In diesem Monat vor 40 Jahren wurde der erste Jugendclub in Förderstedt gegründet. Michael Mosler, in dessen Gaststätte "Zur Eisenbahn" der Jugendclub lange untergebracht war, sind zwei alte Bücher in die Hände gefallen: Die "Chronik des Jugendclubs Förderstedt". Wir werfen einen Blick auf die Anfänge der Jugendarbeit in Förderstedt.

Förderstedt l Wir schreiben das Jahr 1974. "In dieser Chronik wollen wir Rechenschaft über die Arbeit unseres Jugendclubs ablegen", lautet die erste Zeile des "Brigadebuchs", das als Chronik des Förderstedter Jugendclubs angelegt wurde. Damals befand sich der Club noch im Haus der ehemaligen Gaststätte "Zur Linde". Vor 40 Jahren, am 18. April 1974, wurde der Jugendclub Förderstedt gegründet.

Den Clubraum haben Jugendliche, Bürger der Gemeinde und eine Rentnerbrigade hergerichtet.

Sogar die Staßfurter Urania besuchte die Jugendlichen schon: Am 26. April 1974 hörten sie den Vortrag "Ist Nichtrauchen nicht schädlich?".

Ein Ereignis in diesem Jahr: Das Pfingsttreffen am 1. Juni 1974. Beim sportlichen Wettbewerb im Kleinfeldfußball kämpften mit dem heutigen Ortsbürgermeister Peter Rotter folgende Jungs um den Sieg: Harry Häuser, Jürgen Schulze, Wolfgang Niemann, Hilmar Lorenz, Harald Köhler, Horst Zies, Fred Messerschmidt, Kurt Franz, Rudi Häger und Wolfgang Ottmann. Beim Schießen waren Wolfgang Papst, Horst Obeck, Klaus-Dieter Wunderling, Monika Lepka und Karl-Heinz Pfeiffer dabei und kämpften um den Sieg.

In Vorbereitung des 60. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution erlegte sich der Jugendclub ein Arbeitsprogramm auf, das maßgeblich für die nächsten Jahre war: Neben Aufgaben wie Arbeitseinsätzen im Dorf und im Club, dem Sammeln von Schrott und Sperrmüll und der Pflege von Rüben, wurde hier vor allem entschieden, dass in Zukunft kräftig gefeiert wird: "Um dem kulturellen Bedürfnis aller Jugendlichen gerecht zu werden, wird monatlich eine Jugendtanzveranstaltung durchgeführt und an den anderen Wochenenden werden wir Diskoveranstaltungen im Jugendclub organisiert", so die Chronik. Dafür gibt es sogar eine Fortbildung: Zwei Jugendliche sollen sich 1977 zum "Schallplattenunterhalter" weiterbilden.

Das Team der Jugendclubleitung bestand damals aus Norbert Mosler, Sylvia Lattorf, André Bedau, Karl-Heinz Stohge, Manfred Scholtbach und Jochen Wick. Mit Ralf Paul leiteten sie Zirkel wir die Ordnungsgruppe, den Fanfarenzug, einen Judo-, einen Gitarren- und einen Musikzirkel.

Die Arbeitseinsätze sind ein wichtiges Thema in der Chronik. 1976/77 haben die Jugendlichen eine alte Lokomotive auseinandergeschweißt und konnten so Schrott gewinnen. Oft wurden die Außenanlagen des Clubs verschönert. "Es wurde ein Plattenweg gelegt, Bäume und Blumen wurden gepflanzt und Bänke aufgestellt." Einmal halfen die jungen Leute auch dem "Herrn Claus" den Friedhof in Ordnung zu bringen.

In die Jugendclubleitung stiegen am 30. November 1977 noch Harald Beyten, Heike Wunderling, Manfred Ilgenstein, Ute Menzel, Sabine Witzel, Klaus Krüger, Heike Stohge und Brita Krüger ein. Von einer Versammlung wird berichtet, dass es 1977 24 Schülerarbeitsgemeinschaften in Förderstedt gab. "Alle 40 Jugendclubmitglieder, davon sechs Jugendliche aus Staßfurt sind in fünf Arbeitsgemeinschaften des Jugendclubs tätig", schreibt der Chronist. In einem Gemeindeverband arbeitete damals die FDJ-Ortsleitung Atzendorf eng mit Förderstedt zusammen, heißt es weiter. Außerdem wurde der Jugendclub 1977 mit der "Ehrennadel der Nationalen Front in Gold" ausgezeichnet.

Vier "Solidaritätsveranstaltungen" - für das "chilenische Volk und das unterdrückte Volk in Südafrika" gehörten auch zum Veranstaltungskalender des Clubs im Jahr 1977.

Im Jahr 1978, so der Bericht, renovierten die Jugendlichen einen Raum im Club, haben am Albertinesee in Üllnitz Sand angefahren, den Strand erweitert und Bäume gepflanzt. In der Großen Straße und auf dem Reichsbahngelände haben sie Schachtarbeiten durchgeführt, haben die Grünflächen der Gemeinde gepflegt, in der Gaststätte "Zur Eisenbahn" Aufräum- und Installationsarbeiten durchgeführt, Schrott gesammelt und die Bürger mit Tannengrün versorgt.

Umgezogen in die Gaststätte "Zur Eisenbahn" ist der Jugendclub im Oktober 1978. Der ehemalige Raum in der "Linde" konnte dann für Familienfeiern und Proben des Männerchors genutzt werden. Die Jugendlichen hatten den linken Teil des großen Saals in der "Eisenbahn" selbst als neuen Clubraum eingerichtet.

Und auch 1987 wurde gut gefeiert: 40 Diskoveranstaltungen und 18 Jugendtanzveranstaltungen. Solche Feiern organisierten, laut Bericht, die Arbeitsgemeinschaften "Kassierung, Versorgung, Diskosprecher und die Ordnungsgruppe". Diese kümmerten sich auch um Feiern der Rentner, das Heimatfest von Förderstedt und einige Betriebsfeiern im Ort.

Bei der Silvesterfeier 1978 war die Witterung zwar eisig und plötzlich fiel auch noch der Strom aus, aber trotzdem "kam eine gute Stimmung" auf.

Rosenmontag 1979: Bei Narrenfreiheit und Kussfreiheit "ging es heiß her im Förderstedter Jugendclub", schreibt der Chronist. "Wie immer war eine prima Stimmung, denn wir waren ein sehr lustiger Haufen."

Und noch etwas Neues im Jahr 1979: Endlich gab es einen Fernseher im Club und zwei neue Tischtennisplatten im Garten. Die Jugendlichen strichen ihre Behausung auch in diesem Jahr wieder mit frischer Farbe an und verlegten 300 Gehwegplatten. Der Höhepunkt, was die Musik anbelangt: Ute Freudenberg mit der Gruppe "Elefant" und die Band "Paradox" spielten in der "Eisenbahn".

Eine Sommerparty gab es am 5. August 1979 im Club. "Bei schönem Wetter, kühlen Getränken und heißer Musik verspeisten die Jugendlichen 100 Würstchen und 60 Steaks vom Grill."

Fazit über das Jahr 1979: Mit dem neuen Raum in der "Eisbahn" seit Oktober 1978 gibt es endlich richtig große Tanzveranstaltungen. Jetzt kamen auch überregional bekannte Bands nach Förderstedt. Im Prinzip wurde jedes Wochenende gefeiert: Von Freitag bis Sonntag war jeden Abend etwas los. Dabei wechselten sich die Jugendclubs Atzendorf, Förderstedt und Üllnitz ab. Es kamen Jugendliche aus Staßfurt in Scharen.

Geöffnet war der Club jeden Tag von 16 bis 21 Uhr, schreibt der Chronist über das Jahr 1979. Das Gaststätten-Team versorgte mit Essen und Trinken. Die Jugendlichen spielten Federball und Brettspiele. Disko und Bandauftritte organiserten sie wie immer selbst. Am Sonntag beseitigte der "harte Kern" die Party-Spuren. Das Eintrittsgeld wurde als Gage für die nächsten Bands und für Partys verwendet.

Probleme gab es wohl mit Jugendlichen aus Schönebeck und Bernburg, wie es heißt: "Ein Teil dieser Jugendlichen versuchte durch Rowdytum die Arbeit im Jugendclub und besonders die Tanzveranstaltungen zu stören. Gemeinsam mit Transportpolizei und Ordnungsgruppe wurde ein Teil dieser Jugendlichen mit Ordnungsstrafen geahndet."

In der Clubleitung waren 1979 Michael Mosler, Karl-Heiz Brühning, Gunther Schmidt, Gabi Pape-Heise, Ute Menzel, Sabine Stohge, Sylvia Behrendt, Jürgen Petermann und Brita Krüger.

   

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