Wenn es um die Erweiterung des angrenzenden Windparks geht, sind die Fronten in Jeggeleben verhärtet. Nun hat der Betreiber einen Weg freigeschnitten, ohne die Erlaubnis der Kommune einzuholen. Die Jeggelebener glauben nicht an ein Missverständnis.

Jeggeleben l Ortsbürgermeister Ulf-Henrik Lühmann ist sauer. Dass ihm die Erweiterung des Jeggelebener Windparks nicht passt, daraus macht er kein Geheimnis. Seiner Meinung nach stehen einige der geplanten Windkraftanlagen zu dicht an der Ortschaft. Doch nun macht sich neuer Ärger breit. Denn die Betreiberin des Windparks, die Unternehmensgruppe Windstrom Edemissen, hat vor einer Woche begonnen, Bäume und Sträucher entlang des Verbindungsweges nach Depekolk abzuholzen. Dieser Weg war jedoch nicht für den Betreiber freigegeben. Ende vergangenen Jahres hatten sowohl der Jeggelebener Ortschaftsrat als auch der Kalbenser Stadtrat die Nutzung des Weges - dieser ist Eigentum der Kommune - versagt.

Vergangenen Freitag hat Windstrom begonnen, den Weg, der zum Windpark führt, freizuschneiden. Und damit neuen Unmut in Jeggeleben verursacht. Ulf-Henrik Lühmann hatte die Arbeiten, die quasi vor seiner Haustür stattfanden, am Montag bemerkt und dem Kalbenser Bauamt gemeldet. Dieses hatte am Dienstag eine Vor-Ort-Begehung mit Windstrom angeordnet, um die Sachlage zu klären, informierte Amtleiter Rainer Kölsch. Dabei stellte sich heraus, dass die Unternehmensgruppe versehentlich gehandelt hatte. Denn die Heerstraße, die um Jeggeleben herum führt - ebenfalls ein öffentlicher Weg in kommunaler Trägerschaft -, ist bereits für die Nutzung durch Windstrom freigegeben worden. Die Heerstraße kreuzt besagten Verbindungsweg nach Depekolk. Daher war Windstrom davon ausgegangen, dass es sich mit diesem Weg ähnlich wie mit der Heerstraße verhalte, berichtet Projektleiter Mirko Röhren, der sich am Freitag noch einmal ein Bild vor Ort machte.

Genehmigung von Naturschutzbehörde erteilt

An ein Versehen glaubt man in Jeggeleben indes nicht. "Hier werden Tatsachen geschaffen", sagt der ehemalige Ortsbürgermeister Bernhard Grothe, der während seiner Amtszeit bereits mit der Windparkproblematik zu tun hatte. Weder er noch Ulf-Henrik Lühmann verstehen, wie der Betreiber die Entscheidung von Ortschafts- und Stadtrat einfach übergehen kann.

Den Antrag auf Genehmigung für den Schnitt hatte Windstrom vor zwei Wochen bei der Unteren Naturschutzbehörde des Altmarkkreises gestellt. Die hatte die Genehmigung erteilt, sämtliche Bäume und Sträucher auf der einen Seite entlang des 550 Meter langen Weges auf Stock zu setzen. So könnten die Sträucher nachwachsen. Für die gefällten Obstbäume - etwa acht Stück - muss Windstrom Ersatzmaßnahmen vornehmen. Details muss die Unternehmensgruppe mit der Kalbenser Stadtverwaltung verhandeln.

Bei der Erteilung einer solchen Genehmigung werde nicht auf die Eigentumsverhältnisse geachtet, nur auf die Einhaltung der geltenden Gehölzschutzverordnung, erklärte Sachgebietsleiter Joachim Funke. In der Genehmigung sei jedoch nicht darauf hingewiesen worden, dass die Rechte Dritter - somit der Einheitsgemeinde als Eigentümerin - zu wahren sind. Das müsse konkret aufgeführt werden, empfiehlt Rainer Kölsch. Das sei im Zeitdruck untergegangen, bedauert Mirko Röhren. Denn der Baumschnitt sei nur von Anfang Oktober bis Ende Februar erlaubt. Würde der Schnitt nicht rechtzeitig fertig, ginge kostbare Zeit verloren. Die Arbeiten sollen heute beendet werden.

Der Antrag für die Genehmigung der Windparkerweiterung - es sollen vier neue Windkraftanlagen im ausgewiesenen Gebiet entstehen - war im Sommer 2014 beim Altmarkkreis eingereicht worden. Mirko Röhren rechnet mit einer Genehmigung Mitte März. Dann könne bereits Ende März mit dem Bau begonnen werden. Eine Inbetriebnahme sei dann Ende November möglich.

Stadtrat könnte Freigabe noch einmal überdenken

Was die Freigabe des Verbindungsweges betrifft, so hält es Mirko Röhren für wahrscheinlich, dass der Stadtrat seine Entscheidung noch einmal überdenkt. Denn die Zufahrt zum Windpark über die Heerstraße sei die einzig vernünftige Lösung. Schließlich sei der Verbindungsweg von Depekolk bis zur Gemeindegrenze zu Kalbe bereits freigegeben. Die andere - und umständlichere - Variante sehe vor, die Bauteile direkt über Depekolk und Jeggeleben anzuliefern. Die Schwerlasttransporte würden somit durch die Dörfer rollen - und das immer zur Nachtzeit.

Ein weiterer Vorteil für die Freigabe: Der Windparkbetreiber verpflichtet sich für eine Dauer von 20 Jahren, den Verbindungsweg - dieser soll bis Depekolk auf einer Breite von vier Metern geschottert werden - zu unterhalten. Er könne dann auch von privaten und landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt werden.