Nach der Klärung einer Grundstücksangelegenheit ist der Förderverein Hummelberg-Turm voller Tatendrang. Wenn alles gut läuft, wollen die Ehrenamtlichen noch in diesem Jahr mit ersten Arbeiten beginnen.

Schönebeck l Manchmal mahlen bürokratische Mühlen langsam. Das fällt dann umso mehr ins Gewicht, wenn man voller Aktionslust steckt. Christian Jakobs, Vorsitzender des Fördervereins Hummelberg-Turm Schönebeck, und seine Mitstreiter haben diese Erfahrung jetzt gemacht. Doch das Warten hat sich gelohnt. "Wir sind einen großen Schritt weiter und hoffen, in den nächsten Wochen den Kaufvertrag für das Grundstück abzuschließen, auf dem die alte Sternwarte steht", sagt der 29-Jährige im Volksstimme-Gespräch.

Bis zu dieser Zuversicht war viel Geduld von den Turmrettern gefragt. Sie haben vor, das Grundstück zu kaufen, auf dem das (noch) marode Bauwerk steht, um Schritt für Schritt den Hummelberg-Turm zu retten. Allerdings war bis jetzt nicht ganz klar, um welche Flurfläche es sich eigentlich handelt. Christian Jakobs erklärt kurz und knapp, vor welchen Problemen sein Verein gestanden hat: Anfang der 1990-er Jahre seien Liegenschaftskarten digitalisiert worden.

"Der Turm war um nahezu zehn Meter verrückt."

Luftbilder wurden dabei über alte Karten gelegt. "Die Folge war in unserem Fall, dass der Turm um nahezu zehn Meter verrückt war." Nicht eindeutig genug für die beiden Vertragspartner Stadt und Turmverein, um einen Kaufvertrag abzuschließen. Obwohl der Rat in einem Beschluss der Veräußerung schon lange grünes Licht gegeben hatte. Hoffend, dass bürgerliches Engagement neues Leben in die Ruine bringen könne.

Die Stadt als aktueller Grundstückseigentümer stellte eine Anfrage beim zuständigen Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt in Magdeburg. Dabei sollte die Fachbehörde eine Antwort darauf geben, ob eine Korrektur möglich wäre, oder ob das Areal neu vermessen werden müsse. "Letzteres hätte uns mit Sicherheit mehrere Tausend Euro gekostet. Das hätte unsere Arbeit weit zurückgeworfen", sagt der Vereinschef.

Jetzt ist die konkrete Antwort da: Die Korrektur genügt. Eine Entscheidung, die den Vereinsmitgliedern Steine von den Herzen fallen lässt. Die Hummelberg-Turm-Fans hoffen, dass die Richtigstellung der Karten Anfang September vom Landesamt vorgenommen wird. "Dann würde das Rathaus uns Bescheid geben und wir könnten schnell in die Verkaufsvertragsverhandlungen einsteigen."

Hier, so hofft Christian Jakobs, könne die Verwaltung das Verfahren vielleicht beschleunigen, nicht dass das Prozedere Monate dauere, wie etwa bei privaten Grundbucheinträgen. Denn der Verein will loslegen. Sobald er das Grundstück samt Turm sein Eigen nennt, soll es darum gehen, die Zuwegung zur alten Sternwarte zu sichern. Der Vereinschef weist in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass man sich auf die freundschaftliche Nachbarschaft mit dem Motorsportclub Schönebeck 1959, der vor Ort Rennen veranstaltet, freue.

Sei die Erreichbarkeit geklärt, gehe es um erste Räumungs- und Sicherungsarbeiten. "Das Gestrüpp muss weg und aus dem Turm muss jede Menge Schutt raus", erklärt der Vereinschef. "Danach müssen wir das Dach abdichten und die Fassade sichern", sagt er weiter. Als neuer Besitzer würde seine Truppe nämlich in der Sicherungspflicht stehen und würde haftbar gemacht, falls etwas passiere. Die Zeit würde hier drängen, denn im Winter sei nicht mehr viel zu machen.

Parallel dazu will der Verein die Werbetrommel für sein Anliegen rühren. Die Hummelberg-Streiter denken beispielsweise an einen öffentlichkeitswirksamen Bauauftakt.

"Wir präsentieren die vielseitige Geschichte des Hummelbergs."

Der Vereinsvorsitzende bereitet derzeit neue Flyer vor. Neue Mitglieder und finanzielle Hilfe sind willkommen. Auch für die Entwicklung der Gruppe kann Christian Jakobs schon jetzt Positives verkünden. War man anfangs mit vorgeschriebenen sieben Mitgliedern gestartet, gehören inzwischen 13 Leute zum Förderverein. Darunter auch Firmen. Das erachtet der Vereinschef für wichtig. Denn in Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden will der Verein viele Arbeiten bei der Turmsanierung in Eigenleistung erbringen.

Am künftigen Nutzungskonzept, das sich der Verein als Ziel gesetzt hat und das auf vielfältige Bildungsangebote im außerschulischen Bereich zielt, halten Christian Jakobs und seine Mitstreiter fest. "Die vielseitige Geschichte des Hummelbergs präsentieren wir zukünftig anhand von Tafeln im Turm. Auch die vorhandenen Instrumente der Sternwarte sollen funktionstüchtig hergestellt werden, so dass Astronomie-Unterrrichtsstunden für Schüler besonders spannend gestaltet werden können - fernab der puren Theorie." Vom Wiederaufbau würden auch Kindergärten profitieren, denn durch seine Architektur und Lage ziehe das Gemäuer besonders kleine Gäste an, zeigt sich Christian Jakobs überzeugt.

Der Vereinschef ist zuversichtlich, dass das Vorhaben gelingt. "Wir haben lange gewartet, doch nun kann es bald richtig losgehen!"