Wann und wie ist die Stadt Hecklingen entstanden? Diese Frage steht am Anfang der Serie zur Heimatgeschichte der Stadt.

Hecklingen l Wie vieles, was Hunderte Jahre zurückliegt, ist auch die Entstehungsgeschichte der Stadt Hecklingen umstritten. Die Gründungsjahre schwanken zwischen 944 und 1176. Eine interessante Frage, nicht nur deswegen, weil sie das tausendjährige Bestehen der Stadt in Abrede stellen würde.

Um diesen Sachverhalt zu verstehen, muss man über eintausend Jahre zurückgehen. Noch bevor Otto der Große zum ersten deutschen Kaiser ernannt wurde, fand ein Dorf inmitten der Bodeniederung erstmals urkundliche Erwähnung. Südlich vom damaligen "Nabel der Welt" (Magdeburg) und östlich vom heutigen Hecklingen entstand der kleine Ort Kakelingen. Damals, im Jahre 944, in Zusammenhang mit Egino von Kakelingen - seines Zeichens erster bekannter Vertreter der Stammesliste von Plötzkau - wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt.

Würde das damalige Kakelingen mit dem heutigen Hecklingen gleichzusetzen sein, so wäre die Stadt mindestens 1060 Jahre alt. Wäre Kakelingen jedoch ein völlig anderer Ort, so wäre Hecklingen deutlich jünger als jahrelang vermutet.

Rein geografisch betrachtet befand sich Kakelingen eher am Rande der heutigen Stadt Hecklingen auf Höhe des Feuerwehrtechnischen Zentrums des Salzlandkreises und des Einkaufsmarktes "Kaufland" (siehe Bild). Bei Ausgrabungen im Jahr 1994 entdeckten Archäologen dort 4000 Grabstätten, die auf das 11. Jahrhundert datiert werden konnten und somit einen Beweis für die ehemalige Verortung von Kakelingen gaben.

Kakelingen, gelegen am steilen Bodehang inmitten der Bodeniederung, war ein frühmittelalterliches Kirch- und Pfarrdorf. Graf Bernhard I. von Plötzkau ließ 1070 in Kakelingen ein Benediktinerkloster errichten, welches 1130 in ein Nonnenkloster umgewandelt und 1160 in seiner Schutzherrschaft von den Askaniern übernommen wurde. Aufgrund der eher ungünstigen Lage Kakelingens veranlassten die Askanier die Verlegung des Klosters ins höher gelegene heutige Hecklingen.

Die erste Erwähnung fand die neue Klosteranlage in einer Urkunde des Magdeburger Erzbischofs Wichmann unter der Bezeichnung "Hakelinge" (Kirchdorf) im Jahre 1176. Die sprachgeschichtliche Tradition zwischen "Hakelinge" und dem heutigen Hecklingen scheint unumstritten, sodass die späteste Ersterwähnung des Ortes auf 1176 zurückginge.

Interpretiert man die Umsiedlung des Klosters von Kakelingen in den heutigen Stadtkern nun als Neugründung des Ortes, so wäre Hecklingen tatsächlich erst 838 Jahre alt. Geht man aber davon aus, dass "Kakelingen" und "Hakelinge" jedoch nur zwei unterschiedliche Schreibweisen waren, so wäre das heutige Hecklingen mindestens auf die erste urkundliche Erwähnung Kakelingens 944 zurückzudatieren und daher deutlich älter. Unterstrichen wird die These der Namenswechsel, wenn man sich vergegenwärtigt, dass mit dem Sprachwandel die Schreibweisen mancher Orte oft wechselten. Auch zwischen "Kakelingen" (944) und "Hakelinge" (1167) gab es verschiedene "Übergangsschreibweisen", die auf eine Kontinuität der Städte hindeuten.

Das Hineinwandern des Ortes Kakelingen in das heutige Hecklingen und die Ähnlichkeit der Namen beider Dörfer sprechen deshalb dafür, dass die Tradition Hecklingens mit jener von Kakelingen ihren Anfang fand, und demnach auf eine über 1060-jährige Geschichte zurückgeht. Die Hecklinger selbst sehen ihren Ort auch als Nachfolgesiedlung und damit in der Tradition Kakelingens, und datieren die Ortsentstehung somit auf 944. Sonst hätte man im Jahre 1994 wohl kaum unter großem Aufwand die 1050-Jahr-Feier durchgeführt.