Zwei ehrenamtliche Mitarbeiter des Radsportmuseums in Kleinmühlingen fliegen in der nächsten Woche nach Beirut. In der Hauptstadt Libanons treffen sie sich mit Tarek Abu Al Dahab. Der ehemalige Teilnehmer der Friedensfahrt feiert am 25. Dezember seinen 75. Geburtstag.

Kleinmühlingen/Beirut l Ein bisschen verrückt ist Horst Schäfer, vor 50 Jahren schon und heute. Als kleiner Steppke saß der heutige Leiter des Radsportmuseums in Kleinmühlingen auf einem Apfelbaum an der Fernverkehrsstraße bei Welsleben. Um im Allgemeinen die Fahrer der Friedensfahrt zu sehen, und im Speziellen Tarek Abu Al Dahab. Der Libanese war mehrmals Einzelstarter bei der Friedensfahrt und repräsentierte sein Land.

"Meine Leidenschaft für die Friedensfahrt ist mit Tarek Abu Al Dahab zu begründen", berichtet Horst Schäfer der Volksstimme. Als Zehnjähriger musste er als Schulhausaufgabe in der Zeitung alles über die Friedensfahrt lesen, ausschneiden und sammeln. Dabei stieß er auf die Geschichte des Libanesen mit der Startnummer 121, der zwar mit Zustimmung seines Landes mehrmals an der Friedensfahrt teilnahm, aber beim ersten Mal doch unter - sagen wir mal - speziellen Bedingungen: Tarek Abu Al Dahab reiste aus Paris nach Westberlin an und ging damals schwarz von West nach Ost über die Grenze. "Nach der Tour bei der Friedensfahrt hatte er dann aber erhebliche Probleme bei der Ausreise, weil er ja offiziell gar nicht mit einem Stempel im Pass eingereist war", berichtet Horst Schäfer.

"Ich konnte es gar nicht fassen."

Die Zeit verging. Heute gibt es die Friedensfahrt nicht mehr in dieser Form, wohl aber Tarek Abu Al Dahab und Horst Schäfer. Genau 50 Jahre nach dem ersten "Sichtkontakt" wurde der Leiter des Museums überrascht: Bei einer Veranstaltung stand plötzlich Tarek in der Tür. "Ich konnte es gar nicht fassen, dass mein Idol plötzlich ganz nah bei mir ist und ich ihm die Hand schütteln konnte", erinnert sich Horst Schäfer an die Begegnung im Jahr 2012. Er, der "kleine Dorfjunge" trifft den großen Tarek Abu Al Dahab, der Radrennfahrer, der an so vielen Rennen weltweit teilgenommen hatte, unter anderem auch mehrmals bei Olympia.

Über die bekannten "sieben Ecken" konnte Tarek damals ausfindig gemacht werden. Ihm wurde gesagt: "Du, so ein Verrückter aus Deutschland hat ein Museum. Das gibt es nur deinentwegen." Das interessierte Tarek Abu Al Dahab. Bis heute besteht ein reger Kontakt auch zu Tareks Bruder Talal, der in Hambach in Hessen wohnt.

Immer wieder hat Tarek Abu Al Dahab, der mit seinen 75 Lenzen noch immer auf dem Rad sitzt und in einem Fahrradgeschäft in Beirut arbeitet, den "crazy Horst" nach Libanon eingeladen. "Ja, ich komme", versprach Horst Schäfer vor Jahren vollmundig: "Tarek, wenn du 75 wirst, dann besuche ich dich in Beirut."

Dass der Geburtstag aber gerade auf den 25. Dezember fällt, wenn in Deutschland die Weihnachtsbäume aufgestellt sind und die Familien besinnlich beisammen sitzen, hatte Museumschef Schäfer nicht im Blick. Erst als vor Monaten Tarek Abu Al Dahab das Versprechen von Freund Horst eingelöst haben wollte, fiel das weihnachtliche Datum auf.

"Werden Produkte aus dem Osten schenken."

Doch dass die Tour nach Beirut nun deswegen ausfällt, kam für Horst Schäfer nicht in Frage. Schließlich hatte er eine Einladung seines Idols nach Libanon. So wird sich der Museumsleiter gemeinsam mit einem Freund, der gleichzeitig die Internetseite des Museums betreut, Henry Koch, auf den vierstündigen Flug in den Nahen Osten machen. Eine Woche werden sie Gast bei Tarek Abu Al Dahab sein und mit ihm und seiner Familie gemeinsam seinen 75. Geburtstag feiern.

Und was werden die beiden vom Kleinmühlinger Radsportmuseum im Gepäck haben? "Tarek ist sehr bescheiden. Wir werden ihm ostdeutsche Produkte mitnehmen: Baumkuchen aus der Altmark, Senfgurken aus dem Spreewald, Hallorenkugeln aus Halle und selbsteingekochte Marmelade aus dem Haus Schäfer."

Und wenn Horst Schäfer und Tarek Abu Al Dahab am ersten Weihnachtsfeiertag Geburtstag feiern, dann schließt sich der Kreis. Ein Traum geht für Horst Schäfer in Erfüllung. Der Apfelbaum von damals, auf dem der "Rotzlöffel" die Fahrer beobachtete, steht schon lange nicht mehr. Aber die Freundschaft, die hält weiter.

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