Dieser Sonntag wird der Tag der Industriekultur: Dem Sachsen-Anhalt weiten Museumstag haben sich auch Organisatoren aus dem Salzlandkreis verschrieben. Und in Schönebeck ist es neben dem Solepark der Verein des Industriemuseums, der mit seinen Spektakeln zum Tagesthema "Salz" die Zuschauer verblüffen wird.

Von Franziska Richter

Schönebeck. "Es soll brennen und knallen! So wie man es von den Experimenten in der Chemie kennt." Was Georg Plenikowski hier sagt, ist keine Drohung, sondern die Einladung zu einem Spektakel, das am 17. April stattfindet: Zum zweiten Mal beteiligt sich sein Verein "Industriemuseum Schönebeck e.V. iMUSEt" neben weiteren Veranstaltern im Salzlandkreis am Tag der Industriekultur Sachsen-Anhalt. Mit diesem Tag will man in ganz Sachsen-Anhalt auf die Industriegeschichte aufmerksam machen und damit die regionale Identität stärken.

Mit dem "Brennen und Knallen" sind chemische Schauexperimente gemeint, die Plenikowski mit Rainer Ulbrich von iMUSEt mit witzigen Geschichten und wissenschaftlichen Erklärungen präsentieren wird. Für die Besucher gibt es an dem Tag aber auch weniger Gefährliches zu Sehen. In einer Sonderausstellung werden historische Produktionsverfahren der Hermania gezeigt. Aber im Mittelpunkt wird der Veranstaltungsort stehen, der der Öffentlichkeit und eventuellen neuen Vereinsmitstreitern an diesem Tag vorgestellt werden soll: die altehrwürdigen Industriehallen hinter der EMS-Zweigstelle in der Schönebecker Karl-Marx-Straße.

Keine Lust auf langweilige Museen

Mit diesem Gelände hat der Verein iMUSEt (ausgesprochen: Industrie Museum Erlebnis Technik) noch Großes vor: Auf mehr als 2500 Quadratmetern hinter der EMS-Geschäftsstelle soll ein Erlebnismuseum entstehen. Da die EMS wichtiger Partner dieses Vorhabens ist, werden sie dem Verein den hinteren Teil ihres Geländes "günstig", wie Plenikowski sagt, überlassen. In dessen Zentrum steht zwischen Backsteinbauten und der herrschaftlichen "Villa des Werkdirektors" die ehemalige Maschinenhalle.

In dieser wuchtigen Halle sollen von den Wänden her aus allen Ecken und Seiten alte Produktionsmaschinen in die Mitte der Halle reichen. Von oben sieht dies auf Rainer Ulbrichs Plan ein bischen wie ein liegendes Wagenrad aus.

Auf langweilige Museen mit Bildern und Urkunden haben die Herren vom Verein nämlich keine Lust: Die wuchtigen Maschinen sollen den Besuchern die Entstehung der Dinge vor Augen führen, die sie täglich umgeben. "Wie entsteht denn der Schlüssel, mit dem Sie ihre Wohnungstür aufschließen?", fragt Plenikowski rhetorisch.

"Schönebeck hat eine ex-trem tragende Industriegeschichte", erklärt er und kann das anschaulich begründen: "Bereits die Salzgewinnung ist der Anfang der Industriegeschichte und sie gab den Impuls für die industrielle Entwicklung von Schönebeck und dem Altkreis", sagt er weiter. Die erste chemische Fabrik Deutschlands sei in Schönebeck auf dem Firmensitz der Soda produzierenden Hermania, die bis heute als "Schirm GmbH" diverse chemische Produkte herstellt, gewesen. Ihr folgte die Munitionsindus-trie in Form der Lapua GmbH.

Der Verein des Industriemuseums ist schon lange am Werkeln und wird es auch noch lange sein, denn die Pflege der historischen Stücke und die Renovierung der alten EMS-Gebäude kosten Unmengen an Geld. "Aber wir haben schon Arbeitsgruppen gebildet und etwa 50 Mitstreiter sammeln alte Produkte und Maschinen der Industrie", erklärt Rainer Ulbrich. Gerade bessere man Maschinen aus dem alten Gummiwerk aus. In der hohen Museumshalle werden neben ihnen alte Traktoren thronen, Versuchsanlagen aus der Chemie, Super-Oldtimer und Munitionsmaschinen. Und noch mehr ist geplant:

Firmen und Privatleute des Altkreises Schönebeck sind hier aufgerufen, mitzumachen. "Wir können jede helfende Hand gebrauchen. Ob es eine Firma ist, die helfen möchte oder die eigene Stücken mit ausstellen will, oder der Privatmann, der Produkte oder kleine Maschinen von früher zu Hause stehen hat. Und Bastler, die ihr Hobby mit uns gemeinsam ausüben wollen", ruft Rainer Ulbrich vom Industrieverein auf.

Sicher ist es noch lange hin, bis das Museum einmal renoviert und voller Schmuck- stücke der Geschichte steht, wie es den Vereinsmitgliedern klar ist. Bis dahin gibt es für alle Bastler und Interessierten am Sonntag, dem 17. April das "Brennen und Knallen".

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