Elbenau/Plötzky (fm) l Lange hat es gedauert. Heute wird um 11 Uhr die neugebaute Haberlandbrücke zwischen Elbenau und Plötzky für den Straßenverkehr freigegeben. Stadtrat Thoralf Winkler aus Elbenau informiert im Vorfeld über die Recherchen, die der im Ruhestand lebende Bauingenieur Bernfried Homuth aus Magdeburg zum Thema Haberlandbrücke angestellt hat. "Er hat sich die Mühe gemacht und sich durch meterweise Akten gelesen, um Informationen zum Deichbausystem zusammenzutragen", schreibt Winkler in einer E-Mail an die Lokalredaktion Schönebeck. Winkler fügt an: "Die Informationen zur Geschichte der nun abgerissenen Brücke und ihrem Vorgängerbau waren mir und wohl auch der Bau-Verwaltung bisher nicht bekannt. In den Unterlagen steht auch etwas über die Sprengung der Brücke durch die Wehrmacht (was dann durch das Auffinden der zuvor unbekannten Fundamentreste zu der langen Bauverzögerung führte)."

Homuth hält in seinem Text unter anderem fest, dass der preußische Staatsminister für landwirtschaftliche Angelegenheiten nach zwei Fluten Ende 1875 und Anfang 1876 verfügte, die Kanalmulde zu überbrücken. Weitere Brücken sollten entstehen zwischen Gübs und Magdeburg (heute Gübser Brücke) und Gübs und Pechau (heute Pechauer Brücke). Doch das Sprichwort "So schnell schießen die Preußen nicht" bewahrheitete sich auch hier. Der Schulze Ohle aus Plötzky hakte im Mai 1877 nach, was denn nun sei mit dem Brückenbau. Ohle ging es vor allem um seine Landwirte, die mit einer Brücke die Ernte schneller einbringen konnten. Im September 1877 stand die Brücke. Nicht lange. Das Januarhochwasser im Jahr 1880 beschädigte mit harschem Eisgang das Bauwerk schwer. Ein nächstes Hochwasser folgte schon eine Woche später. Die Brücke ist danach wahrscheinlich nur provisorisch ausgebessert worden.

Allein zwischen 1882 und 1895 ist das Pretziener Wehr zehn Mal gezogen worden. Größere Schäden an der Brücke sind aber nicht vermerkt worden. Reparaturen gab es wieder nach einer Flut im Jahr 1896. Homuth dokumentiert: "Bis 1911 war die Haberlandbrücke eine Pfahljoch-Konstruktion. Der Neubau 1911 wurde als Bogenbrücke aus Beton errichtet."

Der Wahnsinn des Zweiten Weltkrieges ging auch an der Haberlandbrücke nicht spurlos vorüber. Die Wehrmacht sprengte den Übergang 1945. Die Rote Armee errichtete kurz darauf eine Behelfsbrücke. Lange hielt sie nicht, 1949 musste ein sicheres Bauwerk errichtet werden. "Nach einem Projekt vom 1. Februar 1950 wurde eine Betonbogen-Gelenk-Brücke vom Kommunalwirtschaftsunternehmen der Stadt Magdeburg errichtet und am 5. April 1950 freigegeben", weiß Homuth. Immerhin hat diese Variante sechs Jahrzehnte gehalten.

Die Brücke hat ihren Namen übrigens nach einem Bereich von Grundstücken bekommen, deren Eigentümer hiesige Grundbesitzer waren, dem sogenannten Haberlande.