"We are Family" - Wir sind eine Familie: So gut der Titel des englischen Theaterstücks im Friedrich-Schiller-Gymnasium auch klingt, zeigt es doch das tägliche Leben von Amy zwischen Verwirrung und Hoffnungslosigkeit. Zwei junge Engländer vom "Flying Fish Theatre" beeindruckten in der Aula.

Calbe l Amy ist ein junges Mädchen, wie es sie wohl überall auf der Welt gibt. Die Teenagerin steht auf der Bühne der altehrwürdigen Schulaula und gibt den 138 Siebt- und Achtklässlern gestern einen intimen Einblick in ihr Familienleben. Das gestaltet sich auf den ersten Blick ganz harmonisch. Doch die Idylle gerät ins Schwanken als sich ihre Mutter Janis und ihr Vater Jack beginnen, über ihre Beziehung zu streiten.

"In meiner Familie gibt es entweder Schreien oder Stille."

Doch Amy befindet sich selbst in einer Welt aus typischen Teenagerproblemen, die sich mit dem elterlichen Streit überlagern. Schule, Freunde, sorglose Träumereien und der Spaß an alltäglichen Erlebnissen gehen verloren. Gut, dass es ihren Freund Ron gibt, an den sich mit ihren Gefühlen der Verwirrung, Wut und Hoffnungslosigkeit wenden kann. "In meiner Familie gibt es entweder Schreien oder Stille", erklärt Amy dem Publikum in einem Monolog.

Als sich ihre Eltern scheiden lassen, teilen die jungen Verliebten Tränen, Lachen und ihre Erkenntnisse. Amy wird klar, dass sie auch auf andere vertrauen kann.

Das Theaterstück gewährt einen einfühlsamen Blick auf ein Leben, wie es millionenfach in sogenannten Patchworkfamilien oder anderen Lebensentwürfen stattfindet. Den beiden jungen Darstellern gelingt es mit viel Tempo - beide schlüpfen ständig in unterschiedliche Rollen - großen Emotionen und minimalistischem Bühnenbild ein ernstes Thema wirklichkeitsnah und packend zu vermitteln.

Hinter den Figuren auf der Bühne verbergen sich die 22-jährige Grace Bussey und der 23-jährige Jamie Sheasby. Die gebürtigen Engländer kommen als Absolventen frisch von der "London Academy of Music and Dramatic Art" und gehen mit ihren Theaterstücken in Deutschland auf Tour. "Wir sind also das erste Mal in der Gegend", erklärt Grace Bussey gegenüber der Volksstimme. Mit ihrem Bühnenpartner erfüllt sie für das Sprachniveau der einzelnen Klassenstufen unterschiedliche Stücke mit Leben. So präsentierten beide für die fünften und sechsten Klassen ein unterhaltsames Cowboy-Musical oder bringen mit dem anspruchsvollen "Crazy World" die Elft- und Zwölftklässler zum Nachdenken über das eigene Verhalten innerhalb der Gesellschaft.

"Die fünften und sechsten Klassen haben uns nach der Vorstellung regelrecht Löcher in den Bauch gefragt."

"Vor allem die fünften und sechsten Klassen haben uns nach dem Stück regelrecht Löcher in den Bauch gefragt, mehr als eine halbe Stunde lang", lächelt Grace und schiebt hinterher: "Das macht das Schauspielen so schön."

Beiden sei klar, dass trotz einer akribisch genauen Aussprache und Intonierung nicht jedes Wort bei allen Schülern ankommt. Doch das sei weniger wichtig, meint Jamie Sheasby. Es gehe darum, dass sich Schüler auf englische Muttersprachler einlassen und ihnen gedanklich folgen können.

Bereits in den vergangenen Jahren brachten Schauspieler des Flying Fish Theatre, einem pädagogisch orientierten, englischen Tourneetheater, den Schilleranern Theaterstücke auf der Bühne näher.