Heute vor 165 Jahren kam es bei Barby zu einem tragischen Unglück. Trotz widriger Wetterbedingungen wollte der Fährmann 39 Menschen über die Elbe bringen. Dabei kenterte der Kahn und fast alle ertranken.

Barby l "1850 ... war ein Hochwasser, das unvergeßlich bleiben wird, da ... abends die Schreckenskunde unsere Stadt durchlief, dass 38 Personen in den angeschwollenen Fluten der Elbe umgekommen seien", schreibt eine zeitgenössische Chronik.

Was war geschehen?

Gegen 18 Uhr setzte der mit 39 Personen besetzte Fährkahn vom Gasthaus Ronney nach Barby über die Elbe. Dabei handelte es sich noch nicht um eine Gierfähre, die an einem Steil hängt, sondern um einen handgetriebenen Segelkahn. Die Insassen waren größtenteils Personen, die Grünwarenhandel zwischen Zerbst, Barby, Calbe und Schönebeck betrieben.

"Die Fährleute und einige Andere versuchten sich durch Schwimmen zu retten; doch ihre Kraft erlahmte, und sie ertranken gleich den Übrigen."

Nach dem Bericht des einzigen Überlebenden hatten sich der Fährmeister Wüsthof und die Fährmänner Rothmann und Westphal erst nach vielem Zureden entschlossen, trotz der drohenden Gefahr durch starken Wind und hohen Wasserstand, die Fahrt zu wagen. Als der Kahn die Mitte der Elbe erreicht hatte und das Segel gesetzt war, zerbrach der Sturm die Segelstange. Hohe Wellen überfluteten die eine Seite der Fähre. Jeder wollte sich in der Todesangst auf die andere Seite retten. Da schlug der Kahn um und sämtliche Personen stürzten in die brausende Flut. "Die Fährleute und einige Andere versuchten sich durch Schwimmen zu retten; doch ihre Kraft erlahmte, und sie ertranken gleich den Übrigen", schreibt der Chronist.

Am Ufer stehende Männer sprangen in Todesverachtung in die eiskalte Elbe, um die um Hilfe schreienden Menschen zu retten. Die Elemente waren jedoch stärker als sie. Mit Ausnahme des Arbeiters Hamann fanden alle Insassen ihr nasses Grab in dem Fluss. Er hatte beim Umstürzen des Kahns einen Pflock ergriffen, der zur Befestigung der Segelleine diente. So trieb er von der Unglücksstelle bis in die Nähe der jetzigen Eisenbahnbrücke, die es 1850 noch nicht gab. Dort konnte ihn der Schiffer Traugott Weber zusammen mit seinen Söhnen und dem Schiffsmüllergesellen Jungnickel unter unsäglicher Mühe retten.

Die ganze Stadt war durch das Unglück in tiefe Trauer versetzt. Alle Versuche, die Leichen der Ertrunkenen zu bergen, blieben erfolglos. Nur den Leichnam der Schifferfrau Meyer wurde am folgenden Tage gefunden. Weiterhin fischte man 28 Tragkörbe mit Inhalt, zwei Schubkarren und einen Handwagen aus dem Fluss.

"Die Not war groß, 44 Kinder waren zu Waisen geworden, 36 ältere Leute hatten Pfleger und Ernährer verloren. Da fand die Mildtätigkeit ein weites Feld, und jeder beteiligte sich am Unterstützungswerke. Leutnant Dietze, der jetzige Amtsrat, zeichnete sofort 500 Thaler", schreibt Chronist Karl Höse 1901.

Oberpfarrer Hachtmann muss das Unglück ungeheuer beeindruckt haben. Er verfasste eine sehr lange Predigt, die aufwändig als Büchlein gedruckt wurde. Der Seelsorger sandte ein Exemplar an die preußische Königin. Diese schickte 200 Taler, die den Hinterbliebenen zugute kamen. Die verkaufte 3000er Auflage der Predigt brachte 900 Taler ein, die ebenfalls zur Linderung der Not verwendet wurden.

Im Anhang der Predigt werden alle verunglückten Personen namentlich aufgeführt, die sich im Alter von 10 bis 73 Jahre befanden. Auffällig, dass viele Frauen den Status von Witwen hatten, als sie ertranken. Vermutlich verdienten sie als Grünwarenhändlerinnen ihren Lebensunterhalt. Der überwiegende Teil waren Barbyer Bürger; fünf Personen kamen von außerhalb. So die Grieswarenhändler Joseph Beume und Heinrich Faupel aus Worbis im Eichsfeld.

Bis 1869 pendelte die "Schrickfähre", die mit Hilfe eines Segels fuhr und gestakt wurde, über die Elbe. Danach wurde eine "fliegende Fähre" in Dienst gestellt. Damit ist ein Wasserfahrzeug im Gierprinzip gemeint, wie wir es heute noch kennen.

Der Chronist recherchierte die Fährpächter bis ins frühe 17. Jahrhundert. Als erster wird Thomas Steinmetz genannt, der am 15. März 1605 von einem Landsknecht erstochen wurde.

Das jetzige Fährhaus der Familie Bernau wurde 1899 seiner Bestimmung übergeben. Man baute es auf dem aufgeschütteten Hügel neben das Vorgängergebäude, das noch einige Jahre neben dem Neubau stand, bevor es noch vor dem Ersten Weltkrieg abgerissen wurde.

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