Salzwedel l Zwei Monate nach Bekanntwerden eines internen Berichts des Kultusministeriums über Mängel in der Freien Jeetzeschule ist der Vorstand des Trägervereins am Mittwoch zu einem Gespräch mit Mitarbeitern der Behörde sowie des Landesschulamtes nach Magdeburg gereist. Thema waren Beanstandungen, die ein Sachbearbeiter des Ministeriums in dem 27-seitigen Papier zusammengefasst hatte. So hatte er unter anderem die Einstellung nicht qualifizierter Lehrer, die rechtswidrige Aufnahme von Schülern sowie hygienische und bauliche Probleme bemängelt (wir berichteten). Zu einer abschließenden Bewertung kamen die Gesprächsparteien offenbar nicht.

Diskutiert worden sei unter anderem die Frage, ob die Freie Schule Lehrer mit einem DDR-Diplom statt des üblichen Zweiten Staatsexamens als Abschluss einstellen durfte, sagte Berthold Schulze, Geschäftsführer der Jeetzeschule, gestern. "Hier gibt es unterschiedliche Auffassungen", sagte Schulze. Bei der Bewertung dieser Frage seien beide Parteien nun auf die Entscheidung von Gerichten angewiesen.

Zu weiteren Punkten wollten sich weder Berthold Schulze noch Karina Kunze, Pressereferentin des Kultusministeriums, äußern. Kunze erklärte auf Anfrage lediglich, bei den Gesprächen zwischen Ministerium und Jeetzeschule handele es sich um ein laufendes Verfahren.

Mitteilungsfreudiger waren Mitarbeiter der Behörde noch im Februar: Nach Bekanntwerden des internen, 27-seitigen Berichts durch einen Artikel der Volksstimme vom 25. Februar, hatte Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) öffentlich erklärt, er halte die im Papier aufgelisteten Mängel für so schwerwiegend, dass er die Schule zu einer Stellungnahme auffordern werde. Mitarbeiter des Ministeriums drohten gar mit dem Entzug der staatlichen Zuschüsse für die freie Schule - ein Schritt, der für die Einrichtung gravierende wirtschaftliche Folgen hätte.

Der Trägerverein der Jeetzeschule erfuhr nach eigenen Angaben erst aus der Presse von der Existenz des Berichtes. Nachdem die Schule das Dokument inklusive Aufforderung zur Positionierung am 4. März erhalten hatte, äußerte sich der Vorstand vor dem 23. März schriftlich zu den angeführten Beanstandungen. In der Folge kam es in dieser Woche nun zum Treffen zwischen der Schule und den Behörden.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Dazu, wann mit einer abschließenden Bewertung des Ministeriums zu rechnen ist, und welche Konsequenzen im Raum stehen, äußerte sich Berthold Schulze nicht. Zumindest in der Frage der Einstellung von - aus Sicht des Ministeriums - nicht qualifizierten Lehrern dürften aber die Gerichte den Zeitplan vorgeben.

Die Landtagsfraktion der CDU hatte in Reaktion auf ein Schreiben der Jeetzeschule übrigens im März um einen Sachstandsbericht beim Ministerium gebeten. Noch am 19. März hatte Sprecherin Sandra Hietel erklärt, ihre offizielle Haltung werde die CDU-Fraktion von dem Bericht abhängig machen. Inzwischen gibt man sich auch hier deutlich bedeckter. "Da es sich um ein laufendes Verwaltungsverfahren handelt, können keine weiteren Aussagen diesbezüglich getätigt werden", sagte Hietel.