Es ist Zufall, dass die MS "Wissenschaft" derzeit am Schönebecker Elbeufer vertäut liegt. Das Ausstellungsschiff sollte eigentlich in Dessau festmachen. Doch die Elbe hat zu wenig Wasser.

Schönebeck l Das Theaterschiff "Marco Polo" hat Gesellschaft bekommen. Seit gestern liegt am Salzblumenplatz auch die MS "Wissenschaft" vertäut. Dabei war Schönebeck gar nicht im Tourenplan des Ausstellungsschiffes enthalten. Eigentlich sollte die MS "Wissenschaft" in diesen Tagen in Dessau-Roßlau anlegen. Dafür hat das Niedrigwasser der Elbe aber nicht mehr genügt. So kommen also die Schönebecker in den Genuss, das Boot besichtigen zu können - und wer weiß, wann es wieder einmal hier anlegt. Wer Interesse hat, sollte sich beeilen. Das Schiff wird am Donnerstag bereits wieder unterwegs sein und den nächsten Liegeplatz, nämlich Haldensleben, ansteuern.

An Bord erwartet die Gäste eine Ausstellung zum Thema "digitale Gesellschaft". "Passend zum aktuellen Wissenschaftsjahr", erläutert Annika Rudolph gegenüber der Volksstimme. Die Studentin gehört zur Besatzung der MS "Wissenschaft". Annika Rudolph und ihre Kollegen fungieren als "Lotsen", stehen für Fragen zur Verfügung. Führungen sind hingegen nicht vorgesehen. "Die Besucher sollen die Ausstellung in einer Art Selbststudium kennenlernen", erläutert die Studentin.

Wer sich auf diese außergewöhnliche Unterrichtsstunde einlässt, wird einiges erfahren zu den drei Themenbereichen "digitales Wissen", "digitale Wirtschaft" und "digitales Miteinander".

Letztlich geht es also um die menschliche Kommunikation und zwar von den Anfängen bis heute, wobei das Heute den Hauptteil dieser Betrachtungen einnimmt. Mittlerweile geht (fast) nichts mehr ohne Computertechnik. Das World Wide Web umspannt die Erde und ist ein ständig wachsendes Netz, das in immer mehr Belange des Alltags hineinwächst.

So gibt es sogenannte Apps, die Informationen in ganz unterschiedlicher Weise weitergeben, beziehungsweise werden sie auf dieser Basis erst einmal ermittelt. Die Pflanzen-App etwa: Daten zu Lichteinfall, Bodenfeuchtigkeit und Raumtemperatur werden an eine Datenbank im Internet übertragen. Von dort kommen in Auswertung der Daten Empfehlungen, was den Pflanzen fehlt, wie ihr Wachstum besser unterstützt werden kann.

Noch vor Kurzem wäre das Übermitteln eines Gefühls der Zuneigung über digitale Technik an die Liebste oder den Liebsten reine Science fiction gewesen. Möglich ist das derweil über Bluetooth oder Smartphone: Der Empfänger spürt eine positive Schwingung.

"Das ist hier wie Vokabeln lernen", sagt beim Besuch der MS "Wissenschaft" eine Frau, die sichtlich kein Digital Native ist. Was das bedeutet? Menschen, die nach 1980 geboren wurden und im Umfeld Neuer Medien aufgewachsen sind. Alle, die in punkto digitale Gesellschaft Nachhilfe brauchen, können an Bord in Ruhe lernen, was Shitstorm, Podcast, Fabbing oder Phubbing bedeuten. Oder Cyberware, Cyberspace und Cloud Computing. Oder digitale Kluft. In der nämlich stecken Menschen, die sich vom digitalen Zeitalter abgehängt fühlen. Aber Klüfte lassen sich bekanntlich überwinden.

Auf seiner diesjährigen Tour macht die MS "Wissenschaft" in 38 Städten in Deutschland und Österreich Halt. Konzipiert und umgesetzt wurde die Ausstellung im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. "Das Schiff ist täglich von 10 bis 19 Uhr für Besucher offen. Klassen können bereits ab 9 Uhr an Bord. Bei Fragen am besten anrufen unter Telefon (0172) 1765936", informiert Wissenschaft-Lotsin Annika Rudolph.