Der Zufahrtsweg für Radfahrer an der Barbyer Elbbrücke ist auf der Westseite endlich sicherer. Dafür sorgte jetzt eine Privat- und Vereinsinitiative. Begrüßen werden das vor allem die Radtouristen, die im Sommer mit "schwerem Gepäck" die Brücke passieren.

Barby l Als vor drei Jahren ein junger Mann an der Brückenzufahrt schwer stürzte, kostete ihm das fast sein Augenlicht. Grund waren senkrecht eingegrabene Eisenbahnschienen, die unsere Altvorderen vor vielen Jahrzehnten setzten. Sie haben einen scharfen Grat, sind ohne Handlauf und dienten einst als Wegbegrenzung. Außerdem eignete sich der bucklige Weg am Bahndamm eher für Cross-Fahrer. Er war bisher in solchem Zustand, dass Radler ihre Fahrräder lieber die steilen Treppen herunter bugsierten, um nicht zu stürzen.

"Es ist immer wieder das selbe: Wenn man die Leute anspricht, helfen sie auch." Frank Bläsing, Tourismusverein

"Der Weg war uns schon lange ein Dorn im Auge", sagt Peter Netzeband (42), der in den Fischerhäusern und der nahen Lindenallee seine Kindheit verbrachte. Heute wohnt er in Wespen, hat dort eine Tiefbaufirma und die alte Brücke nicht vergessen. "An der hängt mein Herz", gesteht der 42-Jährige, der ein Kerl wie ein Bagger ist und dem man so viel Emotion gar nicht zutraut. Am Montag machte "Netze" mit dem Tornitzer Stahlbauunternehmer Eckhard Henschel (64) gemeinsame Sache: Der Tiefbauer planierte mit dem Mini-Bagger die fast 40 Meter lange Brückenzufahrt auf 1,20 Meter Breite. Anschließend wurde Schotter aufgebracht und mit der Rüttelplatte verdichtet.

Eckhard Henschel ließ ein 33 Meter langes Geländer aus verzinktem Stahlrohr bauen, das zwei seiner Mitarbeiter am Montag montierten. Die Kosten dafür bezifferte er mit 4000 Euro. "Ich wollte eigentlich nur die Hälfte der Summe sponsern", lächelt Henschel gequält, "2000 Euro sollte die Grafschaft übernehmen."

Die Grafschaft?

"Ja, der Verein", erklärt der Tornitzer. Aber der hätte ihm klar gemacht, dass er dazu finanziell nicht in der Lage sei.

Zur Erklärung: Der elbestädtische Tourismusverein Grafschaft Barby muss sich seit Jahren von Einwohnern und Radtouristen immer wieder Klagen über den schlechten Zustand des Weges anhören. Vereinsmitglied Frank Bläsing bekommt das oft von seinen Pensionsgästen zu hören, die bei ihm übernachten. Der 54-Jährige und zwei seiner Mitarbeiter packten nun zusammen mit Henschel und Netzeband selbst mit an. Wie Bläsing sagt, hätte die Grafschaft die Initiative ergriffen und "schlummernde Initiativen" gebündelt. "Es ist immer wieder das selbe", so Bläsing, "wenn man die Leute anspricht, helfen sie auch."

Zur Erinnerung: Die "Grafschaft", zu der hauptsächlich Gastronomen und Vertreter des Beherbergungsgewerbes zählen, kämpft seit Monaten um den Erhalt der Barbyer Eisenbahnbrücke. Vergangene Woche wurde eine Unterschriftensammlung gegen den Abriss an den Petitionsausschuss des Landtages Sachsen-Anhalt übergeben.

"Viele haben dazu beigetragen, dass wir dieses tolle Ergebnis von 3500 Unterschriften, einschließlich der Listenaktion mit 1207 Unterstützer aus der Online-Aktion, zusammenbekommen haben", freut sich Tourismusvereinsvorsitzender Klaus Bittrich.

Nun stehen weitere Aktionen an: Eine Broschüre zur Brücke von Verkehrshistoriker Jürgen Krebs soll gedruckt und eine Freiluftausstellung von historischen Bildern erstellt werden. Am 12. Juli findet zudem ein "Brückenfest" statt.

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