Regisseur Thomas Enzinger verlässt den Schönebecker Operettensommer (SOS). Er wie auch die Kammerphilharmonie sprechen von einer "einvernehmlichen Trennung", aber auch von "Meinungsverschiedenheiten". Die Orchesterleitung setzt auf neue künstlerische Akzente.

Schönebeck l Die Ankündigung kommt ein bisschen wie "Kai aus der Kiste". Im großen Volksstimme-Gespräch gibt Musikdirektor Gerad Oskamp den weitreichenden Überblick über die neue Spielzeit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie. Eine wichtige Personalangelegenheit kommt dagegen lediglich im Nebensatz zur Sprache: Thomas Enzinger wird 2015 nicht mehr die Regie beim 19. Schönebecker Operettensommer übernehmen.

Das überrascht! Denn der Wiener hat das Festival auf dem Bierer Berg mit aus der Taufe gehoben, er hat seither jedes Jahr die Inszenierung besorgt und, ja, er hat sein Stammpublikum. Jetzt gehen Orchester und Regisseur getrennte Wege - ohne offizielle Ansage beim Operettensommer in diesem Jahr. Das lässt die Vermutung auf ein Zerwürfnis aufkeimen, auch weil Gerhard Oskamp "Meinungsverschiedenheiten" andeutet, die Thomas Enzinger bestätigt.

Gerard Oskamp ist der künstlerische Leiter

Im Gespräch mit der Volksstimme betonen alle Seiten gleichermaßen moderat die "einvernehmliche Trennung". "Wir hatten ein gutes Verhältnis während der Produktion", sagt Gerard Oskamp über das Miteinander mit Thomas Enzinger im Sommer 2014. Kein Wort mehr zu Meinungsverschiedenheiten. Gerard Oskamp argumentiert anders. Dass auf den Bühnen in Deutschland etwas nach 18 Jahren zu Ende gehe, sei eine "normale Sache". Auf jeden Fall sei zwischen ihm und Enzinger nichts "Weltbewegendes" passiert. Die Freunde der Enzinger-Inszenierungen möchte er beruhigen: "Alte Elemente werden bleiben. Aber neue kommen hinzu. So, wie es mit dem Auftritt professioneller Tänzer in diesem Jahr auch schon geschehen ist."

Genau diese Veränderungen, genauer die Auffassungen darüber sind der Grund, weshalb Thomas Enzinger jetzt geht. "Wie bereits Gerard Oskamp im Interview in der Volksstimme erwähnte, kam es zu Meinungsverschiedenheiten. Da er der künstlerische Leiter des Orchesters und des Operettensommers ist, ist es für mich an der Zeit, weiter zu ziehen", sagt Thomas Enzinger.

Der Regisseur zeigt Verständnis dafür, dass es Weiterentwicklungen geben müsse. "Es geht mir in meinem Beruf immer um die Sache, und ich sehe es als Künstler auch als wichtig an, dass nach so langer Zeit andere Impulse für ein Festival möglich sind." 18 Jahre lang habe er Regie geführt, jetzt sei das Kind erwachsen geworden und könne auf eigenen Beinen stehen. "Darum ist das eine Lösung ohne Groll und mit tiefer Demut und Dankbarkeit für diese wunderbaren 18 Jahren, den vielen tollen Mitarbeitern und dem tollsten Publikum der Welt", sagt Thomas Enzinger.

Enzinger kommt 2015 zu seiner Lesung

Die Kunst auf dem Berg ist das eine, die Zahlen das andere. Die bringt Hans-Jörg Simon, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie ins Spiel. Das Orchestermanagement trägt die künstlerische Entscheidung des Chedirigenten. Hans-Jörg Simon verweist rein sachlich auf die vertraglichen Unterlagen. "Danach ist Herr Oskamp der künstlerische Leiter, und er kann und soll deshalb auch seine Vorstellungen umsetzen." Der Orchestergeschäftsführer gibt zu bedenken, dass die Besucherzahlen beim Schönebecker Operettensommer in den vergangenen Jahren stagnierten. Im Sommer 2014 kamen hingegen 900 Gäste mehr. Er führt das Plus an Interesse auch auf die Handschrift Gerard Oskamps zurück, der bei der 18. Auflage des SOS in diesem Jahr erstmals den Stab in der Hand hielt. "Ich bin der Meinung, dass es nach 18 Jahren an der Zeit ist für einen Break." Es sei der Zeitpunkt erreicht, etwas Bisheriges aufzubrechen und Neues zu wagen. Wer allerdings die Regie 2015 übernimmt, ist noch offen. Laut wird jetzt aber schon über Katharina Kutil nachgedacht.

Dennoch bleibt die Frage, warum es keine offizielle Verabscheidung gab. Thomas Enzinger sagt dazu nur, das habe mit seiner eigenen Entscheidungungsfindung zu tun. Ganz auf ihn müssen seine Fans nicht verzichten, verrät der Wiener. "Ich werde dem Publikum erhalten bleiben, da ich im Rahmen des nächsten Operettensommers meine traditionelle Lesung machen werde."

   

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