Natur live! Das ist die Devise der Schönebecker Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu). Bei der Fledermausnacht hat sich am Wochenende alles um die nachtaktiven Säuger gedreht. Erstmals in Elbenau, einem großen Quartier der Fledermäuse.

Elbenau l Was für den Laien wie ein nicht richtig eingestellter Radiosender klingt, ist für Marcel Majchrzak Musik in den Ohren. Naturmusik. Das Pfeifen und Rauschen auf dem kleinen Gerät, das der 26-Jährige in den Händen hält, weist auf Fledermäuse hin. Der Batdetektor, eine Art Frequenzumwandler, fängt die Signale der nachtaktiven Säuger ein. "Das hier sind die Soziallaute", sagt Marcel Majchrzak zu den Umstehenden bei der Batnight, der Fledermausnacht des Schönebecker Naturschutzbundes in Elbenau. Fledermäuse würden verschiedene Frequenzen verwenden, bei der Jagd andere, als zum Beispiel an ihren Schlafplätzen, erklärt der Naturschutz- und Landschaftspflege-Student der Bernburger Fachhochschule in Strenzfeld. Die Arten wiederum zeigten auch Unterschiede in den ausgestoßenen Signalen. "Nur echte Experten können die Millisekunden dauernden Rufe, wenn sie sie aufnehmen, unterscheiden", sagt Marcel Majchrzak.

"Die Lage ist optimal. Die umliegenden Seen und der Wald bieten als Jagdrevier viel Nahrung."

Er selbst ist auf dem besten Weg dahin, ein solcher Kenner zu werden. Das Mitglied der Schönebecker Nabu-Ortsgruppe beschäftigt sich neben seinem Studium mit den Fledermäusen. Bei der Aktionsnacht in Elbenau war er zusammen mit Gebhard Edner und Matthias Willberg vom Tiergarten auf dem Bierer Berg mit den Ortunsgeräten unterwegs und führte die Besuchergruppen. Nicht zum ersten Mal. Auch bei den früheren Veranstaltungen dieser Art auf dem Bierer Berg war Marcel Majchrzak dabei. Dass die Batnight bei ihrer sechsten Auflage nach Ostelbien gezogen ist, hat einen einfachen Grund. "Hier gibt es mehr Fledermäuse, sowohl anzahlmäßig als auch in ihren Arten", erklärt Michael Wunschik, Chef der Schönebecker Nabu-Ortsgruppe.

Wer glaubt, die Säuger seien lediglich in alten Scheunen oder Kirchtürmen zu finden, der irrt im Elbenauer Fall gewaltig. Ausgerechnet das alte Heizhaus der Waldschule, einer Einrichtung der Oskar-Kämmer-Schulen, haben sich die Fledermäuse als Quartier ausgesucht. Im Schornstein und vor allem in Fugen unter einem Metallanker, der das gesamte, blickartige Gebäude umfasst, sitzen die Tiere. Ihre Geräusche sind auf dem Schulhof unüberhörbar. "Die Lage für die Tiere ist optimal", sagt Michael Wunschik. "Die umliegenden Seen und der Wald bieten als Jagdrevier viel Nahrung." Zudem würden die Tiere in ihrem Quartier nicht der Zugluft ausgesetzt sein und könnten sich im Dunkeln verstecken. "Mehr brauchen die Fledermäuse nicht", sagt der Nabu-Chef.

"Faszinierend, dass die unter hunderten Nachbarn ihre eigenen Jungen wiederfinden."

So erfährt das alte Heizhaus am Rand des Elbenauer Schulhofs bei der Fledermausnacht noch einmal ungeahnte Aufmerksamkeit. Die Blicke der Besucher sind auf das Dach und den Schornstein gerichtet. Als die Dämmerung hereinbricht, brechen die Tiere im Sekundentakt zur Jagd auf. Die Zuschauer staunen, versuchen die Tiere in Bildern einzufangen, zählen die Starts. Über hundert Fledermäuse hat Michael Wunschik gezählt, bei den Arten ist er sich nicht so sicher. Die Zeit für die Beobachtungen sei bestens gewählt, sagt der Nabu-Chef. "Für die Fledermäuse, die wie die Vögel, bald beginnen ihr Winterquartier zu suchen, beginnt jetzt die Schwärmphase." Die Jungtiere würden flügge sein und mit ihren Muttertieren auf die Jagd gehen. Das Elbenauer Heizhaus ist ein reines Weibchenquartier. Das sei üblich, erklärt er, die Muttertiere würden ihre Jungen allein aufziehen. "Das ist immer wieder faszinierend, dass die da oben unter hunderten Nachbarn ausgerechnet ihre eigenen Jungen wiederfinden", staunt der Nabu-Chef wie viele andere kleine und großen Besucher der Batnight.

Bei einer Waldführung konnten die Gäste den nächtlichen Jägern folgen. Die Batnight, die im Rahmen der 18. Europäischen Fledermausnacht veranstaltet wurde, bot zudem viel Wissenswertes über die Tiere in Filmen und an Informationsständen. Die Kinder konnten einen Tast- parcours erkunden und basteln. Schulleiter Dirk Faust und ein Elternteam der Waldschule unterstützen den Nabu mit der Versorgung der zahlreichen Gäste.

 

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