Unter dem Motto "Museen - unser Gedächtnis" wurde auch im Freilichtmuseum Diesdorf am Sonntag der Internationale Museumstag begangen. In diesem Jahr feiert dieses Museum, das im Jahre 1911 vom Landarzt Dr. Georg Schulze gegründet wurde, seinen 100. Geburtstag.

Diesdorf. Anlässlich dieses Jubiläums kamen zahlreiche Besucher und geladene Gäste zur Ausstellungseröffnung "100 Jahre Freilichtmuseum Diesdorf". Museumsleiter Friedhelm Heinecke ließ es sich nicht nehmen und begrüßte am Eingang die Ankommenden persönlich. Da das Wetter sich noch hielt, fand der Auftakt der Festveranstaltung im Freien statt.

Mit dem Zitat von Oscar Wilde "Heutzutage kennen die Leute von allem den Preis und von nichts den Wert" erinnerte Landrat Michael Ziche in seiner Begrüßungsrede an die große Bedeutung dieses kulturellen Erbes. In einem kurzen Abriss fasste er die hundertjährige Geschichte des Museums für die Zuhörer zusammen. Dem Wohlfahrtsgedanken folgend und aufgrund eines königlich preußischen Erlasses zur Jugendpflege wurde im Jahre 1911 der Beschluss gefasst, in Diesdorf ein Bauernhausmuseum zu gründen. Auf einer Fläche von sechs Hektar und mit einem Ensemble von 21 historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden veranschaulicht heute dieses Museum den Besuchern das bäuerliche Leben früherer Jahr- hunderte.

Besonders würdigte Michael Ziche die Verdienste von Peter Fischer, der von 1970 bis 1996 das Museum leitete und dankte den heimatverbundenen Mitgliedern der Dährer Karnevalsgesellschaft, die immer wieder in historische Kleider schlüpfen und das Leben und Arbeiten unserer Vorfahren für die Besucher darstellen und nacherleben.

In seinem Vortrag "Persönliche Sichtweisen eines altmärkischen Landwirts zum heimatkundlichen Vermächtnis des Landarztes Dr. Georg Schulze" schilderte anschließend Dr. Helmut Gaede zunächst seine persönlichen Beziehungen zu "Dokders Voader" in einigen Anekdoten. So erfuhren die Zuhörer, dass der Landarzt, der 1893 seine Praxis in Diesdorf eröffnete, nicht nur bei ihm, sondern auch schon bei seinem Vater und seiner Mutter der Geburtshelfer war.

Im zweiten Teil seiner Ausführungen sprach er als akademisch geschulter Landwirt über die Pflege des landwirtschaftlichen Kulturerbes und die Bedeutung der Agrarmuseen. Aus seinen agrarwissenschaftlichen Publikationen zitierte er einige Auszüge: "Georg Schulze war kein Landwirt, sondern praktischer Landarzt und autodidaktisch auch Ethnologe, der in Verbindung mit seiner altmärkischen Heimat eines der ältesten deutschen Freilichtmuseen für die Landwirtschaft und Volkskunde schuf."

Ebenfalls ging Professor Carl Johannsen, Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Freilichtmuseums Kiel-Molfsee, in seinem Vortrag "Das niederdeutsche Hallenhaus zwischen Tradition und Fortschritt" auf die Einheit von Architektur, Natur und Kulturpflanzenanbau ein.

Zeitgleich wurde im Haus Püggen die Jubiläumsausstellung "100 Jahre Freilichtmuseum" eröffnet. Museumsmitarbeiterin Anke Gruß hat in monatelanger Arbeit diesen ersten Teil der interessanten Ausstellung vorbereitet, der sich mit der Entstehungsgeschichte des Museums befasst. Besonderes Interesse fand das Modell des im Jahre 1787 in Winkelstedt erbauten Niederdeutschen Hallenhauses bei den Besuchern.

Eine großartige Bereicherung für die Ausstellung ist auch das vom Künstler Mirko Rathke gemalte Bild vom Museumsgelände. Versehen mit Piktogrammen ist es nicht nur schön anzusehen, sondern informiert den Betrachter auch über wesentliche Fakten und den Standort. Die Schüler der Kreismusikschule Salzwedel umrahmten die Festveranstaltung musikalisch, und Dank des trockenen Wetters konnten die Besucher den leckeren Hefekuchen mit der Tasse Kaffee auch im Freien genießen.

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