Wieder gibt es in Egeln keine fünften Klassen im neuen Schuljahr. Der Entscheidung zugrunde liegt ein merkwürdiges Schreiben des Landesschulamtes. Die Behörde hat die Außenstelle Egeln des Staßfurter Gymnasiums für ein Jahr genehmigt. Beschlossen hatte der Kreis zehn Jahre.

Egeln l Offenbar gibt es auch in den oberen Landesbehörden Probleme, einen Bescheid ordentlich zu verfassen. Menschen mit juristischer Vorbildung war bei dem Bescheid des Landesschulamtes zum Schulentwicklungsplan des Salzlandkreises aufgefallen, dass die vorgeschriebene Rechtsbehelfsbelehrung fehlt. "Ist das überhaupt ein Bescheid", fragt Verbandsgemeindebürgermeister Michael Stöhr. Das Kultusministerium wiederspricht: "Die Bestätigung mit Einschränkungen vom 20.03.2014 ist kein Bescheid, da es sich bei der Genehmigung der Schulentwicklungsplanung durch die zuständige Schulbehörde nach § 22 Abs. 4 Satz 1 Schulgesetz LSA um keinen Verwaltungsakt handelt", teilt die Pressestelle mit. Egelns Verbandsgemeindebürgermeister setzt sich für den Erhalt des gymnasialen Standortes ein. Als Außenstelle des viel größeren Staßfurter Gymnasiums sollte die Egelner Bildungsstätte weiter Schüler auf die Aufnahme eines Studiums vorbereiten. Vor allem die kleinen Schüler sollten in Egeln wenn möglich bis zur achten oder neunten Klasse unterrichtet werden und erst in den oberen Klassen nach Staßfurt wechseln. Kurze Weg für kurze Beine lautete dafür das einschlägige Motto. Momentan prüft der Landkreis nach einer Mitteilung noch den Bescheid des Landesschulamtes.

Für Andreas Michelmann, Vorsitzender des Schul- und Kulturausschusses im Kreistag, ist die Angelegenheit dagegen klar. Ohne die Rechtsbehelfsbelehrung habe der Landkreis ein Jahr Zeit Widerspruch einzulegen. Für ihn zeichnete sich der Niedergang aber ab. Vor allem die fehlenden Schülerzahlen seien die Hauptursache, sagt er. Dabei hatten die Schulpolitiker im Kreis für das Gymnasium ein Chance in der Gemeinschaftsschule gesehen. Wenn es eine Kommune gebe, worauf das Konzept der Gemeinschaftsschule passe, dann Egeln, meinte Michelmann. Dass es offenbar deswegen nicht funktionierte mit dem Schulmodell, weil die handelnden Personen nicht miteinander auskamen, bedauerte er.

Nur etwas mehr als 30 Eltern hatten sich dafür ausgesprochen, ihre Kinder auf das Egelner Gymnasium zu schicken, sagt der Egelner Gemeindechef Michael Stöhr. Für einen Erhalt des Standortes benötigt die Schule aber 50 Mädchen und Jungen.

Dass der Landkreis die Informationen über die Zukunft des Standortes immer nur sehr zögerlich verbreite, ärgert den Bürgermeister. "Wir als Verbandsgemeinde haben auch ein Recht zu erfahren, wie es mit dem Haus weitergeht", meint er. Warum das Landesschulamt nur eine einjährige Außenstelle für das Egelner Haus genehmigte, bleibt indes offen.

Dagegen vorgehen will Andreas Michelmann nicht. Der Kreistag wird sich auf seiner nächsten Sitzung Anfang Mai mit dem Thema befassen. Ob das Haus sich dann kurz vor der Kommunalwahl durchringt, gegen den Bescheid vorzugehen, ist ungewiss.

Bürgermeister Michael Stöhr will jetzt auf die SPD-Fraktion im Kreistag setzen, kündigte er an. Die Sozialdemokraten hatten den Schulentwicklungsplan entscheidend im Kreistag abgeändert, erinnert er. Erst durch Antrag sei die zehnjährige Außenstelle aufgenommen worden. Er hoffe, sagte er weiter, dass die Kreistagsmitglieder den Bescheid des Landesschulamtes kritisch hinterfragen und notfalls auch Widerspruch einlegen.

Für Egeln bedeute der Verlust des Gymnasiums einen Standortnachteil, bedauert Stöhr. Die Attraktivität der Egelner Mulde sinke mit der Aufgabe des Standortes.

Wie lange Egeln als Außenstelle des Staßfurter Gymnasiums fungieren kann, lässt das Kultusministerium offen. Aber, so lässt das Ministerium wissen: Im kommenden Jahr kann der Landkreis erneut die Fortführung der Außenstelle beantragen.