Wenn Kinder Kinder bekommen - Julia Lingner ist 17 Jahre alt. Seit anderthalb Jahren ist die Schülerin Mutter einer Tochter. Die Verantwortung meistert die Schönebeckerin ohne Bedenken. Ihr kleiner Sonnenschein Johanna ist nun ihr Lebensmittelpunkt. Da scheint es ein Leichtes zu sein für die Jugendliche, den Alltag mit Schule und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen.

Schönebeck. Innig schmusen Julia und Johanna. Beide strahlen bis über beide Wangen. Kurz krabbelt Julia ihre kleine Tochter am Fuß und der Sonnenschein juckst nur so vor sich hin. Julia und Johanna haben ein inniges Mutter-Tochter-Verhältnis. Ein Außenstehender könnte beide vorschnell als Geschwister sehen. Johanna ist anderthalb Jahre und Julia ist 17 Jahre alt. Die Jugendliche ist nicht etwa die Schwester, sondern die stolze Mutter.

"Ich wusste erst gar nicht, was ich denken soll", berichtet Julia Lingner von dem Moment, als sie feststellte, dass sie mit gerade einmal 15 Jahren schwanger ist. Zwar war sie zu dem Zeitpunkt mit ihrem Freund schon über zwei Jahre zusammen, doch an eigene Kinder wollte da keiner von beiden denken - ein Unfall sozusagen. Jedoch schnell "gewöhnte ich mich an den Gedanken", berichtet die heute 17-Jährige. Als Jugendliche Mutter werden - "Meine Mutti hat noch Witze gerissen, nur für meine Oma war es ein bisschen schwer gewesen", berichtet Julia Lingner.

An der Wand hat sie ein großes Foto von ihrer Johanna hängen. "Das ist unser Engelchen", sagt die junge Mutter mit Blick auf das Bild. Am 23. September 2009 wurde Johanna geboren. "Sie kam eine Woche zu spät", weiß die Schönebeckerin noch genau. Grundsätzlich erinnert sich die Schülerin an viele Details. "Ich war körperlich normal, so wie immer. Nur dass da eben noch der dicke Bauch war", beschreibt das junge Mädchen ihre Schwangerschaft. Genauso einfach sei es mit der Geburt gewesen. "Gerade einmal zwei Stunden hat alles gedauert", kommt Julia ins Plaudern.

"Ich wollte irgendwann einmal Mutter werden", erzählt Julia Lingner beiläufig. "Aber nicht so früh", sagt sie grinsend und kurzzeitig kommt das Kind in ihr wieder zum Vorschein. "Positiver Nebeneffekt war, dass ich während der Schwangerschaft keinen Schulsport mehr machen musste", erzählt Julia Lingner weiter. Von einem Thema kommt die Schülerin zum nächsten, nur eines zieht sich dabei stringent durch das Gespräch: Engelchen Johanna. "Sie ist ein liebes Kind", urteilt die junge Mutter. Und zur Erklärung: "Sie hat als Baby immer fast nur geschlafen." Als hätte der kleine Wirbelwind es im Flur gehört, kommt in diesem Moment Johanna um die Ecke gesaust und kuschelt sich sofort an ihre Mutti heran.

Der Charakter kommt nach dem Papa, sagt Julia nebenher. "Und wenn sie zickig ist, dann zeigt sie den Zug, den sie von mir hat", fügt sie mit einem Lächeln hinzu. Grundsätzlich sei ihr Schatz ein fröhlicher Mensch. "Sie lacht in einer Tour." Kuschelbedürftig sei sie und außerdem würde Johanna am liebsten ihre Mutti und den Papa knutschen, berichtet die 17-Jährige weiter.

Bei all der Freude und dem Familienglück will Julia eines ganz und gar vermeiden: dass ihre schulischen Leistungen leiden. Die Schule klappt gut, wenn nicht sogar noch besser als vorher. Derzeit ist sie, so die eigene Einschätzung, sogar besser als vor der Schwangerschaft. "Ich habe einen Durchschnitt von 2,5." Im kommenden, ihrem letzten Schuljahr will die junge Frau sich sogar noch ein Stück mehr Verantwortung ans Bein binden. "Ich möchte in unserem Schülercafé mitmachen", berichtet sie stolz. Nach dem Abschluss an der Lerchenfeld-Sekundarschule sieht sich die 17-Jährige als Einzelhandelskauffrau für ihre kleine Familie sorgen.

Bis dahin muss die junge Mutter weiterhin ihren Alltag zwischen Schule und Kinderbetreuung meistern - natürlich mit Hilfe ihres Freundes, dem Kindsvater, und der Familie. Und wenn ab 18 Uhr Bettruhe für Sonnenschein Johanna gilt, dann steht für Julia Lingner das Lernen wieder an erster Stelle.