Die Zahlen sind alarmierend, die Experten aufgeschreckt: Jeder Vierte und damit mehr als in jedem anderen Bundesland stirbt in Sachsen-Anhalt an Krebs. Die Region rund um Salzwedel ist mit Onkologen unterversorgt.

Salzwedel l Laut Statistischem Landesamt verlaufen in Sachsen-Anhalt überdurchschnittlich viele Krebsleiden tödlich. Rund 27 Prozent aller Todesfälle im Jahr 2013 sind demnach auf Krebs zurück zu führen. Nach Angaben des Amtes erkranken jährlich rund 17000 Sachsen-Anhalter neu an Krebs. Im Altmarkkreis Salzwedel starben 2013 (Stand November 2014) 163 Männer und 136 Frauen an Krebs. Im Nachbarkreis Stendal waren es 226 und 188. Dem Krebsregister zufolge starben 2013 insgesamt 8360 Sachsen-Anhalter an Krebs, davon waren 4731 Männer und 3629 Frauen.

Bedarf an Experten ist da

Ein Grund für die hohe Erkrankungsrate im Bundesland sei zu wenig Bewegung, zu ungesundes Essen und zu viel Rauchen, sagte Professor Thomas Fischer, Leiter des Tumorzentrums Sachsen-Anhalt. Aber auch die mangelnde Versorgungsstruktur auf dem Land trage zur hohen Krebssterblichkeit bei. Denn der Bedarf an Krebsexperten sei da.

"Ein fairer Zugang zu innovativen Therapien ist nicht für alle im Land gegeben", sagte Fischer. Im nördlichen Sachsen-Anhalt gebe es nur noch einen Onkologen in Stendal. Die Region rund um Salzwedel sei bereits unterversorgt, was Krebsexperten angeht. "Da kommen in Zukunft einige Fragen auf uns zu", machte Fischer deutlich.

Die Zukunft sieht die Sachsen-Anhaltische Krebsgesellschaft in der Telemedizin: Krebstherapie über Videokonferenzen zwischen Haus- und Facharzt und Beratungshotlines seien Wege, die unbedingt vorangetrieben werden müssten, forderte die Krebsgesellschaft. 2013 hatten der Landkreis Mansfeld-Südharz und die Landeshauptstadt Magdeburg prozentual die jeweils höchsten Werte an Krebstoten (jeweils 28,1 Prozent) zu verzeichnen. Die prozentual niedrigste Krebstotenzahl wurde im Salzlandkreis (24,9 Prozent) festgestellt.

Die Zahlen wurden aus Anlass des Weltkrebstages am 4. Februar vorgestellt. Dieser wurde 2006 von der Union internationale contre le cancer, der Weltgesundheitsorganisation und anderen Organisationen ins Leben gerufen und wird seitdem jedes Jahr begangen. Er hat zum Ziel, die Vorbeugung, Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.