Das Museum kommt zu Ihnen. Richtig gehört: Die Atzendorfer Hopfendarre öffnet zwar erst im Mai wieder für die Besucher, aber mit der Volksstimme kommt das Heimatmuseum direkt zu Ihnen nach Hause.

Atzendorf l "Der etwas andere Museumsbesuch" wartet ab heute und dann in jeder Woche in der Volksstimme auf Sie. Zusammen mit Sabine Rotter und dem Atzendorfer Heimatverein "Carsted Club" wollen wir Ihnen, liebe Leser, das Museum näher bringen. "Wir kommen gemeinsam mit dem Heimatmuseum Atzendorf zu Ihnen nach Hause", kündigt Sabine Rotter an.

In jedem Beitrag stellen wir Ihnen einen anderen Bereich aus der alten Hopfendarre vor: Was hat es mit dem Projektor in der Schulausstellung auf sich? Woher stammen die Bierverschlüsse im Kaufladen? Und was hat es mit dem sagenumwobenen Rüsterbaum auf sich, von dem noch ein Original-Stück eines Astes im Museum liegt.

All diese Informationen gibt Ihnen hier Sabine Rotter, die für die Volksstimme Artikel verfasst hat. Erfahren Sie auch die Hintergründe der Exponate: Wie entwickelte sich die Landwirtschaft in Atzendorf? Wer war Carsted und wann gab es in Atzendorf die erste Schule?

Das heutige Heimatmuseum ist das Werk der rührigen Mitglieder des Heimatvereins. Ihr Motto lautet: "Für das Neue sollten wir eigentlich leben. Das Alte aber, sofern es Anspruch hat, sollen wir bewahren und ehren." (Fontane)

Die leidenschaftlichen Historiker nahmen ihre Arbeit im März 1993 auf. Den Verein ließen sie dann am 26. Juni 1996 eintragen, genau 200 Jahre nach dem Tode von Samuel Benedikt Carsted, dem Atzendorfer Pfarrer und Verfasser der Chronik.

Seit 2001 betreibt der "Carsted Club" das Heimatmuseum in der alten Hopfendarre. Hier befinden sich viele Dinge des früheren, alltäglichen dörflichen Lebens in und um Atzendorf. Heute möchten wir Ihnen im ersten Teil die Geschichte der ehemaligen Hopfendarre, des Museums, vorstellen.

Die Hopfendarre

Das Volkseigene Gut Atzendorf baute um 1950 erstmals in Atzendorf Hopfen an. Das erste Hopfenfeld, über zwölf Morgen groß, befand sich dort, wo heute das Wohngebiet von Atzendorf ist. Jeweils im zweijährigen Abstand wurden zwei weitere Schläge auf der anderen Seite der heutigen L 71 in einer Größe von je ebenfalls zwölf Morgen eingerichtet.

Das letzte Hopfenfeld wurde zirka 1982 oder 1983 von der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) zwischen dem heutigen Regenrückhaltebecken und Luxdorf erbaut, dabei wurden schon Betonpfähle verwendet. Immer im Frühjahr wurde der Hopfen gepflügt, gegrubbert (das heißt, die Erde bearbeitet) und gehakt. Vom Oberdraht aus wurde zu je einer Pflanze ein Rankdraht heruntergezogen, an dem sich die Pflanze empor schlängelte, nachdem sie angeleint wurde.

Im September war Erntezeit. Die Hopfendolden wurden von den heruntergezogenen Pflanzen mit der Hand abgepflückt und zum Trocknen ("darren" bedeutet trocknen) zur Hopfendarre transportiert, die 1954 im Auftrag des "Volksgutes" gebaut wurde. Dort, in der oberen Etage, wurde der Hopfen in einem speziellen Warmluftofen "gedarrt" und auf dem Boden ausgebreitet. Danach wurde er in große Säcke gestopft und in den unteren beiden Etagen der Hopfendarre bis zum Abtransport gelagert.

Etwa ab Januar des Folgejahres, also ab 1955, wurde der Hopfen mit dem Lkw nach Leipzig gebracht. Dort begann sein Weg in die westdeutschen Brauereien, denn wegen seiner guten Qualität galt der Atzendorfer Hopfen als Devisenbeschaffer und wurde in die Bundesrepublik exportiert.

Als die Atzendorfer Hopfenproduktion dann in LPG-Hand war, wurde die Weiterverarbeitung einfacher. Die Hopfendolden wurden von einer stationären Hopfenpflückmaschine gepflückt und sofort von einem Bandtrockner getrocknet.

Die Hopfendarre wurde nur 20 Jahre lang als solche genutzt, danach diente sie als Lager für die unterschiedlichsten Zwecke.

Die Hopfendarre wurde im Jahr 2000 von den Mitgliedern des "Carsted Club" wieder hergerichtet. Sie beherbergt neben dem Atzendorfer Schulmuseum auch eine kleine Landwirtschaftsausstellung, typisch bäuerliche Wohnräume und den historischen Kaufladen.

In der nächste Woche kommt das Heimatmuseum wieder zu Ihnen - ein Blick in den Briefkasten genügt!

Ihre Sabine Rotter und die Mitglieder des "Carsted Club"

   

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