Das Rothenförder Wehr konnte nicht gerettet werden. Die Pfeiler waren so marode, dass sie komplett abgerissen werden mussten. Der Status als Denkmal ist damit endgültig verloren.

Rothenförde/Unseburg l Die Mitarbeiter der Baufirma am Rothenförder Wehr konnten nur wenig von dem Denkmal retten. Im Prinzip sind der Stahloberbau und die Tafeln alles, was vom Original übrig bleiben wird. Ziel des Landesbetriebs für Hochwasserschutz (LHW) Sachsen-Anhalt war es, das Denkmal zu erhalten und aufwendig zu sanieren. "Wir sind ja sehr mutig angetreten", erklärt der Leiter des LHW, Burkhard Henning, im Volksstimme-Gespräch.

"Aber wie das manchmal so ist, sieht man erst, wie tief die Wunde ist, wenn man richtig herankommt", erklärt Henning. "Die Pfeiler waren absolut nicht mehr zu retten, wir bekommen dort keine Statik mehr hin." Beim Anstauen des Wassers hätten sie nicht mehr gehalten.

Ralf Standfest von der Steinle Bau GmbH, Bauleiter vor Ort, erklärt, dass das Problem Ende August deutlich wurde. Eigentlich wollten die Bauarbeiter die Pfeiler durch Betoneinspritzungen in die Hohlräume wieder tragfähig machen.

Baustopp und Umplanung im September

"Als die Probleme aufkamen, haben wir noch versucht, die Pfeiler per Hand abzutragen und jeden Stein einzeln zu retten" erklärt er. Dennoch sei nichts zu machen gewesen.

Gemeinsam mit der Denkmalschutzbehörde musste komplett umgeplant werden. Es folgte ein Baustopp über drei Wochen bis 13. Oktober. "Schließlich mussten wir die Pfeiler entsorgen", so Ralf Standfest.

Wer in diesen Tagen zum Rothenförder Wehr fährt, erlebt einen ungewöhnlichen Anblick: Dort, wo das historische Bauwerk stand, ist heute nichts mehr. "Den Status als Denkmal hat das Wehr damit komplett verloren", bedauert Ralf Standfest.

"Wir haben uns letztendlich für einen fast kompletten Ersatzneubau entscheiden müssen", erklärt LHW-Leiter Henning. "Das wird auf jeden Fall mehr kosten", sagt er. Bisher waren 1,5 Millionen Euro vorgesehen. Neue Zahlen hat Henning jetzt noch nicht parat. Er will erst einen Termin mit dem Minister für Landwirtschaft und Umwelt von Sachsen-Anhalt, Dr. Hermann Onko Aeikens, abwarten. Dieser hatte einen Vor-Ort-Termin, der Anfang September am Wehr stattfinden sollte, wegen der Unklarheiten zu dem Zeitpunkt abgesagt.

Der Ersatzneubau soll aber genauso wie das Original aussehen, informiert Bauleiter Ralf Standfest. Dazu werden neue Pfeiler gebaut.

Neue Pfeiler ersetzen die alten

Für das Setzen der Pfeiler wird die Sole verbreitert und die Baustelle getrocknet. Um das Wasser komplett aus der Baugrube zu bekommen, wird dort in dieser Woche abgepumpt, während die Bode seit einiger Zeit im Rohbau für die Fischtreppe an der Seite des Flusslaufs vorbeigeführt wird. Daher ist zur Zeit nur ein Bauarbeiter vor Ort, der das Abpumpen überwacht.

An die Stelle des alten Wehres wird die Firma ab der nächsten Woche mit einem Mäkler, einem Tiefbaugerät, fünf Meter lange Spundwände in den Flussgrund setzen und Beton für die Pfeiler, die über zwei Meter tief in die Erde reichen werden, verfüllen, informiert der Bauleiter. Stehen werden die Pfeiler wahrscheinlich erst Anfang des nächsten Jahres. Danach wird die Fischtreppe fertig gebaut.

Burkhard Henning lobt unterdessen die Baufortschritte vor Ort: "Es geht zügig voran". Die Firma will im Mai 2015 mit den Bauarbeiten fertig sein, "aber das hängt auch vom Wetter ab", sagt Ralf Standfest. Wenn die Firma abzieht, folgen noch Restarbeiten wie das Bepflanzen des Ufers.

Das Rothenförder Wehr existierte in seiner letzten Form seit dem Jahr 1889. Es muss aber viel älter sein gewesen, denn es wurde zur Wasserregulierung einer Mühle eingesetzt, die mindestens aus dem Jahr 1704 stammt oder noch älter ist, wie aus der Ortschronik zu entnehmen ist.

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