Pünktlich um 9.51 Uhr stoppte gestern der erste Zug am nagelneuen Bahnhaltepunkt Calbe (Saale) Stadt. Dafür investierte die Deutsche Bahn rund 300 000 Euro, um testweise die geringe Nachfrage auf der Strecke Bernburg-Magdeburg zu erhöhen. Der erste Tag stimmte dabei durchaus optimistisch.

Calbe l Der kleine Elias Jäger freut sich riesig, als er gestern Nachmittag am neuen Bahnhaltepunkt am Bahnübergang Hänsgenhoch steht. "Wir wollen auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt", gibt der Sechsjährige freudig Auskunft. Mit dabei sind seine Großeltern Edeltraud und Jörgen Schmidt, die am Calbenser Rodweg wohnen. "Wir sehen zwar täglich die Bahn vorbeifahren, doch wann ich seit der Wende mit dem Zug gefahren bin, kann ich nicht genau sagen", erklärt der Calbenser. Das Angebot, den Zug zu nehmen, war in der Vergangenheit in der Saalestadt nicht sonderlich verlockend, liegen doch die Bahnhöfe Calbe (Saale) Ost und Calbe (Saale) West weit vom Stadtkern entfernt. "Nun haben wir einen kurzen Weg und sind in 30 Minuten am Magdeburger Hauptbahnhof. Mit dem Auto gehts nicht schneller", meint Jörgen Schmidt.

Rüdiger Malter, Geschäftsführer der Nahverkehrsservice Sachsen- Anhalt GmbH (Nasa) gab gestern Vormittag zusammen mit Karin Meyer, Bahnhofsmanagerin Magdeburg, offiziell die Station - schon Wochen vor einem Termin im Jahr 2015 - für die Öffentlichkeit frei. Mit dabei waren Landrat Markus Bauer, Bürgermeister Sven Hause und zahlreiche Bürger.

Vertreter des Behindertenverbandes Calbe (BVC) sehen sich mit der Inbetriebnahme in ihrer Forderung bestärkt. Sie hatten eine Unterschriftensammlung für die Errichtung gesammelt und der Nasa übergeben. "Hier sind alle Beteiligten über ihren Schatten gesprungen", erklärte Rüdiger Malter. "Seit der Entscheidung im Frühjahr wurde konsequent an der Umsetzung gearbeitet." Mit der neuen Station im Herzen von Calbe verkürze sich für Kunden deutlich der Weg zur Bahn. Damit gewinne die im vorigen Jahr eingerichtete Direktverbindung Bernburg - Magdeburg noch an Attraktivität, unterstrich Malter. "Je mehr Fahrgäste den neuen Halt und die Züge nutzen, desto größer die Chancen, beides auf Dauer zu erhalten."

Der Bestand des Haltes und der Bahnlinie ist abhängig von den Nutzerzahlen und den im Landeshaushalt zur Verfügung stehenden Mitteln. Derzeit nutzen nach offiziellen Angaben von Montag bis Freitag täglich 250 Fahrgäste die Strecke Bernburg-Calbe (Saale) Ost. Unter diesen Umständen einen zusätzlichen Haltepunkt einzurichten, sei wohl einmalig, meint Markus Bauer und spricht von einem schönen Weihnachtsgeschenk.

Die Deutsche Bahn AG und das Land Sachsen-Anhalt haben sich in Abstimmung mit dem Salzlandkreis und der Saalestadt in den vergangenen Monaten für den Bau engagiert. Künftig wird dieser Halt von Zügen der Linie RB 48 zwischen Magdeburg und Bernburg bedient. Die Bahnsteighöhe ermöglicht einen stufenlosen Einstieg. Ungeachtet dessen bleiben die beiden anderen Bahnhöfe erhalten.

Die RB-Linie 48 bietet montags bis freitags zahlreiche Direktverbindungen nach Schönebeck und Magdeburg. Mit dem Zug um 6.51 Uhr erreichen Berufsschüler die Schule in Schönebeck-Frohse um 7.13 Uhr. Der neue Haltepunkt ist wegen der vorfristigen Inbetriebnahme zunächst noch nicht in der DB-Fahrplanauskunft enthalten. Reisende erhalten vorläufig Informationen zu den Abfahrts- und Ankunftszeiten an den Aushängen auf den Bahnhöfen. Auf der RB-Linie 48 gilt der Marego-Verbundtarif. Mit dem Fahrschein kann also auch der Stadtverkehr in Magdeburg, Schönebeck und Bernburg genutzt werden.

   

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