Von Holger Thiel

Salzwedel. Kevin lachte, drehte sich beim Laufen noch zu Kay um und da geschah es. Kevin prallte mit seinem Gesicht gegen die glatte Fassade der Grundschule. Ein Vorderzahn wird herausgeschlagen. Während sich der Achtjährige vor Schmerzen die Hände vor dem Mund hält, eilen zwei Lehrerinnen heran. Eine kümmert sich um den Jungen, die andere nimmt vorsichtig den Zahn und steckt ihn in die Rettungsbox. Keine 20 Minuten später ist Kevin beim Zahnarzt, der den herausgeschlagenen Zahn wieder einsetzt und fixiert. Kevin hat Glück gehabt. Sein noch junger "Erwachsenenzahn" bleibt ihm erhalten. Zurück bleibt nur die Erinnerung an den schmerzhaften Aufprall. - Diese Begebenheit ist eine Fiktion. Fakt ist aber, dass etwa 30 Prozent der 8- bis 12-Jährigen traumatische Schädigungen der bleibenden Zähnen erleiden. 890 "Zahnunfälle" sind im Jahr 2009 von Schulen in Sachsen-Anhalt der Unfallkasse gemeldet worden.

Die Zahnrettungsbox, die eine feuchte und vor allem keimfreie Aufbewahrung des herausgeschlagenen Zahnes ermöglicht, kann Zähne retten und aufwändige Implantate vermeiden. Die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalts und die Techniker Krankenkasse statten deshalb in einer gemeinsamen Aktion unter dem Motto " Gewusst wie" Grundschulen mit diesen Boxen aus, die eigentlich kleine Gläser sind. "Nach Ostern werden die Grundschulen in Diesdorf, Depekolk, Fleetmark, Pretzier, die evangelische Grundschule in Salzwedel, die Jenny-Marx-Grundschule, die Perver Schule und die Lessing-Grundschule solche Zahnrettungsboxen erhalten", erklärt Andreas Warnow. Der Pretzierer Zahnarzt ist Kreisstellenvorsitzender der Zahnärzte der Region Salzwedel. Er verweist darauf, dass es im Notfall wichtig sei, den ausgeschlagenen Zahn nicht zu reinigen oder gar an der Wurzel anzufassen, sondern ihn schnell in das spezielle Glas zu geben und den nächsten Zahnarzt aufzusuchen.

Übrigens: Nicht nur in der Schule, auch auf Sportplätzen und in Turnhallen kann es zu Zahnunfällen kommen. Der Landessportbund appelliert deshalb an Sportvereine, dass auch bei ihnen für den Fall der Fälle eine solche Rettungsbox vor Ort ist. "Eine guter Vorschlag", findet Andreas Warnow.