfangs auf Gut Zichtau hatten die Gäste Gelegenheit, sich in die dazugehörigen Unterschriftenlisten einzutragen, die dann an das Jahngymnasium weitergeleitet werden sollen.

Michael Ziche nutzte den Neujahrsempfang auch für einen Appell und eine Einladung an die Gäste, an der Aufnahme, Unterbringung und Hilfe für Flüchtlinge und Asylbewerber mitzuwirken. Aufgrund der zahlreichen Krisen und Kriege weltweit sei auch in diesem Jahr mit einer steigenden Zahl von Menschen zu rechnen, die in Deutschland Schutz von den Bedrohungen in ihrer Heimat suchen. Nahm der Altmarkkreis 2011 noch 56 Flüchtlinge auf, waren es 2013 bereits 121. Da sei die Aufgabe noch relativ unproblematisch vor Ort gelöst worden, blickte Ziche zurück. Doch die Lage in vielen Krisengebieten sorgte dafür, dass in Sachsen-Anhalt bis Jahresende 2014 rund 6600 und damit im Altmarkkreis mehr als 380 Männer, Frauen und Kinder aufgenommen wurden. Für dieses Jahr gehe man von 450 Personen aus, so Ziche weiter. In dieser Woche werde es Gespräche mit den Bürgermeistern, der Kirche und karitativen Einrichtungen geben, um zu erörtern, wie den Flüchtlingen geholfen werden könne.

Hilfen erforderlich für Langzeitarbeitslose

Die Wirtschaft habe sich in den zurückliegenden Monaten ganz im Interesse der Region entwickelt, bilanzierte der Landrat. 5 Unternehmen tätigten Investitionen im Umfang von mehr als 48 Millionen Euro, davon waren mehr als 11 Millionen Euro Fördermittel.

Ziche erinnerte des Weiteren an die diversen Auszeichnungen für Unternehmen aus der Region. In der Landwirtschaft seien zwar gute Erträge auf den Feldern erzielt worden, die Milchproduzenten waren jedoch zum Jahresende 2014 mit einem extremen Verfall des Milchpreises konfrontiert. "Trotz dieser Einschränkung gilt, dass 2014 für die Wirtschaft kein schlechtes Jahr war." Das habe sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht. Im Dezember habe die Arbeitslosenquote bei 8,3 Prozent gelegen, im Oktober gar bei 7,7 Prozent. "Wir nehmen damit einen Spitzenplatz in Sachsen-Anhalt ein und liegen im Durchschnitt einiger Flächenländer West", resümierte der Landrat.

Dennoch wies Ziche darauf hin, dass es durch vielfältigste Entwicklungen inzwischen etwa 4200 Langzeit-Leistungsbezieher gebe, die dauerhaft auf Alimentierung durch den Staat angewiesen seien. Um diesen Menschen zu helfen, müsse es zeitnah wirkungsvolle Rechtsvereinfachungen geben, damit die Jobcenter flexibel reagieren können. Außerdem forderte Ziche einen öffentlich geförderten sozialen Arbeitsmarkt, um den Schwächsten der Gesellschaft eine selbstbestimmte Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Des Weiteren müssten Restriktionen wie die Begrenzung der Beschäftigungszeit in öffentlich geförderten Beschäftigungsverhältnissen zurückgenommen werden.

Detailliert nannte Ziche die Investitionen in den Schulen des Altmarkkreises, in der vorhergehenden Wahlperiode des Kreistages etwa 20 Millionen Euro, und die Höhe des Schuldenabbaus von einst knapp 54 Millionen Euro (2009) auf derzeit 35,4 Millionen. Anlass zum Optimismus gebe auch, dass es Anfang 2014 erstmals einen Wanderungsüberschuss gab: 227 Zuzügen standen nur 192 Fortzüge gegenüber. "Es darf ruhig so weitergehen!"

Den "Aufreger des Jahres" zum Schluss

Grundlage der positiven Entwicklung sei aus seiner Sicht der Annäherungsprozess zwischen Ost und West, auch wenn sich dessen Dynamik inzwischen verlangsame. Dennoch: "Wir können feststellen, dass es den Menschen und unserer Region deutlich besser geht, als noch vor Jahren."

Den "Aufreger des Jahres" hob Ziche für den Schluss seiner Rede auf und nutzte die Gelegenheit zur Verteidigung der Grüne-Wiese-Kampagne. "Vorher hatten wir nichts. Da sprach auch kaum einer über die gewachsene Region Altmark. Und heute reden wir und auch andere über uns." Jetzt sei es an der Zeit, diese Regionalmarketingstrategie professionell weiter zu entwickeln.

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