Staßfurt/Hecklingen l In der Zeit von 16 bis 20 Uhr kamen die Feuerwehren laut Mitteilung der Rettungsleitstelle allein im Raum Staßfurt in vier Orten im Kampf gegen die Wassermassen zum Einsatz. Dabei handelte es sich um die Üllnitzer Straße in Brumby, die Friedensallee in Hohenerxleben, die Lindenstraße in Löbnitz und die Staßfurter Straße in Hecklingen.

"Land unter", meldeten Montagabend die Bewohner der Rudolf-Breitscheid-Straße in Neundorf. Dort sorgte sich Frank Zellmer, dass die braune Brühe, die gefährlich nahe an die Kellerfenster rankam, ins Haus läuft. "Das erlebe ich nun schon zum dritten oder vierten Mal", ärgerte sich der Neundorfer. Vor seinem Haus waren weder die Straße, noch der Fußweg auf der rechten Seite in dieser Zeit passierbar.

Wenige Meter weiter in der Rathmannsdorfer Straße wurden sogar Fäkalien und Toilettenpapier aus der Kanalisation durch den Gullydeckel auf die Straße gedrückt. "Wohnen wir in der ,Pampa`, fragte sich Günter Tappenbeck, der das Geschehen in der Kurve in Richtung der Einmündung zur Gartenstraße im Bild festhielt, bei diesem Anblick.

Probleme gab es auch in Staßfurt. Dort stand die Grenzstraße wie immer kurzzeitig unter Wasser. In der Wasserkunststraße gegenüber vom Rathaus in der Hohenerxlebener Straße wurde die Fahrbahn durch den Regen so stark unterspült, so dass sie abgesackte und heute gesperrt werden musste. Dort setzte der Wasser- und Abdwasserzweckverband "Bode-Wipper" nach einer Untersuchung ein Unternehmen ein, dessen Mitarbeiter die entsprechende Stelle freilegten. Dabei kam ein mehr als 50 Zentimeter tiefes Loch zu Tage.

"Zum Glück haben wir für die Erneuerung der Abwasserleitung für dieses Jahr Geld eingeplant", sagte Oberbürgermeister René Zok (parteilos), der sich die Gefahrenstelle ansah. Die bereits 80 oder 90 Jahre alte Hauptleitung, mit der das Schmutzwasser aus Leopoldshall zur Bodestraße transportiert wird, soll demnächst erneuert werden, sagte ein Mitarbeiter des Verbandes und fügte hinzu: "Für Anfang August ist die Ausschreibung geplant."

Im benachbarten Hecklingen überschwemmten die Wasermassen nicht nur wie immer bei solchen Wetterlagen die Staßfurter Straße. Dieses Mal erwischte es auch Jürgen Priese, der in der Ascherslebener Straße/Ecke Buschweg wohnt, denn das Wasser lief in seine Garage. Das führte er darauf zurück, dass durch die Bauarbeiten in dieser Straße kein Grundstücksbesitzer mehr sein Regenwasser in den 1937 entstandenen Flutgraben abführen darf. "Der Abwasserverband hat verlangt, dass wir uns an den Kanal anschließen", sagte der Volksstimme-Leser und fügte hinzu: "Das ist doch hirnrissig. Hier geht es doch nur ums Geld. Diejenigen, die das entschieden haben, sollte man für die Schäden verantwortlich machen", sagte Priese.

Der Geschäftsführer des Wasser- und Abwasserzweckverbandes "Bode-Wipper", Andreas Beyer, will sich morgen dazu äußern, warum es bei Starkregengüssen immer zu solchen Problemen kommt.

Während des Unwetters waren Christina Dorandt und Michael Kreisel aus Hannover auf dem Europaradweg R1 von Thale aus in Richtung Staßfurt unterwegs. "Wir sind schon viele Radwege abgefahren, aber so schlecht wie dieser war schon lange keiner mehr", sagte Christina Dorandt, die auch die schlechte Ausschilderung kritisiert. Sie und ihr Beifahrer waren am Abend erleichtert, als sie nach einem anstrengenden Tag endlich Station in einem Hotel machen konnten.

 

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