In Zeiten knapper Gelder und des demografischen Wandels sieht es bei den Feuerwehren düster aus. Während der Versammlung des Salzwedeler Verbandes wurde aber auch deutlich, dass die Kameraden die Hoffnung auf Lichtblicke nicht aufgeben.

Jeggeleben l Die Sorgen standen Karin Wunderlich, Vorsitzende des Feuerwehrverbandes Salzwedel, ins Gesicht geschrieben, als sie am Sonnabend während der Versammlung in Jeggeleben ans Rednerpult trat. 98 Feuerwehren und 2098 aktive Mitglieder zählt der Verband, jedes Jahr werden es im Durchschnitt 79 Aktive weniger. Bei den Jugendwehren sehe es nicht besser aus. Seit der Verbandsgründung 1995 hat sich die Anzahl der Mitglieder mit 307 nahezu halbiert. 15 Jugendwehren wurden aufgegeben.

In einigen Orten seien die Feuerwehren nur noch bedingt einsatzbereit. Auf 46 700 Einwohner kämen gerade einmal 4,8 Prozent Aktive. "Keine Zahl, die beruhigen sollte", sagte Karin Wunderlich. "Was wären die Gemeinden ohne die Feuerwehr?" Verärgert war sie auch über die immer knapper werdenden Landeszuweisungen. Darunter litten die technische Ausstattung und die Ausbildung. Vor allem die Ausbildungssituation in Heyrothsberge lasse zu wünschen übrig. Solche Umstände würden niemanden motivieren, in die Feuerwehr einzutreten, kritisierte Wunderlich. Die Abwanderung tue ihr Übriges.

Um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, hatten die Feuerwehren im November 2014 vor dem Landtag demonstriert. Bislang habe sie aber noch kein positives Feedback bekommen, informierte die Vorsitzende.

Frauen und Floriangruppen auf dem Vormarsch

Dennoch gäbe es trotz der angespannten Lage Lichtblicke. So habe der Altmarkkreis mit den Feuerwehrverbänden Salzwedel und Gardelegen zwei starke Partner, die gut kooperieren. Zusammenarbeit sei sehr wichtig, betonte Wunderlich. Zum Beispiel unter den Nachbarwehren. Und auch Christian Kownatzki vom Jugendausschuss appellierte, lieber die Jugendwehren zusammenzuschließen, als sie wegen zu geringer Mitgliederzahl ganz aufzugeben. Er erinnerte an Mahlsdorf, Jübar oder Binde/Kaulitz, die Kinder und Jugendliche aus mehreren Ortsteilen ausbilden.

Die Nachwuchsarbeit funktioniere gut, lobte Karin Wunderlich. Die vier Floriangruppen mit derzeit 58 Mitgliedern hätten einen guten Zulauf. Man überlege sogar, eine weitere in Salzwedel zu etablieren. Der Altmarkkreis hatte jüngst die Anschaffung von Ausbildungsmaterialien finanziert. Allerdings seien diese Mittel immer zweckgebunden und deshalb nicht ausreichend.

Beim Frauenanteil besteht ebenso Grund zur Freude. 300 Aktive gibt es in den Wehren, Tendenz steigend. Mit Chüttlitz und Ziemendorf gebe es bereits zwei Wehren unter weiblicher Führung. Stolz sei man auch über die Musikzüge aus Apenburg, Diesdorf, Beetzendorf und Ellenberg mit 34 Mitgliedern. Hier überwiegt der weibliche Anteil mit 20 Frauen.

Änderungen forderte Karin Wunderlich bei der Unterstützung des Sozialfonds, den der Verband 2003 ins Leben gerufen hatte. Der finanziere sich ausschließlich durch Spendengeld. Auch die Anerkennung des Feuerwehr-Ehrenamts auf Landes- und Bundesebene lasse zu wünschen übrig.

Zustimmung bekam Wunderlich vom Landtagsabgeordneten Jürgen Barth (SPD) sowie von Landrat Michael Ziche, die die Wichtigkeit des Ehrenamtes hervorhoben. Beim Thema Abwanderung versuchte Ziche zu schlichten. Längst sei diese nicht mehr so groß wie noch vor ein paar Jahren. Trotz dünner Besiedlung hätten es die Wehren immer geschafft, sich zu organisieren. Als positives Beispiel führte er die Struktur in der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf an.