Aufmerksam machen auf die Bedürfnisse von Menschen, die mit einer Behinderung leben müssen. Das ist ein Ziel der Aktionstage, die am Sonnabend in Staßfurt begannen - und natürlich, dass sich was zum Positiven ändert.

Staßfurt l Beste Beispiele dafür, dass noch nicht alle Menschen gleiche Bedingungen in der Stadt vorfinden, hatte die Lebenshilfe-Mitgliederversammlung kürzlich in Staßfurt verdeutlicht: Da gibt es immer noch unüberwindbare Hindernisse für Rollstuhlfahrer, wenn sie mit einem Bus mitfahren wollen. Da ist nicht eine barrierefreie Wohnung in Förderstedt zu finden (wir berichteten) ...

Freunde der Gehörlosengemeinschaft Sachsen-Anhalt machten bei ihrem Besuch am Sonnabend in der Redaktion der Staßfurter Volksstimme auf weitere - für sie ungelöste Probleme in der Gesellschaft - aufmerksam: Schon einfache Dinge wie Film-Untertitel würden Gehörlose mehr am Leben teilhaben lassen. Immerhin würden sie auch GEZ-Gebühren bezahlen, bekommen aber kaum Dienstleistungen dafür, von privaten Sendern überhaupt keine, macht Hans-Jürgen Wolf aufmerksam, der die Gehörlosengemeinschaft schon 30 Jahre begleitet. Herkömmliche Rauchmelder können Gehörlosen im Ernstfall kein Leben retten. Sie bräuchten Geräte, die Lichtzeichen geben oder nachts unterm Bett einen Vibrationsalarm auslösen. "So etwas gibt es, kann aber nicht jeder bezahlen", erklärt Wolf. Zudem gebe es zu wenige Gebärdendolmetscher für die schätzungsweise 100 000 Gehörlose in Deutschland.

Umso mehr freuten sich die Gäste - ein Großteil aus Schönebeck, Burg und Halle - dass die Stadt Staßfurt ihnen mit dem Miteinanderfest zu den Aktionstagen und auch die Volksstimme mit der Besuchsmöglichkeit eine Plattform gebe. Beim Sachsen-Anhalt-Tag in Wernigerode beispielsweise sei nichts in Richtung Dolmetscher geplant. Stolz könne man dagegen sein, dass Sachsen-Anhalt mit einer App für Gehörlose über Facebook oder Handy-Stores ("ggsa") Vorreiter sei.

Kurt Strauß aus Halle brachte außerdem zum Ausdruck, dass die Tageszeitung für viele Gehörlose zum Alltag gehöre und wichtig sei für die Teilhabe am Leben. "Wir brauchen die Zeitung, um an Informationen zu kommen. Das fängt schon beim Wetterbericht an", so Kurt Strauß.

Bevor die Gäste zum Miteinanderfest in den Tiergarten wanderten, erklärte die Staßfurter Gleichstellungsbeauftragte Christine Fischmann, dass das Motto der Aktionstage "Viel erreicht, noch viel mehr vor" zeige, dass sich etwas tut. Das Konzept für eine barrierefreie Kommune sei auf den Weg gebracht, wovon nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Mütter mit Kinderwagen etwas haben werden. Auch der Mehrgenerationenspielplatz in Nord sei ein Mosaikstein. Man müsse aber dran bleiben.

Die Gespräche werden sicher heute fortgesetzt (siehe oben).

   

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