Schönebeck/Staßfurt. Im Dezember ist die Vegetationsperiode endgültig vorbei. Es ist Winter. Die Laubbäume stehen kahl da, nur die Nadelbäume behalten ihr Grün, was sie einst traditionell zu Weihnachtsbäumen werden ließ. Weiterhin wünschen sich viele zu Weihnachten eine verschneite Landschaft. Dieser Wunsch geht aber oftmals nur in Höhenlagen über 500 Meter in Erfüllung. Im Flachland sind "weiße Weihnachten" eher ein seltenes Ereignis. Viel manifester ist da das berühmte "Weihnachtstauwetter".

Im Dezember 2010 strömten mit einigen Ausnahmen verschiede Hochdruckgebiete von Norden in unseren Raum. Mit ihnen floss arktische Meeresluft ein, es blieb grau und neblig. Zwar taute in unserer Region am 11. Dezember der inzwischen aufgestaute Schnee fast komplett weg, doch erneute Schneefälle setzten danach ein. Schlitterpartien auf unseren Straßen und Wegen machten es den Menschen schwer und große Schneemengen türmten sich an den Straßenrändern. An 29 Tagen lag bei uns eine geschlossene Schneedecke.

Der Dezember 2010 war zu kalt und zu schneereich! Ein Nordatlantik-Hoch führte bereits im November zum Ausbleiben milder West- oder Südwestwetterlagen. Dadurch wurde die Grundlage für einen strengen mitteleuropäischen Winter gelegt. Von Weihnachtstauwetter keine Spur. Dass, was man sich immer wünschte, trat ein, eine sehr dick gepolsterte "Weiße Weihnacht" war die Folge.

Als Durchschnittstemperatur für den Dezember 2010 hatte Mark Schröder in Biere minus 4,1 Grad Celsius gemessen. So tiefe Dezember- temperaturen wurden zuletzt vor über 40 Jahren ermittelt.

Ähnlich gestaltete sich das Wetter auf dem Brocken. Wie Klaus Adler berichtete, lag eine geschlossene Schneedecke an 31 Tagen bei einer Monatsmittel-Lufttemperatur von minus 7,8 Grad Celsius (vieljähriges Mittel beträgt minus 3 Grad Celsius), 30 Nebeltage und einer Sonnenscheindauer von 39,5 Stunden (Klimamittel = 53 Stunden) und einer höchsten Windspitze von 137 km/h am 16. Dezember. Es fielen insgesamt 182,8 Millimeter pro Quadratmeter an Niederschlag. Das sind nur 85 Prozent des vieljährigen Mittelwertes. Der Dezember 2010 war auf dem Brocken extrem zu kalt und etwas zu trocken.

Wie war der Dezember vor 100 Jahren? Wie aus der Calbeschen Stadt- und Landzeitung von 1910 entnommen wurde, war der Dezember 1910 bis zum 8. Dezember mild, wolkig und regnerisch. Danach wurde es noch etwas wärmer und ab und zu gab es Regenschauer. Der 16. und der 17. brachten heftigen Südwestwind. Es blieb weiter mild, nur selten sanken die Temperaturen tagsüber auf den Gefrierpunkt. Erst am 26. und 27. kamen Frost und leichter Schneefall. Dann war es bis zum Monats-ende wieder mild und regnerisch. Am Silvestertag schien die Sonne.

Dieser Dezember 1910 zeigte also ein durchgängiges "Weihnachtstauwetter". Er entsprach überhaupt nicht dem Bild, das wir uns meist von einem Christmonat vor hundert Jahren machen. Aber schließlich hatte (mit Schwankungen) da bereits seit 1850 die gegenwärtige Warmphase begonnen. Der Dezember vor hundert Jahren hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem jetzigen!

Eine Bemerkung in eigener Sache: Seit April 2008 hatte Dieter Horst Steinmetz die Möglichkeit genutzt, im Archiv des Rathauses Calbe in der "Calbeschen Stadt- und Landzeitung" von 1908 - 1910 zu stöbern, um eventuelle Ähnlichkeiten im Wetter in der Zeitspanne von 100 Jahren finden zu können. Bis auf die Tatsache, dass es auch schon früher Wetterkapriolen gab, konnten nur zu 15 Prozent Ähnlichkeiten der einzelnen Monate festgestellt werden. Ich habe mich aus diesem Grunde dazu entschlossen, ab Wetterrückblick Januar 2011 an gleicher Stelle auf Fragen der Entstehung des Wetters einzugehen, was für den Leser ebenfalls interessant sein kann.