Die Anzahl der Kampfhunde und Alttiere im Hoyersburger Tierheim bereitet Bärbel Domke zunehmend Kopfzerbrechen. Sie gelten als schwer vermittelbar. Zehn dieser Tiere, darunter die Staffordshire-Terrier Ella und Balu, müssen in den Zwingern ihr Dasein tristen. Weil 23 der 25 Plätze für Hunde besetzt sind, droht erneut ein Aufnahmestopp.

Hoyersburg. Staffordshire-Terrier Balu ist zwei Jahre jung und gilt als friedlicher Artgenosse. Fast die Hälfte seines Hundelebens hat der Rüde bereits im Tierheim Hoyersburg verbracht. Weil ihn keiner mehr wollte oder weil er vielleicht nicht aggressiv genug für einen sogenannten Kampfhund war. "Balu war in Henningen angebunden", erzählt Tierschutzvereinsvorsitzende Bärbel Domke. Am Kopf: Spuren einer Beißattacke, möglicherweise die eines Hundekampfes.

Artgenössin Ella (vier Jahre) ist offensichtlich als Geburtsmaschine missbraucht worden. "Das sieht man an den Zitzen", weiß die Hansestädterin. Die Hündin, anfänglich aggressiv, sei angeblich gefunden und dann abgegeben worden. Zwei von vielen Schicksalen in Hoyersburg. Die Alttiere eingeschlossen, beläuft sich die Anzahl der schwer vermittelbaren Hunde derzeit auf 10 – also fast die Hälfte der verfügbaren Plätze. 25 sind vorhanden, 23 davon derzeit besetzt. Ferner ist für 50 Katzen Platz. Bei den Hunden droht Aufnahmestopp.

"Wir sind ein kleines Tierheim und müssen mit den Kapazitäten haushalten", schlägt die Tierschützerin Alarm. Es fehle am Geld und mangele am Personal. Geltende Gesetze würden die Situation, vor allem aber die Vermittlungschancen für Tiere wie Ella und Balu erschweren.

Bärbel Domke nennt Gründe: Kaum einer könne den Wesenstest zahlen oder die Kosten für den verlangten Sachkundenachweis aufbringen. Und für gefährliche Rassen erhebe eine Vielzahl von Kommunen, darunter auch die Einheitsgemeinde Hansestadt Salzwedel, erhöhte Steuersätze.

"An und für sich sind die Hunde friedlich", erklärt die Tierschützerin mit Blick auf als gefährlich eingestufte Rassen. "Die Menschen, die solche Hunde besitzen, sollten sich überlegen wie sie ihr Tier erziehen." Wenn Vierbeiner kompliziert in ihrem Verhalten seien, dürften sie nicht frei laufen gelassen oder vor Einkaufsmärkten angeleint werden. Es gebe nun mal Menschen, die Hunde nicht mögen oder gar Angst haben.

Außer dem Wesenstest und Sachkundenachweis müssen Halter dieser Tiere ein positives polizeiliches Führungszeugnis und eine Hundehaftpflicht haben. Außerdem verlangt das Gesetz, dass Gefahrhunde gechipt sein müssen.

"Tierheime sind davon ausgenommen", erklärt Bärbel Domke. "Die Mitarbeiter haben den Sachkundenachweis." Allerdings dürften auch nur sie mit diesen Hunden Gassi gehen. Wird für Ella und Balu kein neues Zuhause gefunden, müssen beide im Tierheim bleiben. Unter Umständen: ihr Leben lang. Dies wäre fatal: Denn die Hoyersburger Einrichtung ist als Durchgangsstation und nicht als Altersheim oder Gnadenhof konzipiert.

Angesprochen auf die in der Hansestadt beschlossene Hundesteuererhöhung – die Bescheide haben das Rathaus verlassen, schwillt Bärbel Domke der Kamm: "Mit dem Tierschutz ist das nicht abgesprochen worden. Die Auswirkungen werden kommen." Es sei zu befürchten, dass diese Steuer finanzschwächere Hundebesitzer dazu animieren könnte, Tiere abzugeben. Darüber hinaus würden Tierfreunde noch zurückhaltender in ihrer Entscheidung werden, einen Hund bei sich aufzunehmen. Und dann wäre da noch das Geschäft mit den Welpen, deren Inserate ganze Zeitungsseiten füllen.

Bei aller Euphorie, rät Bärbel Domke, die Kosten für ein Tier, das auch einmal alt und krank werden könnte, nicht aus dem Auge zu verlieren. "Hunde brauchen Herrchen, Katzen Personal", weiß die Expertin mit Blick auf Erziehung und zeitlichen Aufwand. Das treffe auch für Alttiere zu. Ob für Spaziergänge im Freien oder als geduldiger Zuhörer, der die Einsamkeit vertreibt – Acht- bis zwölfjährige Hunde seien für Senioren interessant. Pflegeplätze und Hundeausführer würden ständig gesuch.