Sein Name täuscht. Der Gartenrotschwanz ist in vielen Gärten nicht mehr anzutreffen. Die Verbreitung seine Art ist stark rückläufig. Aus diesem Grund wurde er zum Vogel des Jahres 2011 gekürt. Doch wie sieht es mit der Verbreitung des Gartenrotschwanzes im Raum Staßfurt aus?

Staßfurt. Hätten doch alle Vögel ein so auffälliges Federkleid wie der männliche Gartenrotschwanz, wie leicht wäre dann für den Anfänger die Bestimmung. Veranlasst durch den hohen Gefährdungsgrad wurde die Art vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) zum Vogel des Jahres 2011 gekürt.

Die Art hat sich um zwei Drittel reduziert

Sicher mündet diese Auswahl nicht in jene teils unsachlichen Kontroversen, die nach der vorjährigen Nominierung des Kormorans die Zeitungsspalten füllten. Denn ganz im Gegensatz zu ihm hat sich der Bestand des Gartenrotschwanzes im Verlauf der letzten 30 Jahre in Deutschland um zwei Drittel reduziert.

Auch gibt es keine wirtschaftlich motivierten Bedenken betreffs der Ernährungsweise: die für die Art lebenswichtigen Insekten vernichtet weitgehend die Intensivlandwirtschaft mit ihren für die Natur unverträglichen Produktionsmethoden.

In der von Dr. Walter Borchert 1927 publizierten Vogelfauna, die auch unseren heutigen Salzlandkreis umfasst, findet sich folgende Charakterisierung: "Der Gartenrotschwanz ist außerhalb der höchsten Teile des Harzes ein ungefähr gleichmäßig verbreiteter Brutvogel."

Als ich genau 50 Jahre später begann, die Vogelwelt des 34 Quadratkilometer großen Güstener Beckens zu durchforschen, tendierte die Art bereits zur Rarität. Brutnachweise waren selten, so 1979 in Warmsdorf, 1984 im Güstener Apothekengarten und im Köxbusch sowie 1986 im Lerchenteich bei Rathmannsdorf.

Auch eine Siedlungsdichteuntersuchung in den Jahren 2003/04, in dem an der Peripherie unseres Landkreises liegenden Lödderitzer Forst, erbrachte große Verbreitungslücken. Zwei Brutpaare entdeckte Wolfgang Hahn 2003 auf dem Terrain des Staßfurter Tierparks.

Der Gartenrotschwanz ist fast ein Kosmopolit. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über nahezu ganz Europa, Kleinasien, Afrika sowie Asien bis östlich des Baikalsees. Im zeitigen Frühjahr trifft er aus den vorwiegend afrikanischen Winterquartieren südlich der Sahara an seinen heimischen Brutplätzen ein. Bereits am 24. März 2002 beobachtete ihn Jürgen Adler bei Neundorf. Er verweilt dann etwa sechs Monate bei uns, wobei es kurz vor dem Wegzug im Herbst auch zu kleinen Ansammlungen kommt.

So am 24. September 1981, als sich sechs Vögel zur Nahrungssuche am Güstener Busch aufhielten. Bemerkenswert war der Ringrund eines schwedischen Gartenrotschwanzes am 8. September 1959 in Staßfurt. Wie das Naturhistoriska Riksmuseum in Stockholm mitteilte, erfolgte die Kennzeichnung am 12. Juni 1959 als Nestling bei Hudiksvall, Provinz Hälsingland. Er hatte also eine Flugstrecke von mehr als 1200 Kilometer zurückgelegt.

Der Gartenrotschwanz mag Streuobstwiesen

Brutplätze findet der sperlingsgroße Gartenrotschwanz auf Friedhöfen und in Parks, vorausgesetzt, dass alte Baumbestände vorhanden sind. Bevorzugt besiedelt werden auch die selten gewordenen Streuobstwiesen, wie sie sich im Weinbergsgrund bei Hecklingen erhalten haben. Nach der Rückkehr suchen die Männchen den künftigen Nistplatz aus, der vorwiegend in Baumhöhlen mit hochovalem Schlupfloch liegt. Seltener werden Mauerlöcher, wie 1979 in Warmsdorf und Dachbalken genutzt.

In Skandinavien, wo die Verbreitungsgrenze die baumfreie Finnmark am 71. Breitengrad erreicht, brüten Gartenrotschwänze sogar in Erdlöchern. Im Monat Mai findet man die aus sechs bis sieben Eiern bestehenden Gelege, deren 14-tägige Bebrütung allein das Weibchen besorgt.

Erst nach dem Schlupf der Jungen wird das Männchen aktiv und beteiligt sich auch an der Fütterung. Nach etwa 14 Tagen Nestlingszeit verlassen junge Gartenrotschwänze das Nest. Anschließend schreiten die Vögel zu einer Zweitbrut.

Bilder