Vorschulkinder der Barbyer Kindertagesstätte "Elbespatzen" besuchten die elbestädtische Marienkirche und deren Turm. Anlass waren Erntedankfestvorbereitungen und die Vermittlung von Heimatgeschichte.

Barby l "Vor uns sehen wir den Altar. Altar, das heißt auf deutsch: Tisch. Und der Tisch in der Kirche ist ein Esstisch", erklärt Kirchbauvereinsmitglied Christina Roeder, die die Kinder führte. Bei Gottesdiensten versammeln sich Christen, um miteinander zu essen, Wein zu trinken, Gemeinschaft untereinander zu haben und Gemeinschaft mit Christus, der auf geheimnisvolle Weise der Gastgeber dieser Mahlzeit ist.

Zu Erntedank werde dieser "Tisch" mit Blumen, Obst und Gemüse und sogar mit Kartoffeln geschmückt.

"Mein Opa hat auch einen Kartoffelroder", nimmt der sechsjährige Johannes diese Aufzählung zum Anlass, seinen Beitrag zum Thema zu leisten.

Heiterkeit bei den Erwachsenen.

Ähnliche Rückmeldungen lösen Erklärungen zur Orgel aus, die wohlklingend und schön saniert an der Westseite des Kirchenschiffes thront. "Ich habe auch ein Klavier", hebt Niklas begeistert den Finger.

Christina Roeder erzählt in kindgerechter Weise von Grabsteinen, die Tauben mit Ölzweigen als Friedenssymbol tragen, zeigt auf Stadt- und Grafenwappen an der Decke und erklärt den Stolz der alten Stadt. Wo heute Blumenrabatten, blühende Büsche und manchmal Fensterscheiben kaputtschießende Jungen zu finden sind, war früher der Kirchhof mit seinen Gräbern. Die wurden erst vor die Tore der Stadt gelegt, als eine "schlimme Krankheit" viele Barbyer dahinraffte. Damit meinte Roeder die Pest.

"Ich war mal mit Mama und Papa in einer Burg-ruine. Aber so schön war`s da nicht."

Die Fünf- und Sechsjährigen lauschen mit offenen Mündern und kullerrunden Augen den Erklärungen. Viele von ihnen sind zum ersten Mal in der Kirche. "Das gehört zur Allgemeinbildung", sagt Kita-Leiterin Iris Jacob, die zusammen mit ihrer Kollegin Gerlinde Gorall den Trupp begleitet. Man habe Erntedank zum Anlass genommen, die Marienkirche zu besichtigen.

Zum Abschluss steht noch etwas ganz Besonderes auf dem Programm. "Wir gehen jetzt 104 Stufen hoch", schickt die Führerin voraus. "Ihr könnt ja mitzählen", lächelt sie.

Die Knirpse kommen aber bloß bis 10, 11, 20 ... dann sind sie von anderen Dingen gefangen. Die steile Treppe, das mächtige Holzbalkengerüst, die dicken Mauern, durch deren Fenster das gleißende Spätsommerlicht fällt. Kommt da nicht jeden Augenblick Rapunzel mit ihrem Zopf um die Ecke oder der böse Ritter, der hier spuken soll ...?

Für die Kinder ist die Turmbesteigung ein Abenteuer, das sie nicht so schnell vergessen werden. "Ich war mal mit Mama und Papa in einer Burgruine. Aber so schön war`s da nicht", lässt eine Sechsjährige das Herz der Führerin höher schlagen. Die zeigt in der Uhrenstube, wie die alte Kirchturmuhr acht große Zeiger auf riesigen Zifferblättern antreibt, erklärt, dass vor hundert Jahren hier eine Türmerfamilie wohnte, die schwere Lasten für den täglichen Bedarf mit einem Seil hochzog.

Am Ende dürfen die Knirpse auf den "Umgang", von wo aus sie einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt haben.

 

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