Seine letzte Ruhestätte im Grünen finden - das ist seit Freitag in Schönebeck möglich. Bei Elbenau wurde mit einer Andacht und einem Festakt ein Friedwald eröffnet.

Schönebeck/Elbenau l In der Kunst ist der Wald als Heimstatt idealisiert, die Tourismusbranche lockt mit Wanderungen und Fahrradtouren durch waldreiche Gebiete, der Naturschutz preist die Auenwälder rund um die Elbe - jetzt ist in Schönebeck auch die letzte Ruhe im Wald möglich. Der sogenannte Friedwald, das Bestattungsangebot in der Natur eines gleichnamigen Unternehmens, ist bei Elbenau eröffnet worden. In einer ökumenischen Feier segneten die Pfarrer Dr. Thomas Thorak und Johannes Beyer den Ruheort und seinen Andachtsplatz. Ein Festakt schloss sich an, in dem Vertreter von Landesforst, Stadt und Friedwald die Zusammenarbeit auf dem Weg zum Friedwald beschrieben und das Konzept Interessenten vorstellten. Die Lödderitzer Jagdhornbläser umrahmten die Einweihung musikalisch.

Friedwald ist eine alternative Bestattungsform. Die Asche Verstorbener ruht in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines ausgesuchten Baumes, der in einem als Friedwald ausgewiesenen Wald steht. 51 davon gibt es in Deutschland. Elbenau mit seinen 26 Hektar ist nach Sangerhausen und Dessau-Wörlitz der dritte in Sachsen-Anhalt. Friedwald bietet an allen Orten verschiedene Formen der Bestattung an: Einzel- oder Partnerbäume, einen Gemeinschaftsbaumplatz oder den Basisplatz - immer mit einer Laufzeit von 99 Jahren. Für sich selbst oder Angehörige kann so ein Platz gewählt werden. Ein Namensschild am Baum weist auf die Ruhestätte hin.

Friedwald sorgt im Waldstück für eine entsprechende Infrastruktur mit ausgewiesenen Bäumen, Waldtafeln mit Hinweisen und einem Wegesystem. Die Pflege der Grabstellen übernimmt der Wald selbst. Träger des Friedwaldstandortes ist die Stadt Schönebeck, Waldbesitzer das Land Sachsen-Anhalt mit seinem Landesforstbetrieb. Friedwaldförster übernehmen die naturnahe Pflege und führen Interessenten in Waldschauen das Konzept vor.

Petra Bach, Geschäftsführerin von Friedwald, sieht im Angebot einen ganzheitlichen Ansatz: "Hier ist es möglich, einen neuen Umgang mit dem Tod zu finden, ohne mit der Tradition zu brechen. Trauer und Erinnerung finden einen festen Bezugspunkt. Religion und der Glaube an die Auferstehung haben ihre Geltung, andere Lebenseinstellungen behalten ihren eigenen Wert." Sie ging in ihrer Eröffnungsrede auf die Entwicklung der naturnahen Bestattung ein. Die Menschen würden nach Alternativen suchen. Der Wald sei durch Prägungen aus frühester Kindheit für fast jeden ein vertrauter Ort. "Warum sollten wir den Wald als letzte Lebensstation aus unseren Betrachtungen ausschließen?", fragt Petra Bach. Im Wald würden Trauer, unbeobachtetes Weinen, die stille Zwiesprache mit einem Verstorbenen einen Rahmen finden. Durch den Wechsel der Jahreszeiten, Geräusche aus der Natur, Wind und Wetter könne man vielleicht Trost finden. Petra Bach zitiert einen Satz, den sie oft bei Friedwaldbestattungen gehört hat: "Der Wald macht die Trauer ein ganz klein wenig leichter." Die Friedwald-Geschäftsführerin machte deutlich, dass ein solches Projekt nur gelingen würde, wenn viele mit Idealismus dabei seien - im Fall von Elbenau die Stadt Schönebeck und der Landesforstbetrieb. Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch sagte, dass sich Politik, aber vor allem auch die Stadtverwaltung die Entscheidung für einen Friedwald nicht leicht gemacht hätten, angesichts eigener städtischer Friedhöfe und ihrer kostendeckenden Ausnutzung. Dennoch habe man den Prozess begleitet und im Stadtrat getragen. "Im Mittelpunkt der Entscheidung stand das Bürgerinteresse, stand die Angebotsvielfalt, stand aber auch ein gutes Stück von Liberalität geprägte Offenheit und gut abgewogene Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber: Wir entsprechen mit dieser neuen Möglichkeit einfach dem Wunsch der Bürger."

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