Die Freiwillige Feuerwehr Zuchau hatte im vergangenen Jahr keinen Löscheinsatz. Dennoch kam es zu einem Novum: Zuchau war bei der Juni-Flut im südlichen Elbe-Saale-Winkel der einzige trockene Ort der Einheitsgemeinde. Dort war die Technische Einsatzleitung untergebracht, was den Kameraden große Aufgaben abverlangte.

Zuchau l "Als kleine Wehr mit 19 aktiven Kameraden haben wir einen logistischen Albtraum erlebt, der seines gleichen sucht. Und wir haben ihn mit Bravour gemeistert", begann Ortswehrleiter Mike Mikoleit. "Das hat mich sehr stolz auf meine Wehr gemacht", fügte er hinzu. Die Zuchauer schufen sämtliche Rahmenbedingungen für die Arbeit der Technischen Einsatzleitung.

"Der Zustand unseres Gerätehauses hat bei den Kameraden des Abschnitts für Hohn und Spott gesorgt."

Dennoch berichtete Mike Mikoleit von einem Wermutstropfen in jener Zeit: "Der Zustand unseres Gerätehauses hat bei den Kameraden des Abschnitts für Hohn und Spott gesorgt." Deswegen habe er mit Bürgermeister Jens Strube gesprochen. "Schriftlich blieb er eine Antwort schuldig, aber mündlich wurde uns für 2015 eine Lösung in Aussicht gestellt", informierte Mikoleit. Dann soll neben dem jetzigen Gerätehaus ein Neubau entstehen. Was von diesem Versprechen hängen bleibt, werde man im kommenden Jahr sehen. "Wenn dann nicht wenigstens der Rohbau steht, bin ich mir nicht sicher, ob die Zuchauer Feuerwehr 2016 noch existiert", drohte der Ortswehrleiter.

Eine weitere Kritik ging an die Adresse von Landrat Ulrich Gerstner. Der hatte bei der Jahresdienstberatung aller Feuerwehr-Leitungskräfte des Salzlandkreises in Eggersdorf die Zuchauer vergessen zu nennen. Das geschah im Rahmen des Hochwasser-Dankes. "Ist ja klar", winkte Mikoleit sarkastisch ab, " Z wie Zuchau kommt ja nicht nur im Alphabet ganz hinten vor."

In Zuchau kam es 2013 zu keinem Löscheinsatz. "Wir sind ein gut erzogenes Dorf, wo keiner was in Brand steckt", witzelte Mike Mikoleit. Er unterstrich, dass sich die Feuerwehr um den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft verdient mache. Das betreffe die Straßen- und Heimatfeste oder das jährliche Fußballturnier. Der 1. Mai sei zudem "traditioneller Feuerwehrtag". Dann werde seit über 20 Jahren eine rund 100 Kilometer lange Orientierungsfahrt unternommen.

Die Hochwasserzeit bescherte den Zuchauern fünf Neuzugänge junger Kameraden. Auch die Kinder- und Jugendfeuerwehr ist mit zwölf Personen für so einen kleinen Ort gut aufgestellt. Dafür dankte der Wehrleiter wie auch Ortsbürgermeister Martin Giesecke den Kameraden Toralf Sülzle und Andreas Gläser, die sich um den Nachwuchs kümmern.

Der Ortsbürgermeister ergriff während der Jahreshauptversammlung die Gelegenheit, für die kommende Ortschaftsratssitzung am 25. Mai zu werben: "Es wäre schön, wenn bis dahin die Feuerwehr eine Fraktion aufstellt."

"Ich möchte dich sehen, ob du das in dem Alter mal machst."

Beobachtung am Rande: Schaut man in die alten und jungen Gesichter der Freiwilligen Feuerwehr Zuchau, fallen Ähnlichkeiten auf. Der Grund: Viele gestandene Kameraden konnten ihre Söhne für diesen Ehrendienst erwärmen. Das sind Dietmar und Axel Schneider, Martin, Andreas und Markus Gläser, Mike und Maximilian Mikoleit, Toralf und Lukas Sülzle sowie Torsten und Matthias Vogel.

Aus dem aktiven Dienst wurde der 65-jährige Dietmar Schneider aus Altersgründen verabschiedet. Er ist seit 1965 dabei. Ortschef Martin Giesecke würdige die Einsatzbereitschaft des ehemaligen Gemeindearbeiters. Dabei hörte man ein bisschen den Lehrer in ihm heraus. "Der Dietmar war heute schon um 6.30 Uhr im Gerätehaus!" An einen der jungen Kameraden, der gerade schwatzte, gewandt: "Ich möchte dich sehen, ob du das in dem Alter mal machst." Worauf der 24-jährige Markus seinem gescholtenen Kumpel beistand: "Kanner ja nicht, der muss mal bis 70 arbeiten!"

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