Im Juli hat das Orchester Saitenspiel der Kreismusikschule zusammen mit dem Chor des Gymnasiums ein Benefizkonzert gegeben. Das Geld, rund 1784 Euro, kommt dem Kinderhospiz Magdeburg zugute. Der Scheck wurde jetzt während einer Probe überreicht.

Schönebeck l "Das Leben ist dran!", sagt Hanna Klingenberg vom Kinderhospiz in den Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg, wenn sie von der Arbeit in ihrem Haus berichtet. Die Betriebswirtin ist für den Spendenbereich des Hospizes zuständig. Acht Plätze gibt es hier für Kinder mit lebensverkürzenden Krankheiten. Sie kommen in das Haus, wenn ihr Leben zu Ende geht, die Pflege zu Hause unmöglich ist. Aber auch in den Ferien, gemeinsam mit Eltern, Geschwistern und anderen Familienmitgliedern. "Wir schaffen Angebote, bei denen alle zum einen die Möglichkeit haben, die Situation begleitet zu reflektieren, aber auch ihr manchmal zu entkommen, zu leben, ohne Einschränkungen vordergründig bewusst zu erfahren", sagt Hanna Klingenberg.

Das kostet Geld: Die Krankenkassen tragen einen Teil für die erkrankten Kindern. Familien- und Geschwisterarbeit wird dagegen kaum finanziell unterstützt. Hier kommen Spenden zum Einsatz.

"Das ist eine besondere Vergegenwärtigung."

Auch aus Schönebeck haben die Magdeburger in diesem Jahr viel Hilfe erfahren: Das Orchester Saitenspiel der Kreismusikschule in der Elbestadt hat für die Einrichtung in der Landeshauptstadt ein Benefizkonzert gegeben (Volksstimme berichtete). Am 1. Juli kamen so mit der Unterstützung mehrerer hundert Zuhörer in der Schönebecker Marienkirche insgesamt 1783,85 Euro zusammen. Die Musiker um ihre Leiterin Susanne Visontay haben das Geld jetzt bei einer Probe an Hanna Klingenberg überreicht.

Sie hat für diese Unterstützung viel Dank und ebenso große Bewunderung übrig. "Es ist ein toller Schatz, dass die Kinder solche Talente haben und damit Gutes tun, dass sie ihre Talente so wunderbar zum Einsatz bringen", sagt Hanna Klingenberg. Das sei schon etwas anderes, als wenn Hospizmitarbeiter einfach mit der Spendendose herumgehen würden. "Die Arbeit hier wird in den Mittelpunkt gerückt, bei denen, die spielen, und bei denen, die zuhören - eine besondere Vergegenwärtigung."

Dieses Bewusstmachen entspringt nicht dem Eigennutz, sondern trägt den Grundgedanken, dass die erkrankten Kinder und ihre Familien in den Mittelpunkt der Gesellschaft gehörten. Hanna Klingenberg: "Wir haben den gesellschaftlichen und gesetzlichen Auftrag und das Anliegen, mit kranken und sterbenden Menschen umzugehen." Das habe etwas mit Würde zu tun, aber auch mit dem Ermöglichen einer größtmöglichen Teilhabe.

"Die Zeit, die bleibt, soll schön sein."

Ganz praktisch sieht das im Kinderhospiz so aus, dass Eltern beispielsweise zusammen mit ihren Kindern die Ferien verbringen können: Und dass es Angebote für die gibt, in denen sich die erkrankten, sterbenden Kinder ausdrücken können. Beispielsweise in Therapien mithilfe von Musik oder Tieren. "Die Zeit, die bleibt, soll schön und ausgestaltet sein. Nicht das Ende soll im Mittelpunkt stehen, sondern das Jetzt!", so Hanna Klingenberg von den Pfeifferschen Stiftungen. Das Kinderhospiz erfährt viel Hilfe über Spenden, unablässig wird um neue Partner geworben. Und doch sticht die Schönebecker Aktion heraus. Weil sich Kinder engagieren würden. "Dass man im Orchester von sich aus auf die Idee gekommen ist, kranken Kindern zu helfen, ist nicht hoch genug einzuschätzen: Die Idee, mir geht es gut, was kann ich Gutes tun?", lobt Hanna Klingenberg die Initiative.

Mit ihrer Musik Gutes zu tun, diese Idee verfolgen die "Saitenspieler" schon sehr lange und widmen ihre Jahreskonzerte immer einem guten Zweck. Über die Ausrichtung der Förderung sprechen die jungen Musiker, getragen wird alles von den Eltern. Sie sorgen am Rande der Musikgenüsse für die Versorgung der Gäste. Orchesterleiterin Susanne Visontay ist auch froh und dankbar darüber, in der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien und St. Norbert Schönebeck/Calbe mit Pfarrer Dr. Thomas Thorak einen guten Partner gefunden zu haben. Denn die Kirche in der Friedrichstraße biete nicht nur eine schöne Musizierkulisse, sondern stehe dem Orchester auch frei zur Verfügung, so dass der Konzerterlös komplett dem guten Zweck gewidmet werden könne.

Susanne Visontay kann die Verbindung von Musik und Benefizgedanken nicht nur wegen des Erlöses am Ende des Konzertabends für gut befinden, sondern erkennt durchaus auch einen Wert für die Motivation im Orchester. "In der Musikschule oder beim Üben quält man sich oft: Neben Schularbeiten und anderem Stress muss man noch viel Zeit mit dem Instrument verbringen. Die Vorstellung, dabei etwas erreicht zu haben, bleibt dabei immer etwas vage. Dagegen ist ein Konzert mit viel Publikum, mit einer Spendensumme am Ende etwas sehr Konkretes, etwas, woran man sich immer wieder erinnern kann. Die Kinder vergessen nicht, was sie mit ihrem Spiel erreichen können."

   

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